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Supersonntag > Unser Land > Äpfel & Birnen >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 31.08.2018 um 14:59:07

Äpfel & Birnen

In Köthen gibt es eine lange Tradition im Obstanbau. Bereits im Jahre 1794 wurde Anhalts Obstanbau vom bekannten Pomologen Pfarrer Johann Volkmar Sickler lobend erwähnt. Fürst Franz von Anhalt-Dessau war für diese Erwähnung verantwortlich, da er Maßnahmen anordnete, die dem Obstanbau zum Aufschwung verhalfen. So wurden Regeln aufgestellt, nach welchen Grundsätzen die Straßenallee-Bepflanzung mit Obstbäumen durchgeführt werden musste.

In den späteren Jahren beeinflusste der fürstliche Garteninspektor August Hooff (1839 bis 1904) die Gestaltungsweise, bis hin zum Anlegen des Fürstlichen Obstmustergarten in Köthen im Jahre 1902.

In der Gartenanlage, die auch als genetische Schatzkammer Anhalts betitelt werden konnte, wuchsen ca. 200 Apfel-, 176 Birnen-, 54 Pflaumen- und Zwetschgensorten sowie 46 Kirschsorten. Diese Schatzkammer ist nun Manfred Rupperts (Foto) „Reich“. Aktuell stehen noch rund 150 Obstbäume auf dem Gelände des Obstmustergartens. Die Anzahl der Sorten ist dank des Pfropfens aber weit höher. Fast das Dreifache an Sorten ist vorzufinden.

Das Pfropfen dient einerseits zur Veredelung von Pflanzen, bei dem ein Spross auf ein Gewächs aufgesetzt wird. Andererseits bietet es die Möglichkeit, verschiedene Sorten auf einem Hauptgewächs gedeihen zu lassen. Ruppert weiß zu berichten, dass von den vielen Apfelsorten, die es weltweit gibt, nur sechs kommerziell in großem Stile angebaut werden. Was sehr schade sei, da dem Konsumenten unzählige Geschmacksrichtungen vorenthalten würden.

Für alle begeisterten Apfel- und Birnenfans, die auch mal eine andere Sorte bestaunen, erleben oder probieren wollen, organisiert der Pomologe jährlich mindestens einmal eine Obstsortenschau im Obstmustergarten. Allein für diese Veranstaltung, die über mehrere Tage geht, werden aus Deutschland und Europa über 200 verschiedene Apfelsorten herbeigeschafft und zur Schau gestellt. Ein Kraftakt, der Ruppert vier Monate im Vorfeld beschäftigt.

Die unterschiedlichen Arten werden im Gewächshaus, auf das man ganz besonders stolz ist, präsentiert. Zahlreiche Besucher nutzen auch die Chance, ihre eigenen Äpfel, welche sie im Garten oder unterwegs entdeckt haben, bestimmen zu lassen. Bisher konnte der Fachmann allen Fragen gerecht werden und wusste den Namen jeder Sorte.  Eine besondere Leistung war auch die Wiedererrichtung der „Historischen Obstalleen Elsdorf“. 1.000 Apfelbäume wurden von 40 Bürgern und Naturfreunden in mehreren Jahren gepflanzt und liebevoll versorgt. Auf einer Gesamtstrecke von 7,5 Kilometern Allee stehen heute 1.600 hochstämmige Äpfel- und Birnenbäume, unter ihnen solche wie Goldparmäne, Rheinischer Bohnapfel, Roter Eiserapfel, Rheinischer Winterrambur, Rheinische Schafsnase und vor allem Harberts Renette. Bei den Birnen dominierten Blumenbachs Butterbirne, Gute Luise und Pastorenbirne, vereinzelt auch Juli Dechantsbirne.

Die Alleen rund um Elsdorf sind immer eine Reise wert, nicht nur fürs Auge, sondern auch für den Gaumen. Obwohl die Organisation verschiedener Veranstaltungen, Tagungen und die Beteiligung an bundesweiten Treffen der Pomologen Manfred Ruppert schon zeitlich sehr einspannen, findet er immer noch Zeit, sich um die Aufarbeitung und Einreichung der unzähligen Apfelsorten in die entsprechenden Richtlinien für das Inverkehrbringen von Obstarten zur Fruchterzeugung zu kümmern. Dazu zählt die Auflistung und Beschreibung der jeweiligen Sorte und die detaillierte Beschreibung.

Aus ganz Deutschland wurden die Stammdaten zusammengetragen und geprüft, ob es Überschneidungen gibt, die durch regionale Namensabweichungen entstehen können. Am Ende der recht aufwendigen Arbeit stand eine Liste, in welcher nun auch Köthener Sorten mit gelistet sind, von über 9.900 verschiedenen Sorten. Ohne diese Auflistung und Integration in die EU-Richtlinie wäre die namentliche Erwähnung, Inverkehrbringung, die Präsentation und der Verkauf auf Strafe verboten. Auch wenn Ruppert schon viele Äpfel in den Händen hielt, ist die Suche nach bestimmten „Knebelsorten“, welche hier aus Köthen stammen, noch immer nicht beendet. Vielleicht findet sich ja eines Tages in einem Garten eine der verschollenen Sorten.


Info
Köthener Pomologen,
Regionalgruppe Obstmustergarten Köthen,

Obstmustergarten Köthen | Fasanerieallee | 06366 Köthen

Ansprechpartner:
Manfred Ruppert
Pappelweg 6 | 06366 Köthen
Telefon 03496/55 73 12 oder 0157/51 94 69 09

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