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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 19.04.2017 um 17:04:58

Was wächst wo, wie und wann?

Ein Landwirt ernährt heute mehr als 130 Menschen. Die Agrargenossenschaft 
Bad Dürrenberg e.G. betreibt Feldbau in 36 Gemeinden im Saalekreis mit einer Nord-Süd-
Ausdehnung von mehr als 26 Kilometern und einer Ost-West-Breite von mehr als 
elf Kilometern. Insgesamt wirtschaften die Landwirte auf rund 4 500 Hektar Fläche. Ein Landwirt ernährt heute mehr als 130 Menschen. Die Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg e.G. betreibt Feldbau in 36 Gemeinden im Saalekreis mit einer Nord-Süd- Ausdehnung von mehr als 26 Kilometern und einer Ost-West-Breite von mehr als elf Kilometern. Insgesamt wirtschaften die Landwirte auf rund 4 500 Hektar Fläche.
Foto: Mirko Graul - Fotolia Galerie (1 Bild)
Noch vor einhundert Jahren war Deutschland noch Agrarstaat. Der Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft lag bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und mit der Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil fast kontinuierlich und betrug Anfang der 1950er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nur noch knapp zwei Prozent.

In den vergangenen 100 Jahren wurden enorme Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft erzielt. Immer mehr Menschen werden von einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ernährt. Der Hektarertrag für Weizen zum Beispiel lag vor gut 100 Jahren bei 18,5 Dezitonnen. Heute liegt der Hektarertrag mit 73,9 Dezitonnen viermal so hoch (Durchschnittsertrag der letzten fünf Jahre). Ein Landwirt erzeugte 1900 Nahrungsmittel in einem Umfang, um etwa vier Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt 10 und 2010 sogar 131 Personen. Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhunderts (2010/11) liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad bei etwa 85 Prozent, bei starken jährlichen Schwankungen.

Der technische Fortschritt ist Ursache für die enorme Produktivitätssteigerung. Die Ur­­sachen sind im Einsatz von arbeitssparenden hocheffizienten Produktionsmitteln und in der Mechanisierung der Landwirtschaft zu suchen. Anstelle von Zugtieren kamen motorisierte Maschinen zum Einsatz. Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken den Technikeinsatz in der Landwirtschaft. Präzisionslandwirtschaft, computergesteuerte Fütterung, integrierte Nahrungsmittelketten und Melk­­roboter sind Stichworte für die moderne Landwirtschaft von heute.

Die Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg entstand 1991 aus der früheren LPG „Fritz Große“. „Im Unternehmen beschäftigen wir uns seither mit der landwirtschaftlichen Produktion von qualitativ hochwertigem Getreide, Hackfrüchten wie Zuckerrüben und Speisekartoffeln für die Nahrungsmittelindustrie, dem Halten von Mutterkühen mit Nachzucht für das Veredeln von Fleischprodukten und dem Betreuen von Legehennen zur Erzeugung von Eiern. Durch Aufgabe des Gemüseanbaus im Jahr 2010 wurden für uns andere Anbauvarianten bedeutend und so befassen wir uns heute zusätzlich mit dem Anbau von Durumweizen, Mais, Soja, Raps und Dinkel“, war vom Geschäftsführer Matthias Ulrich zu erfahren.

Die Genossenschaft betreibt Feldbau in 36 Gemeinden im Saalekreis mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von mehr als 26 Kilometern und einer Ost-West-Breite von mehr als elf Kilometern. Insgesamt wirtschaften die Landwirte auf rund 4 500 Hektar Fläche. Um die Ernteprodukte gut und trocken aufbewahren zu können, hat die Agrargenossenschaft die Möglichkeit, 12 000 Tonnen Getreide lose und 1 700 Tonnen Kartoffeln in Kisten mit Kühlung, zu lagern. Somit ist das Unternehmen ganzjährig vermarktungsfähig und kann auf die Gegebenheiten von volatilen Märkten reagieren.

Getreide ist ein Überbegriff für mehrerer Kulturpflanzen, die zur Familie der Süßgräser gehören. Getreide gehört seit Beginn des Ackerbaus vor rund 10 000 Jahren zu den Grundnahrungsmitteln. Ur­sprünglich aus Mittel- und Vorderasien bzw. Mittelamerika (Mais) stammend, dient es der menschlichen Ernährung.

