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Supersonntag > Unser Land > In aller Munde - Mansfelder Obst >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 11.04.2018 um 14:39:17

In aller Munde - Mansfelder Obst

Das Obst aus dem Mansfelder Land ist in aller Munde und schmeckt, das wissen auch viele Kunden, einfach am besten. Nicht selten passiert es, dass Obstbauern aus dem Mansfelder Land Besuch aus den verschiedensten Regionen ganz Deutschlands oder sogar aus dem Ausland bekommen, weil die Konsumenten fest davon überzeugt sind, dass das beste Obst aus der Region rund um den Süßen See kommt.

Warum aber schmeckt das Obst aus dem Süden Sachsen-Anhalts so gut? Philipp Moser, selbst Obstbauer und Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau Sachsen-Anhalt vom Landesverband Sächsisches Obst e.V., gibt Antwort auf diese Frage.

„Man muss schon Apfelsaft im Blut haben, wenn man Obstbauer sein möchte“, erklärt er mit einem Lachen. „Wenn andere im Sommer in den Urlaub fahren, ist man mitten in der Ernte und überhaupt muss man bei jedem Wind und Wetter draußen sein“, sagt er weiter. Kein leichter Beruf also, aber einer, dem er und auch seine Kollegen mit viel Herzblut verschrieben sind.

Für den Geschmack der leckeren Früchte gibt es zwei Faktoren, erläutert Philipp Moser, zum einen die kleinklimatischen Verhältnisse rund um den Süßen See und den Kerner See. „Die Region wird auch als die Toskana des Ostens bezeichnet“, erzählt er mit ein bisschen Stolz in der Stimme. Auf der Nordseite des Sees gibt es nämlich wunderschöne Südhänge, die ideale Sonnenverhältnisse für Obstbäume bieten. Zwar hat das Mansfelder Land erheblich weniger Sonnenstunden als andere Obstanbauregionen, beispielsweise 500 Sonnenstunden weniger im Jahr als Südtirol, aber die Südhänge bieten eben doch genug Sonne für einen sehr guten Obstanbau.

Auch der Boden spielt natürlich eine wichtige Rolle für die Ernte von besonders leckerem Obst. Der Boden im Mansfelder Land hat einen großen Humusgehalt und ist damit besonders mineralhaltig. Das lässt sich sogar in Zahlen ausdrücken. Bodenwertzahlen bemessen sich von 0 bis 100, wobei 100 der beste Wert ist. 100er-Böden gibt es in der Magdeburger Börde oder auch der Goldenen Aue. Doch mit einem Wert von 80 müssen sich auch die Böden im Mansfelder Land nicht verstecken.

Natürlich spielt auch Wasser für den Anbau von Obst eine wichtige Rolle. Die Mansfelder Obstplantagen liegen im Regenschatten des Harzes, das Gebiet ist also ziemlich trocken. Einerseits kann zu wenig Wasser zu Problemen führen, aber das hat auch Vorteile, betont Philipp Moser. So hat man in den Obstplantagen des Mansfelder Landes nicht mit viel Regen während der Kirschzeit zu rechnen und das kommt dem Geschmack der Früchte sehr zugute. Kirschen nehmen Wasser nicht nur über die Wurzeln, sondern auch über die Haut auf und bei zu viel Feuchtigkeit würden sie platzen, was die Ernte verdirbt. Deshalb geht die Tendenz im Obstbau tatsächlich dazu, Pflanzen zu überdachen, um sie vor Wettereinflüssen zu schützen, das ist aber nicht gerade billig.

Auch die Temperaturen rund um den Süßen See kommen dem Obstanbau zugute. „Eigentlich ist es hier recht warm“, erklärt Philipp Moser. Traditionell ist das Mansfelder Land ein Aprikosenanbaugebiet – und die mögen es bekanntlich warm. Vor 1990 lag hier das größte zusammenhängende Aprikosenanbaugebiet nördlich der Alpen. Aprikosen werden hier immer noch angebaut, allerdings im kleineren Rahmen. Aprikosen sind -->sehr frostanfällig, eine richtig gute Aprikosenernte gab es schon seit fünf Jahren nicht mehr, erzählt Philipp Moser. Dass das Mansfelder Land aber ziemlich warm ist, zeigt sich auch daran, dass hier Wein angebaut wird, und der muss sich geschmacklich nicht hinter den niederrheinischen Gebieten verstecken, betont der Obstbauer.

