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Supersonntag > Unser Land > Die Besenbinder von Hainrode >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 11.09.2017 um 10:46:09

Die Besenbinder von Hainrode

Goethes Zauberlehrling hatte einen, später sogar mehrere, Harry Potter auch, die Harzhexen benutzen sie – Besen. Aber die richtigen müssen es sein: aus Birkenreisig und der Stiel aus Haselnuss-Stecken. Nur dann sind sie echt, gefertigt von den Besenbindern aus Hainrode. Goethes Zauberlehrling hatte einen, später sogar mehrere, Harry Potter auch, die Harzhexen benutzen sie – Besen. Aber die richtigen müssen es sein: aus Birkenreisig und der Stiel aus Haselnuss-Stecken. Nur dann sind sie echt, gefertigt von den Besenbindern aus Hainrode.
Foto: Roswitha Hennig Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis. Hainrode liegt sozusagen in einer Sackgasse. Als wolle der kleine Ort, der zur Gemeinde Südharz gehört, mit seinen knapp 300 Einwohnern dem Besucher sagen: Hier geht‘s nicht mehr weiter. Wozu auch? Du hast das Paradies gefunden.

Streuobstwiesen erfreuen im Frühling das Auge des Spaziergängers und laden im Herbst zum Kosten der leckeren Früchte ein. Für Wanderer ist der Karstwanderweg, immerhin zertifiziert, ein Muss. Die Hainröder sind emsig dabei, ihren Ort zu verschönern. Mit Erfolg:   Hainrode erhielt schon mehrmals Auszeichnungen und gilt als das schönste Dorf im Südharz und eines der schöns­ten Dörfer in Europa. „Ja, bei uns ist es wirklich schön“, lacht Udo Halle, als er die kleine Werkstatt aufschließt, die sich in der Alten Dorfschmiede in Hainrode befindet.

Das historische Objekt wurde vom Heimat- und Naturschutzverein Hainrode e.V. mit Fördermitteln  und Eigenanteilen saniert und zu einem lebendigen Dorfmuseum hergerichtet. Hier treffen sich auch die Besenbinder jeden Mittwoch für ein, zwei Stündchen, um ihrem historischen Handwerk nachzugehen.

Und da kommen auch die anderen: Joachim Langer, Bernd Feuerstab und Walter Reineberg. Walter Reineberg ist mit 87 Jahren der älteste, die anderen sind mit 66, 67 und 68 Jahren die Jungspunde.  Aber Besen binden können sie alle.
 
Vor 300 Jahren, als es in der Gegend mit dem Altbergbau zu Ende ging, mussten sich die Bergleute eine neue Einnahmequelle zum Unterhalt ihrer Familien erschließen. Sie sammelten in den Wintermonaten Birkenreisig, lagerten es ein, suchten sich dann bis zum Sommer Stecken aus Haselnuss für die Stiele zusammen – und dann konnte es losgehen. So wie bei den vier Besenbindern, die heute noch die alte Tradition ihres Ortes pflegen.

Sie haben ihre obligatorischen grünen Schürzen umgebunden, die Strohhüte aufgesetzt und ihre angestammten Plätze eingenommen. Während Udo Halle die großen Birkenreiser aussucht und in einer eigens für diese Zwecke gebauten uralten Maschine zusammenpresst, gibt er die kleineren Äste weiter, die dann von Bernd Feuerstab zu mittleren Besen verarbeitet werden, der wiederum die ganz kleinen Birkenreiser an Joachim Langer weitergibt, der daraus kleine Besen als Mitbringsel fertigt.


Und während hier eins ins andere greift, gibt der Senior der Besenbinder das alte Besenbinderlied zum Besten:

Wenn ich kein Geld mehr hab, geh ich in‘ Wald und schneid Reisig mir ab.
Wenn ich das Reisig gebunden hab, geh ich die Straßen bergauf und bergab.
Leute, wer kauft mir die Besen ab!



Zum Schluss wird der Stiel befestigt. Mit kräftigen Hammerschlägen wird er in das mit Draht fest verschnürte Reisig geklopft. Dann wird das Reisig noch ein bisschen gestutzt und in Form gebracht und der Besen für Haus und Hof  ist ge­­brauchsfertig. Für Jahre. Zwar verliert er mit der Zeit ein biss­chen an Größe, nicht aber an Qualität. Wenn man eines beachtet – nicht auf den Besenkopf (das Birkenreisig) stellen – hat man lange Zeit seine Freude am Hainröder Reisigbesen. 


Riesenbesen
1999, zum 650. Geburtstag von Hainrode, wurde an der Hauptstraße von den Besenbindern ein Riesenbesen aufgestellt. Dieser hat einen 3,35 Meter langen Stiel und misst insgesamt 6,45 Meter. Das für den Riesenbesen verwendete Reisig hätte für 25 normal große Besen ausgereicht. Außerdem wurden 45 Meter Draht in dem überdimensionalen Reinigungswerkzeug verarbeitet. Der Riesenbesen gehört heute zu den Wahrzeichen von Hainrode.


Termine
Die kleineren Varianten gibt‘s wieder zum Erntedankfest in Riestedt am 30. September, zum Apfelfest in Hainrode am 14. Oktober und auf dem Regionalmarkt in Sangerhausen am 8. Oktober. Und was wäre der 1. Advent am 3. Dezember in Hainrode ohne die Besenbinder, die diesem wunderschönen Dorf ihren Namen gegeben haben.

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