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Supersonntag > Unser Land > Gemeinsam stadtgärtnern – bunte Beete in Halle Heide-Nord >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 23.04.2019 um 09:32:30

Gemeinsam stadtgärtnern – bunte Beete in Halle Heide-Nord

Mittwochvormittag mitten in Halle Heide-Nord. Die Junisonne brennt schon morgens um neun auf die bunten Beete zwischen Bootsweg und Reusenweg. Die Sonnenblumen blühen, die Tomaten werden rot – alles wächst und gedeiht. Rund 25 Einwohner des Quartiers an Halles Stadtrand kommen regelmäßig in den Gemeinschaftsgarten „Bunte Beete“. Sie haben sich ein kleines Beet „gepachtet“. So wie Günther: „Ich hatte viele Jahre einen Schrebergarten. Das Gärtnern macht mir Spaß. Aber irgendwann wurde mir die Arbeit zu viel“, erzählt er, „auf diesem Beet Gemüse anzubauen, das reicht mir.“

André, der mit seiner Freundin fast täglich im Garten arbeitet, lässt sich von Günther zeigen, wie die Tomatenpflanzen fachmännisch ausgegeizt werden. Das macht diesen Begegnungsort für Familien aus. Während die Erwachsenen Kartoffelkäferlarven ablesen, spielen die Kinder Alina, Elias und Mia auf dem Spielhügel und gießen zwischendurch die Blumen auf dem Gemeinschaftsbeet. Als vor vier Jahren die Idee, einen Stadtgarten anzulegen, beim Elternfrühstück im Mietertreff in Heide-Nord geboren wurde, dachte niemand der Anwesenden, dass die ehemalige Brache bald grünen und blühen würde.


1 500 Quadratmeter

Die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) stellte die Fläche zur Verfügung. Seit dem Frühjahr 2016 gärtnern und werkeln Hallenser und Geflüchtete von ein bis 77 Jahren auf dem Gelände. Mit Unterstützung der zwei Sozialpädagoginnen Grit Herzog und Magdalena Gatz von der Villa Jühling haben Anwohner und Ehrenamtliche die rund 1 500 Quadratmeter große Brachfläche urbar gemacht. Muttererde wurde aufgeschüttet, ein naturnaher Holzzaun gebaut und eine Gartenlaube aufgestellt.

In der Gartensaison treffen sich die Gärtner regelmäßig am Dienstagnachmittag oder Mittwochvormittag im Garten. Bei Kaffee und mitgebrachten Speisen werden gemeinsam neue Projekte gesponnen und notwendige Arbeiten besprochen. An dem großen Tisch in der überdachten Veranda nahm die Idee eines Lehm-ofens Gestalt an. Bei der Verwirklichung packten alle Hände mit an. Gemeinsam wurde auch eine Bühne gebaut, auf der nun verschiedenen Kulturveranstaltungen stattfinden.

Solange das Wetter es zulässt wird gemeinsam angebaut, gepflegt und geerntet und ab und zu auch mal gefeiert – bis die Sonne untergeht.


Gartenzeiten

Das sind Zeiten, an denen Teilnehmerinnen oder Teilnehmer der Gartengruppe vor Ort sind sind:
Dienstag 14 – 17 Uhr und Mittwoch 9 – 12 Uhr


Kontakt und Infos

Telefon: (03 45) 44 53 87 19
E-Mail:hallenord@villajuehling.de


Was ist ein Gemeinschaftsgarten?

Ein Gemeinschaftsgarten entsteht meist auf einer städtischen Brache. Zu fast gleichen Anteilen werden mehrere kleinere private Beete und einige größere Gemeinschaftsflächen angelegt. Die Arbeit im Garten wird meist von sozialen Vereinen koordiniert.
Die Nutzung der privaten Beete ist entweder kostenfrei oder gegen einen kleine Gebühr möglich. Was der „Beetbesitzer“ anbaut, das bestimmt er selbst. Gewünscht und gern gesehen ist lediglich die Mithilfe bei der Pflege der Gemeinschaftsflächen, wie Schmetterlingswiese, Kompost oder Kinderspielplatz. Gartengeräte und Werkzeug können alle Gartenbesitzer nutzen. Gemeinschaftsgärten sind meist frei zugänglich. Der Zugang erfolgt auf Vertrauensbasis.


Stadtgarten Glaucha

Gartenprojekte gibt es schon lange in der Stadt Halle. Den Anfang machte der Stadtgarten Glaucha. Das Gartenreich entstand auf Initiative des Postcult e.V. in einer tristen Baulücke in der Torstraße 31 im Jahr 2009. Auf den kleinen Beeten bauten Anwohner und interessierte Gartenfreunde Gemüse, Kräuter und Blumen an. Leider kam im November 2018 das Aus für das wegweisende Gartenprojekt in Halles südlicher Innenstadt.

