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Supersonntag > Unser Land > Vorsicht vor Doppelgängern >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 06.09.2017 um 08:46:34

Vorsicht vor Doppelgängern

„Unser Land” war mit dem Chef des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt e.V. im Unterharz unterwegs und hat viel über Steinpilze, Maronenröhrlinge oder Birkenpilze und ihre Doppelgänger gelernt. „Unser Land” war mit dem Chef des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt e.V. im Unterharz unterwegs und hat viel über Steinpilze, Maronenröhrlinge oder Birkenpilze und ihre Doppelgänger gelernt.
Foto: pit 24/Fotolia Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Pilze – einigen sind sie bis heute nicht ganz geheuer und so umgibt sie seit Ewigkeiten etwas Geheimnisvolles. Dafür gibt es einige Gründe: Manche schießen sprichwörtlich aus dem Boden, sie wachsen wie der berüchtigte Hexenring in Kreisen oder andere leuchten bei Nacht. Und Pilze wie Trüffel können eine lukullische Offenbarung sein. Doch den Genuss trübt stets ein Risiko: Ausgerechnet viele köstliche Speisepilze haben giftige Doppelgänger, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Pilze wachsen eigentlich das ganze Jahr über. Und trotzdem gilt vor allem die Spätsommer- und Herbstzeit als Hochsaison zahlreicher Pilzsorten. Gerade bei feuchtem Wetter sprießen auf Wiesen und in Wäldern die köstlichen aber auch die giftigen Pilze. Sammler sollten sich vor allem nach Regentagen auf den Weg machen, denn da sprießen besonders viele Pilze. „Sachsen-Anhalts Haupt-Pilzsammelgebiete sind der Harz, die Colbitz-Letzlinger Heide, der Fläming, die Dübener Heide oder auch der Ziegelrodaer Forst”, weiß auch Martin Groß, Chef des  Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt e.V.

Mit etwas Glück lässt sich so auch der Riesenschirmpilz oder Parasol (Macrolepiota procera, Foto rechts oben) finden. Der "Speisepilz des Jahres 2017" ist einer der besten Speisepilze. Sein Hut erreicht eine Größe von bis zu 35 cm und er kann bis zu 30 cm hoch werden. Parasol ist spanisch und bedeutet „gegen die Sonne“. Tatsächlich hat der von Juli bis November erscheinende Pilz eine gewisse Ähnlichkeit mit einigen der Schirmen, die an Spaniens Stränden die Urlauber vor Sonnenbrand schützen sollen. Er wächst in Wäldern und auf Wiesen gleichermaßen, gerne auch auf Freiflächen, wo zuvor Bäume standen.

„Wer sich auf Pilzsuche begibt, sollte sich vorher über die einzelnen Arten informiert haben. Die Verwechslungsgefahr wird immer wieder unterschätzt“, gibt Regine Wandelt von der „Fachgruppe Mykologie“ im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg zu bedenken. Allein dort gibt es weitere sieben Pilzberater. Einen ersten Überblick über genießbare und giftige Pilze liefern Handbücher. Denn: Die Welt der Pilze ist groß. Nahezu unüberschaubar groß: 50 000 Arten gibt es weltweit nach Schätzungen von Mykologen. Andere gehen von der doppelten oder dreifachen Menge aus. Und dabei hat die Wissenschaft bis heute nur einen Bruchteil davon untersucht. In Europa werden für den Verzehr etwa 80 Arten genutzt, „rund 180 Arten sind als giftige und giftverdächtige Pilze registiert”, ergänzt Martin Groß.

Steinpilze, Maronenröhrlinge oder Birkenpilze: Jeder eingefleischte Pilzsammler kennt Stellen, wo er immer wieder fündig wird.
Genaue Standorte sind meist ein gut gehütetes Geheimnis. Fakt ist: Essbare Pilze sind an vielen Standorten zu finden. Manche Arten bevorzugen Wiesen, andere wachsen im Nadel-, Misch- oder Laubwald am Boden oder auf Baumstümpfen. Anfänger, so sagen Experten, sollten sich auf die einfacher bestimmbaren Röhrlinge beschränken. Pilze findet man nahezu überall, wo der Boden nicht von zu vielen krautigen Pflanzen bedeckt ist. Unter Birken, Buchen und Pappeln findet man zum Beispiel bis in den November Rotkappen. Maronenröhrlinge lieben saure Böden. Sie wachsen unter Kiefern und Fichten, mitunter aber auch in Laubwald.

