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Supersonntag > Unser Land > Unterwegs auf dem Saale-Radweg >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 13.05.2019 um 10:34:43

Unterwegs auf dem Saale-Radweg

Der Saale-Radweg feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Er erstreckt sich über rund
400 Kilometer von der Quelle bis zur Mündung – vom Fichtelgebirge, über Saalfeld, Jena bis nach Barby. Dort fließt die Saale in die Elbe.

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ dichtete schon Johann Wolfgang Goethe. Der Saaleradweg ist solch Gutes, liegt er doch, für die Leser unseres Magazins, die im südlichen Sachsen-Anhalt zu Hause sind, vor der Haustür. Über 400 Kilometer ist er lang und führt von der Quelle in Bayern durch Thüringen und Sachsen-Anhalt bis zur Elbmündung. Radwanderer erleben romantische Burgen, Schlösser und Ruinen, fahren durch das landschaftlich reizvolle Saaletal und genießen erlesene Speisen und Weine.

Für „Unser Land“ machten wir unsere Drahtesel fit und waren auf zwei Teiletappen der insgesamt neun Etappen unterwegs. Etappe 7 führte uns von Naumburg nach Halle. Etappe 8 von Halle bis Bernburg. (Diese Strecke stellen wir unseren Lesern in der nächsten Ausgabe vor). Beide Streckenlängen sind mit jeweils 60 Kilometern angegeben. Abstecher in die Natur, zu Sehenswürdigkeiten in den Städten oder zum Einkehren, aber auch Baustellen und Umleitungen, lassen die zurückzulegenden Kilometer leicht auf jeweils 80 ansteigen.


Die Saale im Blick – auf dem Rad von Naumburg nach Halle

Wir starten am frühen Morgen eines Spätsommertages am halleschen Hauptbahnhof. Die Regionalbahn von Abellio bringt uns bequem in nur einer halben Stunde nach Naumburg. Wir sind rechtzeitig auf dem Bahnsteig und können nach Einfahrt des Zuges in aller Ruhe die Räder an den vorgesehen Fahrradstellplätzen in der Bahn sichern. Das ist ratsam, weil in der Saison sehr viele Radtouristen das Angebot zur Fahrradmitnahme nutzen. Zu Stoßzeiten am Morgen und Abend wird es jedoch schon mal eng. Verdammt eng! Mit den Mitreisenden kommen wir schnell ins Gespräch, denn auch sie wollen eine Radtour machen. Es wird gefachsimpelt, Touren und Einkehrtipps werden ausgetauscht. Beim Ausstieg hilft man sich gegenseitig, das ist Ehrensache unter Radlern.

In Naumburg verzichten wir mit Blick auf unser Tagespensum auf einen Stadtbummel. Wenngleich dies sehr schade ist. Denn Naumburg ist reich an Architektur aus Romanik, Gotik, Barock und Renaissance. Bekanntestes Bauwerk ist sicher der Naumburger Dom.

Sehenswert sind aber auch das Gebäudeensemble des Marktplatzes sowie das Marientor und die Stadtmauer. Ein Highlight sehen wir dann aber doch. Naumburger nennen sie „Die wilde Zicke“. Gemeint ist die aus den 1930er Jahren stammende Straßenbahn, die regelmäßig mit den Fahrgästen ihre Runden entlang des Altstadtrings dreht.

Endlich treten wir in die Pedale. Erstes Zwischenziel ist der Blütengrund. Hier, wo nur wenige Meter flussaufwärts die Unstrut in die Saale mündet, setzen wir mit der Fähre über. Wir sind zu früh und müssen mit einem Eisenschlegel laut klopfen, um den Fährmann ans andere Ufer zu holen.

Mit den Rädern in die überdimensionierte Nussschale zu steigen ist eine wacklige Angelegenheit. Zum Glück hilft der freundliche Fährmann. Während der kurzen Überfahrt plaudert er mit den Passagieren. Gleichzeitig zieht er die Fähre mit seiner Muskelkraft an einem Seil ans andere Ufer. Wir entscheiden uns für einen ersten kurzen Abstecher in die Weinberge. Statt an der Saale radeln wir entlang der Unstrut in Richtung Großjena. Am steinernen Bilderbuch sollte man unbedingt anhalten und sich ein wenig Zeit nehmen, um sich die zwölf in einem Weinberg befindlichen Steinreliefs anzuschauen. Die biblischen und fürstlichen Motive ließ der Juwelier Johann Christian Steinauer 1722 in den Sandstein hauen.


