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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 11.04.2018 um 16:12:45

115 Jahre Harzer Bergtheater


Foto: Michael Randhahn-Schülke
Für mittlerweile vier Generationen gehört es zu Thale wie das wildromantische Bodetal oder die Rosstrappe: das Harzer Bergtheater. Die älteste Naturbühne Deutschlands thront nämlich seit stolzen 115 Jahren im Nordwesten des sagenumwobenen Hexentanzplatzes – einen Steinwurf entfernt von der Walpurgishalle in fast 500 Meter Höhe über dem Steinbachtal.

Ein magischer Ort. Die zwischen zwei Felsen aufgeschüttete Bühne gehört zu den „schönsten Naturbühnen Deutschlands“, weiß der Geschäftsführer der Bodetal Tourismus GmbH und Intendant des Bergtheaters Ronny Große. Wer das erste Mal die im Stil eines griechischen Amphitheaters angelegten 19 hölzernen Sitzreihen hinab auf die Bühne und das dahinter weit geöffnete nördliche Harzvorland bis nach Weddersleben und Quedlinburg erblickt, erliegt dem Bann dieser einzigartigen Spielstätte unter freiem Himmel. Der Bergtheater-Intendant spricht gern von „der Symbiose zwischen Kultur und Natur in dieser Traumkulisse“.

Bevor die Sommerfestspiele 2018 am 1. Juni mit der Preview des Familienmusicals „Die Schöne und das Biest“  eröffnet werden, können Neugierige bereits am 27. Mai einen Blick hinter Kulissen der „Grünen Bühne“ werfen. Möglich macht das der „Tag der offenen Tür“. Ab 11 Uhr stehen für vier Stunden Rundgänge und natürlich auch Ausschnitte der aktuellen Produktionen auf dem Programm: von „Räuber Hotzenplotz“ (Premiere: 14. Juni; Nordharzer Städtebundtheater), „Pettersson und Findus“ (Premiere: 14. Juli; Tiefes Theater e.V.) bis zu „Die Schöne und das Biest“ (Premiere: 10. Juni;   Theater Fairytale Thale) ist für die ganze Familie etwas dabei.

Das gerade erschienene Spielplan-Heft belegt aber auch, das Harzer Bergtheater ist im 115. Jahr seines Bestehens im Wandel. Und weil die Gäste immer mehr Unterhaltung statt schwerer Theaterkost bevorzugen, folgt das Angebot diesem Trend. Allein 17 Konzerte – doppelt soviel wie im Vorjahr – holen Künstler wie „In Extremo“ (22. Juni), „Silly“ (24. Juni), Michael Patrick Kelly (5. August), die „Kastelruther Spatzen“ (30. August), „Barclay James Harvest“ (31. August) oder „Angelo Kelly & Familie“ (2. September) ins Harzer Bergtheater. Zu den Highlights gehören „DIE Musical Night 2018“ mit Stargast Thomas Borchert (1. September) sowie gleich drei Konzerte mit Johannes Oerding (7., 8. und 9. September).


Umbau ist geplant

„Wir wollen der Harzer Konzertstandort im Sommer werden!“ – Das ist erklärtes Ziel von Thales Stadtrat sowie Bürgermeister Thomas Balcerow- ski. Für rund 4,7 Millionen Euro soll das Harzer Bergtheater umgebaut werden. „Sonst ist der Bestand des Theaters auf Dauer gefährdet“, begründet das Stadtoberhaupt diesen Schritt. Eine mehrheitliche Förderung durch das Land steht in Aussicht. Kommt das Geld aus Magdeburg, könnte die traditionsreiche Spielstätte am Hexentanzplatz im kommenden Jahr eine Baustelle werden. „Dafür brauchen wir einen Sommer“, rechnet Ronny Große vor.

Mit Fingerspitzengefühl für das Baudenkmal und „ohne die Optik“ zu zerstören, sollen dann die in die Jahre gekommenen drei Bühnentürme abgerissen, und der Zuschauerraum hinter der heutigen 19. Reihe aufgestockt werden. Die Pläne sehen Barrierefreiheit ebenso vor wie einen modernen Catering- sowie Toilettenkomplex. Außerdem soll die Bühne mit kombinierten Ton- und Lichttürmen und modernen Medien wie Druckluft und Gas und nach Möglichkeit mit einer mobilen Kulissenwand modernisiert werden.  


