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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 12.09.2017 um 16:46:19

Deutschlands einzige Köhler-Zwillinge

Holzkohle und Sommer gehören für viele einfach zusammen. Wie auch heute noch Holzkohle 
gewonnen wird und was im Meiler, einem halbkugeliger Ofen, bei der Verwandlung vom Holz zur energiereichen, pechschwarzen Holzkohle geschieht – das lässt sich hautnah erleben – 
in der Harzköhlerei Stemberghaus. Holzkohle und Sommer gehören für viele einfach zusammen. Wie auch heute noch Holzkohle gewonnen wird und was im Meiler, einem halbkugeliger Ofen, bei der Verwandlung vom Holz zur energiereichen, pechschwarzen Holzkohle geschieht – das lässt sich hautnah erleben – in der Harzköhlerei Stemberghaus.
Foto: Michael Randhahn-Schülke Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder)
Rund um Hasselfelde liegt etwas in der Luft. Der rauchige Duft ist typisch, unverwechselbar und dabei durchaus angenehm. Doch er unterscheidet sich sehr von den harztypischen Walddüften. Meilenweit trägt der Wind diesen markanten Geruch durch die Harzer Wälder zwischen der Westernstadt Pulman City und der Rappbodetalsperre.

Dort liegt sie, beinahe ein wenig im Harzer Mischwald versteckt, die Harzköhlerei Stemberghaus. Direkt an der Bundesstraße 81 wird nach alter Überlieferung in einem aufwändigen Verfahren Holz zu Holzkohle, genauer gesagt zu Hartholz-Holzkohle. Die brennt doppelt so lange wie die marktdominanten Importe vom Balkan und erreicht eine Temperatur von 1200 Grad Celsius – das ist selbst heute noch genug Wärme, um Metall zum Schmelzen zu bringen. Nur wurde die Holzkohle im späten 18. Jahrhundert in der Metallurgie von der Steinkohle abgelöst.  

Rauchende Meiler – wie etwa in Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ vom Kohlenmunk-Peter betrieben – sind am Stemberghaus eben „Typisch Harz“. Das Qualitätslabel des Harzer Tourismusverbandes trägt die Holzkohle der Harzköhlerei seit zwei Jahren.


Harzköhlerei seit Generationen

Echte Köhler aber gibt es immer weniger. In Hasselfelde sind das Peter Feldmer und seine Söhne Immo und Sascha. Nach mehr als 35 Generationen sind die Feldmers im nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands fast die letzten ihrer Art. Dabei verrichteten zu Zeiten des großen Reformators Martin Luther noch etwa 5000 Köhler allein im Harz ihr Tagwerk. Schmutzig, anstrengend und wenig respektiert. Vor 500 Jahren war die Blütezeit der Köhlerei. Schließlich war die Holzkohle für die Weiterverarbeitung der im Harz gefundenen Erze unerlässlich.

„Ohne Holzkohle – kein Metall“ so die Faustregel, mit denen Immo Feldmer bei seinen zahlreichen Führungen die Gäste ins Staunen versetzt. Er weiß auch, dass die Köhlerei im Harz älter als 1000 Jahre sein muss. Ein Beleg ist die Köhlerhütte im Wappen, den nur wenige Tausend Meter vom Stemberghaus entfernten Allrode. Immerhin feierte der Ort erst vor zwei Jahren seinen 1020. Geburtstag. Wer den Köhlerweg von Allrode zum Stemberghaus erwandert findet links und rechts des Weges viele Hinweise auf die jahrhundertelange Tradition aus Holz hochwertigste Holzkohle zu machen.


Kohlprozess wie im Mittelalter

Am Stemberghaus wird der Rundgang über Betriebsgelände und Museum zu einer echten Zeitreise. Wie im Mittelalter werden hier noch heute Buchenholz-Scheite im Halbkreis auf eine Höhe von bis zu drei Meter rund um ein zentralen Lüftungsschacht eng an eng gestapelt. Dicht an dicht gedrängt stehen die Meter-Scheite. Etwa 30 Raummeter Holz „frisst“ der Meiler. Jeder noch so kleine Hohlraum würde das Ergebnis zunichte machen, sagt Immo Feldmer.

Seit 1998 ist er im Unternehmen seines Vaters beschäftigt und hat in diesen fast 20 Jahren das Holz für mehrere hundert Meiler aufgeschichtet, mit Heu und Waldboden abgedichtet und dann gezielt mit Glut in der Mitte entfacht. „Brennen“, so sagt der erfahrene Köhler, „darf das Holz nicht“, wenn in diesen ersten zwei Tagen in der Meiler-Mitte die Glutsäule Schicht für Schicht aufgetürmt wird. Mit Heu und Erde verschlossen, beginnt schließlich der Kohlprozess, bei dem die Wärme von innen nach außen und oben nach unten konstant 400 Grad betragen muss.

Das erfordert viel Erfahrung. Immo Feldmer nennt das „die Kunst des Köhlers“. In dieser Phase werden im Meiler von oben Schicht für Schicht Luftlöcher gestoßen. Stündlich – auch nachts – wird der Verkohlungsprozess so gesteuert und kontrolliert. Weil dabei das Wasser, genau wie Gas, Teer oder Essig verdampfen, bleiben am Ende vom Gewicht nur 15 Prozent Holzkohle. Diese 98 Prozent Kohlenstoff haben einen doppelt so hohen Heizwert wie das Ausgangsprodukt. Nach dem Auskühlen ist die Holzkohle etwa zwei Wochen nach dem Entzünden schließlich fertig. Dann beginnt die Ernte, die ausschließlich im eigenen Laden verkauft wird.


Firmengeschichte

Der 41-Jährige – er hat gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Sascha vor fünf Jahren die väterliche Köhlerei übernommen – würzt seine Rundgänge, die im hauseigenen Museum vis-à-vis der rauchenden Meiler, gern mit etwas Unternehmens-Geschichte.

Demnach wird erst seit 1975 am Stemberghaus die Holzkohle hergestellt. Wurden zu DDR-Zeiten unter Regie das Staatlichen Forstbetriebes von rund 25 Mitarbeitern in mehr als einem Dutzend Stahlkesseln Jahr für Jahr rund 1000 Tonnen produziert, veredelt die „Feldmer GbR“ heute rund 40 Tonnen. Vater Peter hatte den Betrieb 1991 von der Treuhand gekauft und so das alte Handwerk in einem stetig wachsenden Familienunternehmen mit zehn Beschäftigten am Leben erhalten. Schritt für Schritt wurde der Standort erweitert.


Köhlerhütte und Museum

Heute ist das Stemberghaus eine Institution bei Harzbesuchern aus aller Herren Länder. Es hat nämlich weitaus mehr als nur Holzkohle zu bieten: Deutschlands erstes und einziges Köhlerei-Museum. 1997 eröffnet, zeigt es eindrucksvoll, wie Köhler einst gelebt und gearbeitet haben. Wer vom Rundgang zurück ist, kehrt gern in der „Köhlerhütte“ ein – einem gigantischen runden Holzhaus mit Imbiss und Kaffee. Und im Köhlershop lassen sich ein oder gern auch mehr Säcke mit der begehrten Holzkohle der Harzköhlerei für den heimischen Grill oder auch ein hochprozentiger Schnaps mitnehmen.

Info:
www.harzkoehlerei.de

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