„Hier ist es wie in der Toscana, bloß näher“

„Hier ist es wie in der Toscana, bloß näher“, rief einst der Maler, Grafiker und Bildhauer Max Klinger (1857–1920) aus. Und er hat recht. Malerische Weinberge, wohin das Auge schaut. Zwischen dichtem Weinlaub entdecken wir das Max-Klinger-Haus. Haus und Weinberg waren Alterswohnsitz Klingers. Heute befindet sich hier ein Café. Allen Grund, eine erste Kaffeepause einzulegen. Wir steigen die steilen Treppen hinauf und gelangen auf eine große Sonnenterrasse. Nun sehen wir doch noch den Naumburger Dom St. Peter und St. Paul. Seine vier Türme ragen in das Blau des Himmels. Der Blick ist atemberaubend schön und gehört wohl zu den schönsten Weitsichten in der Weinregion Saale-Unstrut.

Gestärkt geht es zurück zum Blütengrund und danach die Saale entlang in Richtung Weißenfels. Der Radwanderweg ist eingebettet zwischen dem Fluss und den Weinbergen. Wir genießen diese herrliche Kulturlandschaft, in der auch Streuobstwiesen, Schafweiden und Pferdekoppeln einen Platz haben. Einkehrmöglichkeiten gibt es viele. Da ist die Naumburger Wein- und Sektmanufaktur an der Henne, das Eiscafè am Fuße der Burgruine Schönburg, der Alte Felsenkeller und die Straußwirtschaften in den Weinbergen.

Bei Kilometer zehn (den Abstecher nicht mitgerechnet) stoßen wir auf ein futuristisches Bauwerk. Die Hängebrücke wurde im Dezember 2016 eingeweiht und verbindet seitdem den Saaleradweg mit dem Dolmenradweg. Früher fuhr an dieser Stelle eine Fähre, weshalb das Bauwerk mit der spitz in die Luft ragenden Stahlkonstruktion Fährbrücke genannt wird. Wer die Bindung überquert, erreicht in etwa fünf Kilometern das Schloss Goseck. Wir entscheiden uns gegen einen erneuten Abstecher und fahren weiter nach Weißenfels. Hinter Leißling haben wir zwar keine Sicht auf die Saale mehr. Dafür aber führt der Weg durch einen sattgrünen Auenwald. Auf den hellen Lichtungen wächst das Springkraut. Seine kräftig rosafarbenen Blüten locken mit ihrem süßen Duft zahlreiche Bienen an.

In Weißenfels angekommen, bei Kilometer 17, machen wir in dem im Jahre 2010 neugestalteten Park ein Picknick. Bänke und Blumenwiese laden zum Verweilen ein. Ist man mit Kindern unterwegs, können sie, sofern sie nicht müde vom Radfahren sind (und das ist meist der Fall) auf dem Kletterspielplatz toben oder an der Wasserschnecke planschen. Der kleine Park bekam den Namen „Stadtbalkon“, weil der Spaziergänger sich vom Ufer der Saale wie aus einem Balkon hinüber zur Weißenfelser Neustadt lehnen kann. Wer Zeit und Lust hat, sollte einen Abstecher in die Innenstadt machen und das Schloss Neu-Augustusburg sowie das einzig erhaltene Wohnhaus des Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672) besuchen. Über eine Fußgängerbrücke geht es für uns zum Bahnhof. Diesen lassen wir wortwörtlich links liegen und radeln den Saaleradweg weiter entlang in Richtung Merseburg vorbei an Industriedenkmälern und dem altehrwürdigen Stadtpark.

Nun beginnt ein architektonisch reizvoller Abschnitt des Weges. Die Route führt durch das Weindorf Kriechau. Im kleinen, liebevoll eingerichteten Hofcafè lässt sich der Radwanderer Kuchen und Kaffeespezialitäten schmecken. In Schkortleben genießen wir in einer Streuobstwiese an der Ruine ein Picknick. Auf dieser Wiese befindet sich die Ruine der Schkortlebener Kirche. Wann sie erbaut wurde, ist unbekannt. Erste Aufzeichnungen erwähnen das sakrale, wehrhafte Bauwerk im 16. Jahrhundert. Um die Jahrtausendwende wurde die Ruine von Unrat und Bauschutt beräumt und gesichert. Ein Kleinod entstand. Bei einem Gang hindurch kann man mit etwas Fantasie das frühere Leben in den alten Mauern spüren. Monumente moderner Architektur sind die zahlreichen Brückenbauwerke, die die Radwanderer ab jetzt begleiten. In Kleinkorbetha haben die Naturschützer des Nabu in einem Kirchturm Fledermäusen ein Zuhause eingerichtet.