Neben den klimatischen Verhältnissen gibt es aber noch einen Grund, warum das Mansfelder Obst so lecker ist und den möchte Philipp Moser ganz besonders betonen: Das Mansfelder Land ist ein tra-  ditionelles Obstanbaugebiet. Hier mischen sich also modernes Wissen und Technik mit jahrelanger Obstanbau-Erfahrung und Tradition. „Da kann man sich schon geehrt fühlen, wenn man so ein Erbe fortsetzen darf“, sagt Obstbauer Philipp Moser.

Wann ist denn nun aber die richtige Zeit für welches Obst? Süßkirschen werden von Juni bis Anfang August geerntet, die Zeit für Sauerkirschen ist im Juni und Juli, meist ist hier am 20. Juli die Ernte schon beendet. Aprikosen beginnen Ende Juni/Anfang Juli und werden bis in den August hinein geerntet. Pflaumen gibt es von Ende Juni bis September und die Apfelernte findet von August bis Anfang November statt. Wer also saisonal kaufen möchte, sollte genau dann bei den Früchten zugreifen.

Philipp Moser kann eine Apfelsorte dabei besonders empfehlen. Der Pinova ist eine über 60 Jahre alte Apfelsorte, die ganz genau für die Böden im Mansfelder Land gezüchtet wurde. Damit bekommt der Pinova in den Mansfelder Obstplantagen genau die richtige Versorgung aus den Böden und wird in dieser Kombination ganz besonders lecker.

Äpfel kann man ja bekanntlich nicht nur während der Erntezeit, sondern das ganze Jahr über kaufen. Das erfordert besondere Lagertechniken, hinter denen viel Know-how steckt. Nach der Ernte „atmet“ ein Apfel weiter, er veratmet vor allem Wasser, aber auch Nährstoffe. Wenn ein Apfel also lange liegt, wird er schrumplig, aber auch immer süßer. Damit der Apfel frisch und knackig bleibt, wird das Obst von Obstplantagen speziell gelagert.

Zum einen werden die Äpfel kalt gelagert, wobei jede Apfelsorte ihre eigene spezielle Temperatur hat, die zwischen einem und 2,3 Grad liegt. Um die Äpfel neben der Kälte aber noch länger frisch zu halten, wird die ULO-Methode angewandt, das steht für „ultra low oxygen“, also sehr wenig Sauerstoff. So kann der Apfel nicht weiter „atmen“ und bleibt frisch. Allerdings darf nicht der gesamte Sauerstoff bei der Lagerung abgezogen werden, sonst würden die Äpfel vergären.

So kommen die Äpfel frisch in den Supermarkt oder auch die Direktvermarktung beim Obstbauern. Philipp Moser empfiehlt, Obst immer aus der Region zu kaufen und dabei ruhig auf die Etikettierung im Supermarkt zu vertrauen. Heimische Obstbauern haben nämlich immer mehr mit Konkurrenzprodukten aus dem Ausland zu kämpfen, vor allem aus Polen und Italien. Bewusstes Einkaufen kann also dafür sorgen, dass die heimischen Obstsorten, wie der Pinova, auch erhalten bleiben.


Tipps für Kleingärtner

Nicht nur auf den Obstplantagen, auch im heimischen Garten freut man sich über prächtig wachsendes Obst. Philipp Moser gibt den Tipp, von Maden befallene Früchte immer sofort zu entsorgen und zwar wirklich im Biomüll. Die Ernte für das Jahr, in dem man zu viele Maden oder andere Schädlinge im Obstbaum hatte, ist zwar verloren, doch zumindest erhöht sich mit der ordnungsgemäßen Entsorgung die Wahrscheinlichkeit auf eine bessere Ernte im Folgejahr. Lässt man die Früchte dagegen unter dem Baum liegen oder entsorgt sie auf dem Kompost, sind die Schädlinge im nächsten Jahr gleich wieder im heimischen Garten und werden sich über die ersehnte Ernte hermachen.

Und auch für Kirschliebhaber hat Philipp Moser noch einen Tipp: Kirschen werden häufig von der Kirschfruchtfliege befallen. Diese greift die Früchte immer dann an, wenn sie in ihrem Reifestadium von der Farbe grün auf gelb wechseln. Da diese Schädlinge auf gelb fliegen, kann man sie mit einem ganz einfachen Trick bekämpfen. Man nimmt gelbe Klebetafeln und hängt sie in den Baum, während die Kirschen noch grün sind. Die Kirschfliegen bleiben so an den Klebetafeln hängen und können nicht die Kirschen selbst befallen.

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