In Deutschland wird auf derzeit 55 Prozent der Ackerfläche Getreide angebaut. Mit Ausnahme des Hafers gibt es von jeder Art Sommer- und Wintersorten. „Wintergetreide wird im Herbst gesät und überdauert den Winter als junges Pflänzchen, das Kälte vertragen kann. Im Vergleich zum Sommergetreide, das erst im Frühjahr ausgesät wird, hat es mehr Zeit zu Wachsen und liefert höhere Erträge“, berichtet Matthias Ulrich.

Aus einem Getreidekorn entwickeln sich bis zu acht Triebe, die dann 60 bis 80 Körner ausbilden. In einem 1 000- Gramm-Brot ist das Mehl von 16 000 Körnern verarbeitet worden. Bei einem Hektar-Ertrag von rund 75 Doppelzentnern Weizen können etwa 9 500 Mischbrote von je einem Kilogramm gefertigt werden. Die wichtigste Getreideart für deutsche Landwirte ist der Weizen, gefolgt von Gerste, Mais, Roggen, Triticale, Hafer und Dinkel.

Weizen
(Triticum aestivum)


Weizen ist nach Mais die weltweit wichtigste Getreideart. Für Menschen in vielen Ländern ist er als Brotgetreide ein Grundnahrungsmittel und hat auch eine große Bedeutung als Futtermittel für landwirtschaftliche Nutztiere. Von der Gesamterscheinung wirkt Weizen dunkelgrün und die Ähren gedrungen. An Klima, Boden und Wasserversorgung stellt Weizen höhere Ansprüche als andere Getreidearten. Für die Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg ist der Winterweichweizen die bedeutendste Getreidesorte. „Wir sind ein Qualitätsweizen-Erzeuger. Das Getreide wird zu verschiedenen Mehlen ausgemahlen und findet in Backwaren Verwendung“, erläutert Matthias Ulrich. Der Weizen, der nicht den Qualitätsanforderungen entspricht, wird als Futtermittel oder zur Biokraftstoff-Herstellung verwendet.

Gerste
(Hordeum vulgare)


Ohne diese älteste aller Getreidearten müssten wir heute auf Whisky und Bier verzichten. Gerstenmalz ist die Grundsubstanz zur Erzeugung dieser alkoholischen Getränke. „Die Wintergerste ist unsere zweitwichtigste Getreidesorte im Unternehmen“, so Matthias Ulrich. Der Fruchtstand der Gerste ist eine Ähre mit langen Grannen. Die Ähren sind im reifen Zustand geneigt bis hängend. Gerste gedeiht am besten auf tiefgründigen, gut durchfeuchteten Böden.

Hafer
(Avena sativa)


Hafer war der Treibstoff vor der Motorisierung. Als Futter für Transport- und Militärpferde war er unerlässlich. Hafer bevorzugt ein gemäßigtes Klima mit hohen Niederschlägen. Seine Ansprüche an den Boden sind gering. Für die Verwendung in der menschlichen Ernährung müssen die Körner entspelzt werden (Haferflocken), als Futtergetreide können sie am Korn bleiben.

Roggen
(Secale cereale)


Verwendung findet der Roggen hauptsächlich als Brotgetreide. Die Ansprüche des Roggens sind sehr gering. Er wächst auch auf sandigen, trockenen und nährstoffarmen Böden und benötigt nicht allzu viel Wärme. Die Pflanzen wirken blau bis grüngrau. Trotz seiner Robustheit steht der Roggen in der weltweiten Bedeutung der Getreidearten an letzter Stelle.

Mais
(Zea mays)


Der Blütenstand des Mais ist ein Kolben, der von Hüllblättern umgeben ist. Sein Wasserbedarf und seine Ansprüche an den Boden sind gering. Die Nutzung bestimmt den Erntezeitpunkt des Mais: Für Silomais, der als Viehfutter verwendet wird, wird die gesamte Pflanze Ende September/Anfang Oktober geerntet. Bei Körnermais werden nur die vollreifen Körner im Oktober oder November geerntet.

Dinkel
(Triticum aestivum)


Dinkel, ein naher Verwandter des Weizens, erobert langsam aber sicher die Regale der Supermärkte, denn er ist ausgesprochen gesund und vielseitig. Menschen, die auf Weizen allergisch reagieren, finden häufig im Dinkel eine Alternative. Das alles ist Dinkel: Im Wachstum ist er anspruchslos, aber er braucht guten Ackerboden. Er ist kaum anfällig für Schädlinge, der Winter kann ihm nichts anhaben. Er schmeckt leicht nussig, ist beim Backen unproblematisch und steckt voller Vitamine und Mineralstoffe.

