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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 05.03.2017 um 08:49:38

Familienunternehmen mit Tradition: Hier geht es um die Wurst

Im Bild die Fleischerei Kohlmann heute mit einem Großteil der Mitarbeiter des Traditionsbetriebes: Doreen Kirchhof (hintere Reihe, von links), Frank Fröhlich, Janet Liesche, Schwager Holger Rehain, Beate Stein (vordere Reihe, von links), Schwester Sabine Rehain, Klaus-Dieter Kohlmann, Karola Kohlmann und Christine Kraft. Im Bild die Fleischerei Kohlmann heute mit einem Großteil der Mitarbeiter des Traditionsbetriebes: Doreen Kirchhof (hintere Reihe, von links), Frank Fröhlich, Janet Liesche, Schwager Holger Rehain, Beate Stein (vordere Reihe, von links), Schwester Sabine Rehain, Klaus-Dieter Kohlmann, Karola Kohlmann und Christine Kraft.
Foto: Stefan Julius Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Vor 117 Jahren wurde der Grundstein für die Traditionsfleischerei gelegt.

Greppin (stj).
Preußische Dampfwurst, der Goitzsche Lümmel, der Preußentaler und vieles mehr - die Greppiner „Fleischerei Kohlmann“ ist mit ihren Fleisch und Wurstspezialitäten bereits wohl weit über die Grenzen von Greppin und Bitterfeld-Wolfen hinaus bekannt.

Zudem weiß die Stammkundschaft wohl sehr gut, dass bei einem Einkauf in der Traditionsfleischerei von Fleischermeister Klaus-Dieter Kohlmann (61), welche in Greppin in der Neuen Straße 18 beheimatet ist, auch sehr viel Geduld und Zeit mitzubringen ist. Denn die Auswahl im kleinen Verkaufsladen scheint wohl endlos zu sein, sodass sich ein mancher gar nicht entscheiden kann, was er oder sie wohl zuerst nimmt.

Der Fleischer mit Leib und Seele zeigt in seiner Produktpalette, welche er immer wieder mit pfiffigen Ideen erweitert, seine Heimatverbundenheit.

Den Grundstein dafür legte allerdings schon vor etwa 117 Jahren Klaus-Dieter Kohlmann sein Urgroßvater Hermann Wede, der die Greppiner Traditionsfleischerei 1900 zusammen mit seiner Frau gründete.

„Selbst viele Rezepturen stammen sogar noch vom Urgroßvater“, erzählt Fleischermeister Klaus-Dieter Kohlmann. „Damals wurde mangels Kühlmöglichkeiten im Fleischerhandwerk hauptsächlich nur im Winter produziert. Die Fleischerei, so wie man sie heute kennt bestand zu der Zeit an der gleichen Adresse nur aus einem Schlachthaus und einen zwei bis drei Quadratmeter großen Verkaufsladen direkt neben der Wohnstube“, berichtet der Fleischermeister weiter.

„In der Woche wurden je nach Bedarf etwa ein bis zwei Schweine geschlachtet und bei Weitem nicht so viel produziert wie heute. Außerdem wurde auch noch bei den Leuten Zuhause geschlachtet. Hier in Greppin gab es sogar neun Fleischer und elf Bäcker. Die Schweine wurden zu der Zeit noch vom Bauern mit einem Handwagen abgeholt. Vor den Handwagen wurde eine Dogge gespannt. Diese wurden damals auch Fleischerhund genannt, weil sie so schön groß und kräftig waren“, erzählt Klaus-Dieter Kohlmann.

„Mit den Jahren wurden dann auch so nach und nach die Fleischerei und der Verkaufsladen vergrößert. Zum Kriegsende 1945 war allerdings vorerst Schluss mit dem Familienbetrieb, denn meine Großmutter heiratete als einzige Tochter anstatt eines Fleischers den Lehrer Kohlmann. Mein Opa unterrichtete hier in Greppin an der Schule. Ihn hatte selbst ich noch unter anderen in Werken“, erinnert sich Kohlmann.

Die Fleischerei wurde von 1945 bis 57 vorübergehend an den Fleischer Müller verpachtet, welcher damals in Bitterfeld Obermeister war. Während dieser Zeit begann Vater Hans-Dieter Kohlmann im Jahre 1945 nach dem Krieg mit 14 Jahren im Konsum Holzweißig seine Fleischerlehre.

