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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 16.04.2019 um 09:08:09

Die Preußische Dampfwurst


Foto: Thomas Schmidt Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Klaus-Dieter Kohlmann ist der amtierende Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes Sachsen-Anhalt und man kann den pfiffigen Wurstspezialisten als überdurchschnittlich umtriebig nennen. Aufgewachsen in unmittelbarer Umgebung von Braunkohle und Chemiewerken, erzählt er heute noch allzu gerne, dass er in den Räumen der elterlichen Fleischerei auf die Welt gekommen ist. Genau dort, wo er heute die teils gehüteten Gewürzmischungen lagert.


Familienbetrieb seit 1900

Der Betrieb ist 1900 von seinem Urgroßvater gegründet worden und er wurde durchgehend von der Familie weitergeführt. Klaus Dieter Kohlmann übernahm direkt zur politischen Wende den Betrieb von seinem Vater. Wahrscheinlich der Beginn von einigen Kreationen in der Wurstbranche und die Geburtsstunde von Dampfwurst, Goitzschelümmel und Co..

Der Fleischermeister meint offen, die besten Ideen kommen ihm immer am Abend im heimischen Sessel. Dann, wenn er geschafft von der handwerklichen Arbeit etwas runterfährt. Wichtig sind für den Greppiner originelle Wortschöpfungen, je origineller desto verrückter und umso besser die Vermarktung.

Wichtig sind Kohlmann dabei handwerkliche Qualität und Heimatverbundenheit. Die Idee zur Kreation der „Preußischen Dampfwurst“ ist ihm wohl nach einem feierlichen Gemütszustand gekommen.


Nach Rezeptur vom Urgroßvater

Angelegt ist diese Dampfwurst nach einer Rezeptur seines Urgroßvaters. Mit der ursprünglichen Wortschöpfung „Berliner Dampfwurst“, einer Brühwurst, wollte Kohlmann brechen. Denn die „Berliner Dampfwurst“ ist eher als „Arme Leute-Wurst“ umgeben, weil sie eben nicht nur aus gekuttertem Schweine- und Rindfleisch besteht, sondern weil auch ein Anteil von Innereien beigemischt wird. Bei der preußischen Dampfversion verzichtet Kohlmann auf diese Zugaben. Die erst heiß geräucherte und dann im Anschluss gebrühte Wurst wird in heißem Wasser verzehrtemperiert erhitzt und dann in der Regel mit Bautzener oder anderem Senf und einer Brotscheibe gegessen.

Doch Klaus-Dieter Kohlmann wäre nicht Klaus-Dieter Kohlmann, wenn es nicht noch eine Alternative gäbe. So kreiert der pfiffige Fleischermeister noch eine scharfe rote Sauce und erklärt diese Dampfwurst zur besten Deutschlands. Ob nun Zufall oder auch nicht, zufällig erfährt der bayerischen Innungsmeister von dieser These der „Preußischen Dampfwurst“ und er kann das bei allen bajuwarischen Traditionen natürlich nicht auf dem Freistaat sitzenlassen.

Georg Schlagbauer greift den Fehdehandschuh von Klaus-Dieter Kohlmann auf und so kommt es zu einem denkwürdigen Duell. Auch wieder Zufall oder nicht, ist die Herausforderung zur Internationalen Grünen Woche erfolgt. Ein Kampf des Weißwurstprimus und der Saupreußen, ein Kampf zwischen der „Preußischen Dampfwurst“ und der „Bayrischen Weißwurst“ findet inmitten von Berlin statt. Das hat so in der Geschichte noch keiner gewagt. Der Greppiner Fleischermeister will es zudem in preußischer Uniform und Pickelhaube wissen, zumal dieser Kampf in der Bayernhalle und in Anwesenheit der Bayerischen Weißwurstkönigin ausgekostet oder ausgezutscht wurde.


Sieger der Wurstherzen

Der Kampf der Geschmäcker ging Unentschieden aus und Klaus-Dieter Kohlmann bezeichnet die „Preußische Dampfwurst“ als Sieger der Wurstherzen.

Neben der Preußischen Dampfwurst wurden bereits weitere Kreationen zur Marktreife gebracht, wie der Goitzsche Lümmel, der Preußentaler und vieles mehr. Diese Wurst- und Fleischspezialitäten, die die Greppiner „Fleischerei Kohlmann“ und vor allem ihr Chef kreieren, sind mittlerweile über die Grenzen von Greppin und Bitterfeld-Wolfen hinaus bekannt.

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