Durumweizen
(Triticum durum)


Durumweizen, auch Hartweizen genannt, ist eine eigenständige Weizenart. Die Ähren von Durumweizen sind stets begrannt und oft gedrungen. Hauptsächlich handelt es sich um Sommerdurum, der zwischen Februar und März gesät wird. Seit dem Jahr 1998 stehen auch Winterdurumsorten zur Verfügung. Wegen der geringeren Kornzahl pro Ähre unterschreitet Durumweizen den Weichweizen ertraglich im Mittel um 5 bis 20 Prozent (Sommerform) bzw. um 16 bis 28 Prozent (Winterform). Verwendet wird Durumweizen hauptsächlich für Nudelprodukte. Die Saale-Mühle in Aschersleben verarbeitet den Durumweizen und Dinkel aus Bad Dürrenberg zu Mehl.

Kartoffel,
Zuckerrüben & Co.


Nicht nur klassischen Getreidesorten, sondern auch Kartoffeln, Zuckerrüben, Sojabohnen und Raps werden auf den Feldern der Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg angebaut. Mit 150 Hektar Anbaufläche ist die Agrargenossenschaft ein großer Kartoffelproduzent. Erzeugt wird nur Speiseware. Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt. Zuckerrüben werden auf 300 Hektar bewirtschaft. „Mit dem Auslaufen der europäischen Zuckermarktordnung zum 30. September 2017 fallen die Quoten weg. Dann werden wird wahrscheinlich die Anbauflächen erweitern“, lässt Matthias Ulrich durchblicken. Verarbeitet werden die Zuckerrüben in der Zuckerfabrik in Zeitz.

Auf 70 Hektar werden 100-Prozent-genfreie Sojabohnen angebaut. „Genfreie Sojabohnen werden in der Legehennen-Haltung gefordert“, weiß der Landwirt zu berichten. „Wir sind gläsern in unserem Anbau und werden ständig durch die entsprechenden Behörden kontrolliert.“ Winterraps steht auf 800 Hektar Ackerfläche. Er dient vorwiegend der Speisölproduktion. Abnehmer sind die Ölmühlen der Region.

Die Agrargenossenschaft Querfurt eG betreibt in der Niederung der Querne einen Hopfenbau. Auf 38 Hektar eigenen Flächen und 33 Hektar des Nachbarbetriebes werden die edlen Aromasorten „Saazer“ und „Perle“, die Bitter­sorten „Hallertauer Magnum“ und „Nordbrauer“ und die Flavoursorte „Mandarina Bavaria“ angebaut.

Mit langer Tradition und großem Erfolg werden die Sorten kultiviert, schonend geerntet und getrocknet. Ein computergestützter Bandtrockner sichert die hohen Qualitäten des Rohhopfens. Die Weiterverarbeitung deutschen Hopfens ist ausschließlich in der Hallertau (Bayern) gegeben.Die jährliche Hopfenmenge der Genossenschaft reicht für die Produktion von ca. 450 Millionen Liter bestem Bier aus deutscher Herstellung. Das Besondere des Anbaugebietes Elbe-Saale wird durch das Siegel des geschützten geographischen Anbaus unterstrichen.

Klimawandel und die Folgen in der Landwirtschaft

Noch hat der sich abzeichnende Klimawandel keine größeren Auswirkungen auf das Agrarunternehmen. „Aber wir merken schon, dass das Wetter extremer wird. Im Sommer gibt es kein Landregen mehr. Oft ist es trocken und heiß, dann folgt Starkregen. Die Winter sind entweder zu mild oder warten mit starken Frostabschnitten auf. Das wirkt sich negativ auf das Pflanzenwachstum oder das Ausreifen aus“, kann Matthias Ulrich berichten.  Wir beobachten das Wetter genau, um entsprechend reagieren zu können.

Das Winterhalbjahr bedeutet für den Landwirt keinen Stillstand. Die Mitarbeiter übernehmen in der Werkstatt Reparatur- und Pflegearbeiten. Ansonsten wird das neue Jahr geplant, die Bestellungen gehen raus und Saatgut muss gekauft werden. „Außerdem wird der ganze ‚Bürokram‘ erledigt, der während der Ernte liegen geblieben ist. Der Gesetzgeber sorgt schon dafür, dass die Bürokratie nicht zu kurz kommt“, zieht Matthias Ulrich Bilanz.

Info:
www.agrar-bdg.de

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