Doch Regina Wandelt rät zur Vorsicht: Es gibt zahlreiche Exemplare, die genießbaren Pilzen sehr ähnlich sehen, aber hoch giftig sind. „Sobald nur der geringste Zweifel daran besteht, ob es sich um einen genießbaren Pilz handelt, gehen Sie besser auf Nummer sicher. Lassen Sie also den Pilz stehen oder wenden Sie sich an einen Pilzexperten.” Das sagt auch Martin Groß, Chef des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt. 1993 gegründet hat der heute 116 Mitglieder. 78 davon sind in Sachsen-Anhalt als Pilzberater tätig.

Und die haben Jahr für Jahr alle Hände voll zu tun. Denn nicht alle Pilzsammler, die sich von August bis Oktober in den Wäldern Sachsen-Anhalts auf die Pirsch machen und dafür mitunter schon mal sehr zeitig aufstehen, beherzigen die Goldene Regel des Pilze-Sammelns:

Nur Pilze, die man genau kennt, dürfen in den Sammelkorb. Dabei sollten solche, die man nicht zweifelsfrei bestimmen kann, nicht zu den übrigen gesammelten Pilzen, um einen versehentlichen Verzehr zu vermeiden. Am besten lässt man sie aber im Wald stehen – ohne sie einfach umzutreten. Wer sich nicht an diese Grundregel beim Pilzesammeln hält, riskiert schwere Vergiftungen bis hin zum Tod. „Wenn man sich unsicher ist, ob ein Pilz essbar ist, soll man auf jeden Fall ausgebildete Experten konsultieren – zum Beispiel in einer Pilzberatungsstelle”, rät der Magdeburger Pilzexperte. Die Adressen haben die Landratsämter und finden sich im Internet unter www.lvps.de.

Darum rät er: Wer neben Speisepilzen auch unbekannte Pilze für die Bestimmung aus dem Wald mitbringt, sollte diese in einem gesonderten Behälter aufbewahren. Das beugt einer versehentlichen Vermengung mit den für den Verzehr gedachten Funden vor. „Bei kleinen und zerbrechlichen Fruchtkörpern ist es ratsam, diese für den Transport in einem Behälter mit feuchtem Zellstoff aufzubewahren, um ihrer Austrocknung vorzubeugen.”

Und bitte: Wer sammelt, sollte es maßvoll tun, ergänzt Martin Groß. Denn Pilze haben im Ökosystem Wald viele ökologische Rollen.  „Sammeln Sie mit Sinn und Verstand – keiner ist auf die Pilze angewiesen, um nicht zu verhungern.” Selbst für Pilze gelten Naturschutzregeln:

Die Ausnahmeregeln zum Sammeln größerer Mengen bestimmter unter Naturschutz stehender Pilze zur Vermarktung ist Bundesrecht. Nur die Zuständigkeiten dafür sind Landesrecht. In Sachsen-Anhalt ist es die obere Naturschutzbehörde – das Landesverwaltungsamt. In anderen Ländern können es durchaus die unteren Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte sein, was praktikabler wäre für Antragsteller. „Die Rechtslage ist so, das bei einer Steinpilzschwemme der Steinpilzsammler beim Waldnutzungsberechtigen (meist Forstämter) oder Privatwaldbesitzer eine Sammelgenehmigung erbitten muss und dann noch beim Landesverwaltungsamt die Ausnahmegenehmigung nach Bundesartenschutzverordnung zu beantragen hat”, weiß Martin Groß und ergänzt, „wer die entsprechenden Pilzarten am Straßenrand  oder an Gaststätten verkauft, macht sich strafbar, wenn er diese Genehmigungen nicht hat (bis 50 000 Euro).”
Übrigens: Sammeln Sie die Pilze in einen Korb, damit die Pilze luftig liegen können. Völlig ungeeignet sind Plastiktüten, da die Pilze darin „schwitzen“ und sehr leicht in Zersetzung übergehen. Und noch etwas gibt es zu bedenken: Ob geschützter oder ungeschützter Pilz, das Eigentumsrecht des Grundstücksbesitzers muss immer beachtet werden – ein Aspekt, der vor allem in Privatwäldern zum Tragen kommen kann.

Kommt es nach einer Pilzmahlzeit zu Schweißausbrüchen, Durchfall und Benommenheit, besteht Verdacht auf eine Vergiftung. Umgehend einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und eventuelle Reste der Mahlzeit oder Putzreste zur Bestimmung aufzubewahren. Macht sich die Vergiftung erst nach acht oder mehr Stunden bemerkbar, sofort den Notarzt rufen, denn es besteht akute Lebensgefahr.

Pilzvergiftungen sind vermutlich die häufigsten Erkrankungen nach Lebensmittelverzehr, die sogar tödlich enden. Es sterben wahrscheinlich weniger Menschen an der häufigsten Lebensmittelvergiftung – der Salmonellose – als an Pilzvergiftungen.



Info:
www.lvps.de

 

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