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Supersonntag > Unser Land > Flüssiges Gold aus dem Kloster >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 19.04.2017 um 17:06:12

Flüssiges Gold aus dem Kloster

Im Hopfen- und Bienengarten des Klosters Hedersleben ist der Name jedenfalls teilweise 
wieder Programm. Emsig geht‘s dort zu – von Frühjahr bis Spätsommer. Im Hopfen- und Bienengarten des Klosters Hedersleben ist der Name jedenfalls teilweise wieder Programm. Emsig geht‘s dort zu – von Frühjahr bis Spätsommer.
Foto: Michael Randhahn-Schülke Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder)
Unter alten Obstbäumen im Hopfen- und Bienengarten des Klosters Hedersleben stehen die fast zwei Dutzend Bienenvölker, die für den unglaublich leckeren „Kloster Honig“ sammeln. Für ein Glas, unterstreicht Konstantin Herrmann (Foto Bildergalerie), müsste eine einzelne Biene zweimal um die Welt fliegen. Der Nektar, den die Bienen sammeln, sei aber noch lange kein Honig. Bis der klebrige Saft reif für die Ernte ist, muss er noch viele „Bienenmägen“ durchwandern.

Das Naturprodukt – für ein Kilogramm Honig muss unsere Honigbiene Apis mellifera drei bis vier Millionen Blüten aufsuchen – liegt im Trend der Zeit. Bis Zucker im 18. Jahrhundert in großen Mengen hergestellt wurde, war Honig der wichtigste Süßstoff. Außerdem werde Honig in der Naturheilkunde zur Behandlung von Prellungen, Brandwunden und Erkältung eingesetzt. Aber auch die moderne Medizin nutzt ihn mit großem Erfolg in der Wundheilung, wie eine Studie der Universität Bonn zeigt. Das alles weiß Konstantin Herrmann. Viel hat er von einem befreundeten Imker gelernt und sich abgeschaut. Der 17-Jährige ist einer der jüngsten Imker im Land. Erst vor fünf Jahren fand er zu dem ungewöhnlichen Hobby und betreut heute fünf Völker. Der Deutsche Imkerbund mit seinen 103 370 Imkereien (Stand: 31.12.2015 – Tendenz steigend) ist der größte Verband in Europa. Und dennoch: Die EU kann ihren Bedarf an Honig selbst nicht decken. Etwa 40 Prozent des intern konsumierten Honigs wird importiert, in Deutschland sind es sogar 80 Prozent.

Von April bis August, wenn die Bienen in den Streuobstwiesen entlang der Selke – sie plätschert hinter dem Klostergarten gemächlich dahin und dient den Hunderttausenden von Arbeiterinnen als ideale natürliche Trinkquelle – und den benachbarten Feldern den Nektar sammeln und in die Stöcke bringen, dann ist Konstantin Herrmann fast täglich bei seinen fleißigen Sammlerinnen. Im Sommer leben etwa 60 000 Arbeiterinnen im Stock. Ein einziges Bienenvolk kann in einem Jahr bis zu 30 Kilogramm Honig produzieren.

Im Fall der Klosterimkerei Hedersleben leben die Bienen geradezu fürstlich im Kloster Hedersleben. Die alten Obstbäume sind „eine Super-Nahrungsquelle“. Und so produzieren die Bienen zusammen mit Konstantin Herrmann für den Hofladen, der im Herbst gerade frisch renoviert wurde, vier Sorten Honig: Raps, Obstblüte, Lindenblüte und Fenchel. Letzterer ist besonders intensiv und nussig. Fenchel-Honig gehört zu den seltenen Sorten. Dass er in Hedersleben in die Wabe und später nach dem Schleudern ins Glas kommt, verdankt Herrmann der Agrargenossenschaft Hedersleben. Die baut nämlich 200 Hektar Kräuter an. So gibt es in manch einem Jahr zusätzlich einen tief aromatischen Kräuterhonig

Im beinahe 800 Jahre alten Kloster Hedersleben hat vor kurzem das kulturelle und gesellschaftliche Herz begonnen zu schlagen. Einst als Stall genutzt haben das Team von Michael Riegler und Holger Gröhn den lang gestreckten Bau seit Oktober 2015 grundlegend saniert. Unter den Augen der Denkmalpflege versteht sich. Immerhin ist das einstige Zisterzienserinnenkloster St. Gertrudis das zentrale Denkmal des Ortes.