Unter der nun folgenden Spannbetonhohlkastenbrücke, wie sich die Saalebrücke bei Schkortleben nennt, kommt sich der Fahrradfahrer oder Spaziergänger unheimlich klein vor. Die weite Landschaft ab Kilometer 25 ist eine zerschnittene. Dennoch ist das Bild ein ruhiges. Schafe grasen oder ruhen auf der Weide. Reiher warten geduldig auf Beute. In Bad Dürrenberg haben wir gut die Hälfte unserer Tagestour geschafft. Die Fahrt durch den staatlich anerkannten Erholungsort gleicht einer Zickzacktour. Das ständige Links, Rechts, Links, Rechts erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Im „Alten Backhaus“ könnten wir uns erneut stärken. Wir wollen jedoch entschleunigen, steigen von unseren Rädern und wählen einen  entspannten Spaziergang durch den Kurpark zum Gradierwerk. Die salzhaltige Luft atmen wir tief ein. So sind die Lungen wieder gut gefüllt für den weiteren Teil der Etappe. Wir treten erneut in die Pedale und machen auf der Ernst-Thälmann-Brücke halt. Wir genießen die Sicht rechter Hand auf den Borlachturm und linker Hand auf das landschaftlich kontrastreiche Bild  von der Saaleaue über die historische Eisenbahnbrücke bis zur Skyline des Chemiestandorts Leuna.

Weiter geht es nach Merseburg. In der Dom- und Hochschulstadt verfahren wir uns zum ersten Mal. Das ist nicht weiter dramatisch, zum Glück ist der Weg zu Dom und angrenzenden Schlosspark gut ausgeschildert. Von dort aus und nach einer kleinen Besichtigungstour stoßen wir leicht wieder auf den Saale-Radweg. Freunden der Bildenden Kunst ist zuvor ein Besuch der Willy-Sitte-Galerie zu empfehlen, die sich in unmittelbarer Nähe zum Dom befindet. Um die vielen Schätze der über tausendjährigen Stadt zu entdecken und Antworten auf spannende Fragen zu finden, sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen. Was hat es mit den Merseburger Zaubersprüchen oder dem Raben auf sich? Wer residierte in der Stadt oder wer ist Bischof Thietmar?

Harte Kontraste des Landschaftsbildes machen den Saale-Radweg zwischen Merseburg und Halle aus. Idyllisch gibt sich die Saaleaue. Doch immer wieder wird das Bild von historischen Bauwerken der Industriegeschichte gestört. Die Kühltürme des Heizwerkes Leuna begleiten uns auf dem Rest des Weges. Über Planena kommen wir nach Böllberg und Wörmlitz und erreichen Halle. Die beiden ehemaligen Fischerdörfer haben eine neunhundertjährige Geschichte. Jeden Tag von 10 bis 17 Uhr in der Saison können Radtouristen in der Wörmlitzer Kirche St. Petri Körper und Seele zur Ruhe kommen lassen und neue Kraft schöpfen. Sie ist eine der zwei „Radwegekirchen am Saale- Radwanderweg“.

Die Sonne geht unter. Zeit, sich ein Quartier zu suchen, den Weg nach Hause zu nehmen oder in einer der zahlreichen Lokalitäten der Saalestadt den Tag kulinarisch Revue passieren lassen.
Die Restaurants mit dem schönsten Blick auf die Saale sind das Traditionslokal „Krug zum grünen Kranze“ und die Bergschenke. Der Biergarten des „Krugs“ mit seinen alten Kastanien ist nicht nur bei Radtouristen beliebt. Wohingegen die Besucher der Bergschenke von der Felsenterrasse den wohl schönsten Sonnenuntergang über dem Saaletal und der Burg Giebichenstein erleben.


INFO

Informationen zu Etappen, Streckenlängen, Hö­henprofilen, GPX-Daten, Se­henswürdigkeiten und zu Unterkünften und zum Jubiläum „25 Jahre Saale-Radweg“ erhalten Radtouristen auf der Internetseite: www.saaleradweg.de.

Touren-Apps oder Navigationsgeräte erleichtern das Finden des Weges. Achtung! Je nach Akkuleistung des Gerätes eine Powerbank einpacken.
Wir fuhren mit dem Radtourenbuch „Saale-Radweg“ von bikeline.

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