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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 19.04.2017 um 17:04:20

Erdbeeren - die Königin unter den Beeren

Nichts schmeckt besser als eine saftig rote und frisch geerntete Erdbeere. Schon in der Steinzeit gehörte die Frucht deshalb zum Speiseplan unserer Vorfahren. Aber die Erdbeeren, die wir heute essen, entstanden um 1750 durch zufällige Kreuzungen in Holland. Nichts schmeckt besser als eine saftig rote und frisch geerntete Erdbeere. Schon in der Steinzeit gehörte die Frucht deshalb zum Speiseplan unserer Vorfahren. Aber die Erdbeeren, die wir heute essen, entstanden um 1750 durch zufällige Kreuzungen in Holland.
Foto: Sonja Richter Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Die Fachleute kennen heute viele unterschiedliche Sorten, aber alle gehören zu den so genannten nicht klimakterischen Früchten, das heißt, pflückt man sie unreif ab, dann reifen sie auch nicht nach. Deshalb ist es kompliziert, sie über weite Wege zu transportieren. Erdbeeren, die wir heute in jeder Jahreszeit zu kaufen bekommen, fehlt deshalb der typische Erdbeergeschmack. Den kennt nur noch, wer selbst im Garten die frischen Früchte sofort nach der Ernte nascht.

Oder wer die Angebote der RegioFarmers nutzt. Dahinter verbergen sich Lutz Wolff aus Hohenthurm und Peter Meinhardt aus Niemberg (Foto in der Galerie). Die beiden 30-Jährigen kommen aus Landwirtschaftsbetrieben, haben selbst auch Landwirtschaft studiert und sich vorgenommen, die Beerenobstproduktion wieder in die Region zu holen. „Die Menschen müssen sich wieder daran gewöhnen, dass es eine Saison für bestimmte Obstsorten gibt“, meinen sie und bieten das Selbstpflücken auf ihren Feldern an.

Angefangen hat alles mit vielem Ausprobieren. „Ohne den Rückhalt unserer elterlichen Betriebe wäre das nicht möglich gewesen.“ Beide  sind  ihren Eltern dankbar, dass sie ihnen zur Seite standen, als sie im Januar 2013 an den Start gegangen sind – als eines der wenigen Start-up-Unternehmen in der Landwirtschaft.

Das erste Erdbeerfeld in Landsberg (Ortsausgang Richtung Gollma) wurde gut angenommen. Inzwischen gibt es auch Felder am Pegelturm in Bitterfeld, in Peißen gegenüber der alten Metro und in Bruckdorf, Richtung Kanena. Wann und wo man Erdbeeren pflücken kann und welche Sorten auf welchen Feld zu finden sind, das erfährt man immer aktuell auf der Homepage des jungen Unternehmens.

Wer denkt, dass da nur Arbeit für wenige Wochen im Jahr bleibt, der irrt. Denn wenn man gute Erträge haben möchte, dann müssen die Felder das ganze Jahr über gepflegt werden. Das geht im Februar/März mit den Abdeckarbeiten (Wandertunnel, Dammkultur oder Doppelabdeckung mit Vlies und Lochfolie) los, mit denen man die Ernte „verfrühen“ kann. Alle drei Jahre müssen auch neue Pflanzen in die Erde. Im Mai wird Stroh in den Beeten eingestreut, damit die Früchte sauber und trocken bleiben. Unkrautbearbeitung kann durch Maschinen erleichtert werden, bleibt aber oftmals Handarbeit. Erntezeit heißt es vom 1. Mai bis 20. Juli, je nach Witterung. Danach wird abgemulcht, gedüngt, Unkraut bekämpft – das geht bis in den Dezember hinein.

„Wir haben auf unseren Selbstpflückfeldern ausschließlich sogenannte Geschmackssorten angebaut“, erklärt Peter Meinhardt. Die bieten einen besonders guten Erdbeergeschmack, sind aber weniger lange haltbar. Deshalb sind die Beeren an den Verkaufsständen auch nicht älter als vier Stunden. „Zum Vorpflücken wurden wir von unseren Kunden angeregt“, so Lutz Wolff, „von denen, die zum Selbstpflücken wenig Zeit haben oder denen das Bücken schwer fällt, und von denen, die für frische Erdbeeren nicht jedes Mal aus der Stadt heraus fahren wollen“. Deshalb stehen in der Saison inzwischen zehn Verkaufsstände in Halle und auch an jedem Feld gibt es einen. Bei diesen Arbeiten werden die RegioFarmers von saisonalen Mitarbeitern unterstützt.

Um vor allem die Kinder wieder an den richtigen Erdbeergeschmack heran zu führen, arbeiten die beiden jungen Unternehmer mit Kitas und Schulen im Umfeld ihrer Felder zusammen und holen die Kinder „in die Erdbeeren“. Lernen können aber auch die Erwachsenen noch viel. Alle Erdbeersorten, die – strukturiert nach Reifegraden und Geschmack – angebaut sind, haben erklärende Schilder. Denn auf den Feldern werden auch längst vergessene Spezial- und Traditionssorten angeboten.

Nachdem die Erdbeeren in der Region gut angenommen wurden, haben sich Lutz Wolff und Peter Meinhardt entschieden, auch Himbeeren zum Selbstpflücken anzubieten – nach dreijähriger Vorbereitung auf einem Feld am Ortseingang von Hohenthurm, übrigens das einzige Himbeer-Selbstpflückfeld in Mitteldeutschland. Die zu pflegen sei noch aufwändiger, aber die Kunden nehmen es dankbar an. Weil Himbeeren im Gegensatz zu Erdbeeren tagsüber reifen, müssen sie auch mehrmals täglich gepflückt werden.

Seit zwei Jahren experimentieren die jungen Unternehmer auch mit Kulturheidelbeeren. Da die Moorbeetkulturen sind, wachsen sie nicht einfach so in der Erde auf dem Feld, sondern werden in Substratsäcken oder Töpfen mit spezieller Erde gezogen. Noch gibt es kein Selbstpflückfeld, aber die Beeren an den Ständen der RegioFarmers zu kaufen. Brombeeren und Stachelbeeren sind die nächsten Vorhaben. Da sind die beiden Fachleute gerade bei der Sortenprüfung. Was ihnen auch wichtig ist, ist die komplette Verarbeitung ihrer Früchte vom Feld. Die werden deshalb restlos beerntet und die Beeren weiter verarbeitet. Weiter verarbeitet wird auch, was abends an den Verkaufsständen übrig bleibt. „Wir wollen unseren Kunden täglich frisches Obst bieten und deshalb kommt nichts vom Vortag in den Verkauf. Das kann man einfrieren und später weiter verarbeiten“, erklären sie. Deshalb gibt es das ganze Jahr über in ihrem Online-Shop Marmeladen, Säfte und Liköre. In Kooperation mit der Altenburger Senffabrik entstehen aus den Früchten auch andere kulinarische Köstlichkeiten.

Mit ihrem Start-up-Unternehmen wollen Lutz Wolff und Peter Meinhardt den Bezug der Menschen zu regionalen Produkten steigern. Gleichzeitig schaffen sie Arbeitsplätze in der Region und sorgen dafür, dass auch das Geld in der Region bleibt. Ihre Wertschöpfungskette setzt darauf, ein Produkt von Anfang an, komplett und in der Region zu verarbeiten. Damit der gute Geschmack der Königin der Beeren und ihrer vielen Verwandten nicht irgendwann verloren geht.

Info:
www.regiofarmers.de

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