„Neues Leben entsteht in historischen Mauern“, sagt der 34-jährige Miteigentümer, der schon vor elf Jahren das alte Gärtnerhaus erwarb, sanierte und dort im „Haus Heyne“ lebt. Sein Haus ist benannt nach seinen Vorfahren, die das Kloster 1811 nach der Säkularisierung erwarben. Neues Leben bedeutet für Michael Riegler auch ein Ort zum Feiern und für Veranstaltungen aller Art – das Kloster als Symbiose von Leben, Kultur und Natürlichkeit. Ein wichtiger, neuer Schritt ist die Eröffnung des alten Ochsenstalls. Im Mai mit einem Gottesdienst feierlich geweiht, hat er in den vergangenen Wochen als stimmungsvolle Location für Geburtstage, Firmenfeiern und Feierlichkeiten seine Feuertaufe bestanden. „Das Paradies ist hier“ bestätigte Heinz-Rudolf Kunze bei Aufnahmen für „Musik für Sie“ im April im Ochsenstall.

„Ob Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern oder Konzerte – der Hederslebener Ochsenstall ist wie geschaffen für Veranstaltungen jeglicher Art“, weiß Riegler. Bis zu 199 Personen finden dort nach seiner Restaurierung Platz, um hier zu feiern, Theateraufführungen oder Konzerte zu genießen.

Bald soll auch das Klostercafé und der auf dem Klostergelände gelegene Kinderspielplatz in Betrieb gehen. In diesem Jahr werde mit der Restaurierung des vom historischen Kreuzgang umgebenen Innenhofes begonnen, so Riegler. Erste Konturen nimmt auch der Klosterrundweg ein. Er bindet Elemente wie den Klosterhof und Taubenturm, die Streuobstwiesen und den Klosterteich und den Klosterpark ein. In Hofläden sollen einmal im Kloster erzeugte oder regionale Produkte verkauft werden.

Und so entsteht Schritt für Schritt neues Leben in historischen Mauern. „Der Erhalt der historischen Klosteranlage ist eine generationsübergreifende Aufgabe“, lacht Michael Riegler. Der stelle er sich gern. Unterstützung bekommen Riegler und Gröhn neben der Gemeinde und vielen Hederslebern, die das Aufblühen ihres Klosters, zu DDR-Zeiten als Polytechnische Oberschule genutzt, voller Erwartungen verfolgen, von einem noch jungen Förderverein „Freunde & Förderer Kloster Hedersleben e.V.“. Der will das kulturelle Erbe der historischen Klosteranlage erhalten, vermitteln und das Leben im Ort und in der Region bereichern. Neben der Planung und Ausrichtung von Kulturveranstaltungen auf dem Gelände, gibt der Verein jungen Menschen im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres, die Chance an der Entwicklung des Denkmals aktiv mitzuwirken. Er ist Träger der Einsatzstelle Kloster Hedersleben der Jugendbauhütte Quedlinburg, einem Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Wenn es gelingt, auch jungen Menschen die Faszination Bauten und Bauweisen zu vermitteln, hat die Vergangenheit eine Zukunft.“ Den Freunden & Förderern stehen die Klostertüren offen, aktiv an der Entwicklung der Anlage mitzuwirken.

Info:
Freunde & Förderer Kloster Hedersleben e.V.
Klosterstr. 1
06458 Hedersleben
Vorsitzender: Hubertus von Stolzmann
Kontakt: Michael Christoph Riegler
E-Mail: freunde@kloster-hedersleben.de
www.kloster-hedersleben.de

Leserkommentare:


Regine Kleps ( Heitmann ), Staßfurt :
"Ich bin sehr erfreut über die Entwicklung der Klosteranlage, habe ich es doch noch grau in Erinnerung. Ich bin zu DDR-Zeiten dort zur Schule gegangen und finde es sehr schön, was daraus geworden ist. Auf einen baldigen Besuch freue ich mich schon jetzt."


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