Frühlingsspiel „Walpurgis“
eröffnete 1903  Harzer Bergtheater


Dabei hätte mit etwas „Pech“ die heute älteste Naturbühne Deutschlands fast in der Nähe der Eisenacher Wartburg gestanden. So jedenfalls waren die ersten Pläne von Dr. Ernst Wachler (1871 bis 1945) an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Der Germanen-Mythos ließ die Idee aber für Thale entstehen. In unmittelbarer Nähe der Walpurgishalle fand Wachler ein von der Natur geschaffenes Amphitheater: Eine Geröllhalde, in 495 Meter Höhe am obersten Hang in einer Schlucht des Steinbachtales bebettet und von einem Eichenhain eingefasst. Es bedurfte nur geringer Korrekturen, um daraus eine Freilichtbühne zu machen, die den Vergleich mit den antiken Stätten Griechenlands nicht scheuen muss: das Harzer Bergtheater.

Am 8. Juli 1903 schlägt um 19.30 Uhr dessen Geburtsstunde. Gespielt wird „Walpurgis“. Das „Festspiel zur Frühlingsfeier“ stammt aus der Feder von Gründer Dr. Ernst. 1907 gibt’s den ersten Umbau: Die Theateranlage wird durch eine Schutzhalle mit Innenbühne vervollkommnet, die aber während der letzten Kriegskämpfe durch amerikanischen Beschuss 1945 zerstört wird.  Dr. Wachler war von 1903 bis 1911 der Direktor des Berg­theaters. Das Bergtheater war 1915, 1918, 1923/24 sowie während der Kriegsjahre 1940 bis 1945 geschlossen. 1926 wurde Erich Pabst der Direktor des Bergtheaters, der „Grünen Bühne“, wie er seinen Wirkungsort gern nannte. Der Regisseur und Lehrer an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin führte bis 1932 die Geschicke. Er erhob das Bergtheater aus seiner Mittelmäßigkeit zu einer national bekannten Spielstätte unter freiem Himmel. Die Nachfolger von Pabst sind Dr. Walter Eggert (1933) sowie Heinrich Kreutz (1934–1939).  

1946 beginnt eine neue Epoche im Harzer Bergtheater. Nach der Beseitigung der im Frühjahr 1945 erlittenen Kriegsschäden wird es am 27. Juli 1946 mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ wiedereröffnet. Die Inszenierung des Intendanten der im Herbst 1945 gegründeten „Städtischen Bühnen Quedlinburg“ Ulrich Velten knüpft an die großen Bergtheatertraditionen vor 1933 an. Bis 1953 entbrennt unter ihm eine Theaterbegeisterung mit immer neuen Zuschauerrekorden. 1953 sahen in 89 Aufführungen 147 800 Besucher die Festspiele zum 50. Bergtheater-Geburtstag.  

1949 wurde die Theater-Anlage vergrößert. So wurden etwa der Orchesterraum und die unteren Sitzreihen aus dem Felsen gesprengt. Der bis dahin in der Mitte getrennte Zuschauerraum wurde vereinheitlicht, vergrößert und seine Achse nach links verlagert.

1954 übernahm Curt Trepte die Leitung des Bergtheaters. Unter ihm entstehen dort die „Deutschen Festspiele“. 1963 hat mit „Das tapfere Schneiderlein“ erstmals ein Märchen Premiere im Harzer Bergtheater. 1964 übernimmt Werner Peter von Gerhard Neumann (1963/64) die Intendanz. Nachfolger werden 1986 Dieter Braun (bis 1992), Alexander Opitz (1992–1995) und Mario Jantosch (1995 bis 2008). Seit 2013 ist Ronny Große der Intendant.

Anfang 1993 wird die Stadt Thale Eigentümerin der Naturbühne, die im Folgejahr von künstlichen Bauten befreit und wieder in einen naturgerechten Zustand versetzt wird. Seit 2001 gehört das Harzer Bergtheater zusammen mit dem Tierpark Thale zur Hexentanzplatz GmbH, einer  Tochtergesellschaft der Stadt Thale. Im Frühjahr 1995 beginnen unter Mario Jantosch die Erneuerung des Zuschauerraumes in zwei Abschnitten. 2008 ist die Bühne dran. Im Zuge der aufwendigen Sanierung wird selbst das Standardbühnenbild überarbeitet. Die hölzerne Pergola-Konstruktion ersetzt die schwere Bühnenrückwand aus Granit. Zudem wird das Niveau der Bühne um 10 Zentimeter abgesenkt. Um deren 372 Quadratmeter endlich trocken zu bekommen, wird die Entwässerung total überarbeitet.


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www.bodetal.de

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