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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 05.03.2017 um 08:56:10

Familienunternehmen mit Tradition: Geruch von Leder allgegenwärtig

Heute ist Schuhmachermeister Stefan Fritsch Inhaber des Traditionsunternehmens in Dessau. Heute ist Schuhmachermeister Stefan Fritsch Inhaber des Traditionsunternehmens in Dessau.
Foto: Detlef Barth Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Schuh-Fritsch in Dessau kann auf eine 125-jährige Geschichte zurückblicken.

Dessau (db).
Familienunternehmen, wie leicht spricht man das aus, wenn die gesamte Familie in einer Firma arbeitet?! Doch auch in Dessau, Köthen oder Bitterfeld gibt es noch einige Familienunternehmen, die auf eine lange Tradition zurückblicken können. Die Redaktion hat sich auf die Suche gemacht und wurde in der Friedrich-Naumann-Straße fündig. Hier gibt es „Schuh Fritsch“. Nur noch wenige Tage sind es bis zu einem besonderen Jubiläum. Am 28. März 2017 wird das Schuhgeschäft Fritsch in der Friedrich-Naumann-Straße in Dessau 125 Jahre alt.

Die Geschichte des Familienunternehmens begann am 28. März 1892 in der Askanischen Straße 14 (zwischen dem heutigen Muldeck und dem Museum) in Dessau. Hofschuhmachermeister Theodor Fritsch (geboren am 13. November 1863) eröffnete eine Werkstatt mit Verkauf.

Theodor Fritsch selbst war kein gebürtiger Dessauer, er kam aus Tschechien. Ob weitere Mitglieder seiner Familie Schuhmacher gelernt haben, ist nicht bekannt, aber in Österreich, uner anderem in Salzburg, gibt es auch Schuhwerkstätten mit dem Namen Fritsch.

Am 1. Januar 1925 stieg der Sohn von Theodor Fritsch im Alter von 27 Jahren, Schuhmachermeister (Meisterbrief vom 23. März 1922) Walter Frisch, in die Firma seines Vaters mit ein. Diese übernahm er allein im Jahr 1933.

Nachdem im 2. Weltkrieg das Objekt in der Askanischen Straße 14 zerstört wurde, baute Walter Fritsch gemeinsam mit Freunden und Handwerkern die Schuhwerkstatt an diesem Ort erst einmal wieder auf.

1957/58, die Stadt Dessau plante den Neuaufbau der Askanischen Straße, war Walter Fritsch gezwungen, in die Friedrich-Naumann-Straße 17 umzuziehen.

Während der DDR-Zeit war der Familie Fritsch nur das Herstellen und Reparieren von Schuhen erlaubt, aber kein Verkauf in den freien Handel.

Am 1. Oktober 1966 war dann Start für die dritte Generation, Schuhmachermeister (Meisterbrief vom 10. Juli 1956) Theodor Fritsch, gerade 30 Jahre alt geworden, übernahm die Firma.

In dieser Zeit gestaltete sich das Produktionsprofil in Schuhreparaturen, speziellen Neuanfertigungen und Verkauf. Dazu gab es Anfertigungen von Spezialschuhen für Theater (Anhaltisches Theater), Ballett (Friedrichstadtpalast), Film und Fernsehen (Adlershof und DEFA Babelsberg) sowie auch für Tanzgruppen und den staatlichen Zirkus der DDR.

Festgeschrieben ist dabei, dass der DEFA Indianerfilm „Chingachgook, die große Schlange“ (Lederstrumpf) mit dem unvergessenen Gojko Mitić mit Schuhen aus der Dessauer Werkstatt ausgestattet wurde.

Theodor Fritsch wurde von Juli 1981 bis zur Wende zum Bezirksobermeister gewählt, nach der Wende war er noch bis 1993 Innungsobermeister.

Inzwischen hat die vierte Generation das Zepter in die Hand genommen. Schuhmachermeister Stefan Fritsch (Meisterbrief am 7. März 1994) übernahm mit 26 Jahren das Geschäft und führt seit dem 1. Januar 1998 das Unternehmen weiter. Auch für ihn kam „nie etwas anderes als Schuhmacher“ infrage, wie er selbst betont.

Heute ist er allein, und ob es eine fünfte Generation geben wird, ist auch offen: „Das muss der Nachwuchs dann zu gegebener Zeit für sich selbst entscheiden“.

Denn ob und wie sich die Möglichkeiten des traditionellen Schuhhandwerks in den kommenden Jahren weiter entwickeln, das kann keiner vorhersagen.

Bei Schuh Fritsch kann man heute seine Schuhe reparieren lassen und sich aus dem Verkaufssortiment neue Schuhe auswählen.

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