Ein Investor möchte das Grundstück bebauen. Der postcult e.V. ist auf der Suche nach einer neuen Freifläche, um das Projekt weiterführen zu können.


Kinderbauernhof

Der erste Kinderbauernhof in Halle entsteht derzeit im alten Stadtgut Kanena. Der Verein GartenWerkStadt Halle plant einen bunten Bauerngarten mit Beerensträuchern, Gemüsebeeten, Biotopen und Naturspielplatz. Eine Streuobstwiese wurde bereits angepflanzt. Später sollen auch Haustiere hier wohnen. Kinder lernen auf dem Kinderbauernhof den respektvollen Umgang mit den Tieren, sie pflanzen selbst Nahrungsmittel an, beobachten ihr Wachstum, ernten Obst und Gemüse und helfen bei der Zubereitung der Nahrungsmittel. Der Garten wird auch für seh- und gehbehindete Nutzer dank der Hochbeete zugänglich sein.


Neutopia

Der GartenWerkStadt Halle e.V. betreut zudem den Gemeinschaftsgarten „Neutopia – DerNeuStadtGarten“ in der Begonienstraße. Viele Aktive, Vereine und Firmen unterstützen den Stadtgarten. Er steht allen Einwohnern Halle-Neustadts offen, die Lust haben, sich gärtnerisch einzubringen. Das Zusammentreffen im Garten soll interkulturelle und generationsübergreifende Begegnungen in der Nachbarschaft ermöglichen. Außerdem besteht hier die Möglichkeit, Angebote zur Berufsorientierung und Qualifizierung wahrzunehmen.


Garten der Kulturen

Schüler, Lehrer und Schulleitung der Heinrich-Heine-Sekundarschule begannen im Januar 2018 eine große Idee umzusetzen. Halles Westen soll wieder aufblühen. Ein „Garten der Kulturen“ entsteht in enger Nachbarschaft zur Schule in der Daniel-Dafoe-Straße. Das Areal ist 1 800 Quadratmeter groß. Eine ungenutzte Brache, die die GWG Halle-Neustadt zur Verfügung stellt. Die Schüler nahmen Bodenproben und bauten einen Weidendom. Der Stadtgarten soll Begegnungsstätte für alle Generationen und verschiedenen Nationalitäten sein. Begleitet wird das Projekt von Soziologiestudenten der Martin-Luther-Universität.


Bürgerpark Freiimfelde

Im Bürgerpark Freiimfelde in der Landsberger Straße rückten im vorigen Jahr die Abrissbagger an. Ruinen wurden abgerissen, um Platz zu machen für eine Neugestaltung des Bürgerparks. Bolzplatz, Handwerker-Spielplatz und ein Bürgergarten entstehen, initiert von den Aktiven der Urbanen Nachbarschaft Freiimfelde. Im darin befindlichen Apothekergarten wachsen bereits Heilkräuter. Hochbeete wurden angelegt. Der Garten steht allen Anwohnern des Quartiers offen. Auch Schulklassen sind gern gesehen. Die Montag-Stiftung unterstützt das Engagement in Freiimfelde finanziell mit ihrem Programm „Urbane Räume“.


Kulturgarten am Galgenberg

Auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Schulgartens und Lehrgartens der Martin-Luther-Universität am Fuße des Galgenbergs entstand 2016 der Celtis-Kulturgarten. (Celtis ist der lateinische Name für Zürgelbaum. Dieser steht im Zentrum des Gartens.), geschaffen vom   gleichnamigen Celtis Kulturgarten e.V.. Zum Gemeinschaftsgarten gehört ein Naturkindergarten, ein Stattgarten, ein Bienenkulturgarten und der Globus-Garten-Halle (unterstützt vom Globus Handelsmarkt Halle-Bruckdorf). Im Stattgarten säen, pflegen und ernten verschiedene Menschen gemeinsam Gemüse und Obst. Der Kulturgarten am Galgenberg ist auch regelmäßiger Treffpunkt für die Kinder der Arbeitsgemeinschaft Naturforscher und Naturhandwerker.


Schulgärten

Schulgärten sind leider aus der Mode gekommen, meinte die AOK Sachsen-Anhalt und wollte etwas dagegen tun. Sie unterstützt Schulen bei der Einrichtung eines Schulgartens. Die Mädchen und Jungen der Grundschule Am Ludwigsfeld profitierten von dem Engagement. Saatgut und Pflanzen stellte die Krankenkasse zur Verfügung. Im Mai des vorigen Jahres belebten sie den alten Schulgarten neu. Sie pflanzten einen Apfelbaum und legten Beete an. Unterstützt wurden sie dabei vom LandFrauenverband Sachsen-Anhalt und der AOK. Beim gemeinsamen Erntedankfest im Herbst kochten die Grundschüler mit dem geernteten Gemüse eine gesunde Mahlzeit.

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