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Supersonntag > Unser Land > Ohne Müller kein Brot und keine Brötchen >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 23.04.2019 um 10:55:43

Ohne Müller kein Brot und keine Brötchen

Müllermeister Matthias Könemann (50) in Berga freut sich gern über Besucher und Kunden in seiner Mahlmühle in der Hainstraße. Sie trägt seit 1906 den Namen „Kunstmühle“. Hier kann man noch sehen, wie aus Korn feines Mehl zum Backen und Kochen gemahlen wird und wer möchte, kann es in Tüten oder Säcken neben Futtermittel für Vierbeiner und Vögel mit nach Hause nehmen. Zahlreiche Sorten machen die Auswahl nicht leicht. Es ist die letzte alte Familienmühle im Einmannbetrieb in der Goldenen Aue, wo noch Mehl gemahlen wird.

Hinter der Eingangstür ist ein deutlich sichtbarer Klingelknopf angebracht. Wer den Müller sehen will, muss klingeln. Wenn die Technik läuft, hört er die Kunden nicht. Im großen Haus riecht es überall nach Korn und Mehl. Anstelle des Mühlrades treiben heute Elektromotoren die fünf Walzenstühle an. Darin wird das Korn stufenweise ausgemahlen. Am Ende stehen nach dem Aussieben im Plansichter volle Säcke und auch Kilotüten zum Abholen bereit. „Es gibt Weizenmehl und Roggenmehl aus eigener Herstellung“, informiert Müllermeister Könemann. „Das Korn wächst auf den Feldern der Goldenen Aue und Thyratal, auch die Hauptabnehmer betreiben hier ihre Bäckereien. Dazu kommen eine ganze Reihe von privaten Haushalten, die unser Mehl schätzen.“ Rund 350 Tonnen Korn werden jährlich hier in Berga verarbeitet. „Die Tendenz ist leider rückläufig“, so der Meister. „Die privaten Abnehmer sind in den letzten Jahren immer weniger geworden.“

Matthias Könemann hat die Mühle im Jahre 1992 von seinem Vater Dieter Könemann übernommen und die Nachwendezeit durchgehalten. Ende der 1980er Jahre lernte er in Kamenz den Müllerberuf und legte dort auch 1990 die Meisterprüfung ab. „Es war und ist mein Wunschberuf“, gibt er gern zu.

Die Geschichte der einstigen Mittelmühle geht viele Jahrhunderte weit zurück. Bis vor einigen Jahrzehnten besaß Berga sogar vier Mahlmühlen, angetrieben vom Wasser der Thyra, das im Mühlgraben durch den Ort geleitet wurde. 1906 kaufte die Mittelmühle ein Richard Schuller von den Müllern Friedrich und Otto Richter. Schuller investierte 25.000 Goldmark, baute eine neue Mühle und rüstete sie  als erster Müller in der Goldenen Aue mit modernen Walzenstühlen aus. Sein Mehl war wesentlich heller und das brachte sicher viele neue Kunden. Voller Stolz sprach man damals von der „Kunstmühle“, deren Name sich bis heute erhalten hat.

Schuller kaufte das Getreide von den einheimischen Bauern auf und vertrieb das Mehl an die Bäcker in der ganzen Region, hauptsächlich im Raum Nordhausen. Ausgefahren wurde mit Pferdegespannen.

1952 übernahm sein Enkel Dieter Könemann den Betrieb. Er hatte in Uthleben Müller gelernt und in Dippoldiswalde (Sachsen) den Meister- und Ingenieurtitel erworben.

Mitte der 1960er Jahre wurde die Ausrüstung komplett erneuert. Seitdem stehen fünf Doppelwalzenstühle auf dem Walzenstuhlboden. Sie laufen heute noch zur vollen Zufriedenheit. „An der Mahltechnik hat sich seit Erfindung der Walzenstühle im Prinzip nichts geändert“, erklärt Könemann. „Nur das heute weniger Arbeitskräfte benötigt werden.“

Bis 1963 war neben dem Elektroantrieb das Wasserrad noch in Betrieb. Der harte Winter zerstörte es damals und ein Neuaufbau erfolgte nicht. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, die alten Anlagen sind vollständig zurückgebaut.

Seit 2017 beteiligt sich Müllermeister Könemann wieder am Mühlentag der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung. Er findet jedes Jahr am Pfingstmontag statt. Wie groß das Interesse der Bevölkerung ist, spürte er deutlich. In Kooperation mit dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz und Anbietern regionaler Produkte wurden an diesem Tag über 600 Personen betreut. Rund die Hälfte davon nahm an den Mühlenführungen teil. „Es war sehr anstrengend“, erinnert sich Könemann. „Ich hatte am Abend keine Stimme mehr, aber es war sehr schön.“

2018 musste der Müllermeister aus gesundheitlichen Gründen aussetzen. „Aber 2019 sind wir wieder dabei“, freut sich Matthias Könemann schon heute.“


INFO
www.kunstmühle-berga.de

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