Er hegte sehr zeitig den Wunsch, die Familientradition seines Großvaters Hermann Wede, die Kunst des Fleischerhandwerks im familieneigenen Betrieb fortzusetzen. Nach seiner Ausbildung schloss er als Nächstes seine Meisterprüfung ab und war damals der jüngste Fleischermeister im Kreis Bitterfeld.
1957 erfolgte dann die Wiedereröffnung des Familienbetriebes durch Hans-Dieter Kohlmann. Zusammen mit seiner Frau Isolde, die er im Konsum Holzweißig kennengelernt hatte, und einem Lehrling erfolgten die Rückkehr in die Selbstständigkeit und zugleich eine Fortsetzung des Familienbetriebes. „Mein Vater hatte in der ersten Zeit einen relativ steinigen Start.

Er hatte die einst noch vom Urgroßvater genutzten uralten Maschinen noch übernommen. Die gingen so nach und nach kaputt und es mangelte eigentlich an allem, so wie das halt zu DDR-Zeiten so war. Dann wollte man zu DDR-Zeiten selbstständige Handwerksbetriebe abschaffen, alles aus volkseigener Produktion im Arbeiter- und Bauernstaat hergestellt sein sollte. Die Behörden waren sozusagen ihm nicht immer positiv gegenüber gestimmt“, weiß der heutige Fleischereichef zu berichten.

„Erstmalig hieß nun auch die Fleischerei nicht mehr Wede, sondern Kohlmann“, erzählt Klaus-Dieter Kohlmann weiter über den holprigen Neustart seines Vaters.

„Der Aufschwung in den Nachkriegsjahren mit der zunehmenden Industrialisierung, wie zum Beispiel der Chemiestandort Bitterfeld, kam auch dem Vater zugute. In Greppin gab`s glaube damals 9000 Einwohner, dass kann sich heute keiner mehr vorstellen. 1971 hatte ich mit 16 Jahren meine dreijährige Ausbildung im elterlichen Betrieb begonnen. Mittlerweile arbeiteten sechs Gesellen mit im Betrieb. Trotzt einiger kritischer Stimmen, dass es besser wäre, die Ausbildung in einem anderen Betrieb zu machen, als direkt beim Vater, kam dies mir zugute“, erinnert sich  Fleischermeister Klaus-Dieter Kohlmann. „Denn mein Vater hatte meine kreative Ader ge­­fördert. Ich konnte Vater mit Ideen unterstützen und vieles neu ausprobieren. Zu DDR-Zeiten gab es hier schon vieles, was es bei keinem anderen Fleischer gab. Das Schwierigste daran war nur, es musste alles bei den Behörden beantragt werden“, schildert Klaus-Dieter Kohlmann.

Seit 1978 ist auch seine Frau Karola (58) mit im Familienbetrieb. 1979 absolvierte Klaus-Dieter Kohlmann nach zweijähriger Meisterschulausbildung in Halle und Leipzig seinen Abschluss als Fleischermeister. Keine zehn Jahre später übernahm Klaus-Dieter Kohlmann dann schon die Fleischerei vom Vater, der aber noch weiter im Betrieb mitgearbeitet hatte.

„1989 kam die politische Wende und vieles änderte sich im Land. Allerdings war in meinem Betrieb kein wirklicher Einbruch zu spüren, denn gegessen wurde ja weiterhin und Kunde ist und bleibt weiterhin der König. Unzählige Vertreter rannten mir allerdings 1989/90 die Tür ein und wollten mir dies und jenes aufschwatzen, wovon ich oft Abstand hielt. Aber in den letzten 27 Jahren hat trotzdem die Modernisierung Einzug gehalten. Nach und nach investierte ich in neue Maschinen wie zum Bespiel einen EDV-gesteuerten Räucherofen“, erzählt der Fleischermeister.  

Heute arbeiten im Familienbetrieb insgesamt neun Mitarbeiter, wovon vier aus der Familie stammen: Frau Karola, Schwester Sabine und Schwager Holger Rehain sowie Schwester Rita Kirchhof. Außerdem ist Klaus-Dieter Kohlmann seit März 2012 Obermeister der Fleischerinnung Bitterfeld und seit November 2013 Landesinnungsmeister des Fleischerhandwerks von Sachsen-Anhalt. Zudem erlangte er mit der Erfindung vom Goitzsche Lümmel 2013 und der Preußischen Dampfwurst 2014 überregionale Bekanntheit, was sein Verbundenheit zur Region um Bitterfeld-Wolfen und Sachsen-Anhalt zeigt.

Was dem 61-jährigen Greppiner Vollblutfleischer allerdings auf der Seele brennt, ist, dass er für seinen Traditionsbetrieb noch keinen Nachfolger gefunden hat, der seinen geliebten Fleischerbetrieb weiterführt.

Etwas Zeit dafür hat Fleischermeister Klaus-Dieter Kohlmann noch, denn an das Aufhören denkt er noch lange nicht, denn in ihm stecken noch jede Menge Ideen, die er  verwirklichen möchte.

 

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