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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 07.12.2016 um 08:54:06

Blick in die Wirtshäuser

Bernd Westphal mit dem dritten Band seiner Köthener Kneipengeschichten. Bernd Westphal mit dem dritten Band seiner Köthener Kneipengeschichten.
Foto: Sebastian Köhler
Bernd Westphal legt dritten Teil seiner Kneipengeschichten auf. Von heiteren Anekdoten bis hin nachdenklichen Begebenheiten ist alles dabei.

Köthen (red). Seit dem Bernd Westphal 2011 den ersten Teil seiner Köthener Kneipengeschichten veröffentlicht hat, ist er von diesem Thema nicht mehr losgekommen. Inzwischen liegt der dritte Teil druckfrisch bei ihm zu Hause und wartet auf interessierte Leser.

Das Buch bietet 19 detaillierte Geschichten von meistens nicht mehr existierenden Lokalen unserer Stadt. Enthalten sind die Kaffeehäuser „Troika“ und „Michel“, die Hotels „Zum Erbprinz“ und „Anhalter Hof“, der „Hubertus“, die Gaststätten „Paul Hannemann“, „Löwenbräu“, „Hackerbräu“ und „Heidenreich“, der „Goldene Engel“, der „Neustädter Hof“, das „Schwarze Roß“, die „Kaiserhalle“, „Bücherts Restaurant“, der „Rüdesheimer“, die „Schloßklause“, die Bierstube „Zum alten Fritz“, „Vereinsbrauerei“ und „Richters Bierstuben“.

Einige Geschichten lassen den Leser schmunzeln, andere wiederum machen nachdenklich. Das Buch ist reichlich bebildert und enthält einen Plan mit den Standorten der behandelten Lokale.

Erhältlich sind die Kneipengeschichten bei Bernd Westphal in der Maxdorfer Straße 22 in Köthen, Telefonnummer 03496 213032 oder im Stadtarchiv Köthen zu den Öffnungszeiten.



Leseprobe:

(…) Am 10. Dezember 1928 gegen 8.30 Uhr schreckten Bernhard Martin und seine Ehefrau sicherlich mit Entsetzen zusammen, denn beim Nachbarn, der Speditionsfirma „Wilhelm Streuber“, standen die Stallungen und Lagerschuppen in hellen Flammen. Dieses Feuer konnte, ohne zu übertreiben, als Großbrand bezeichnet werden. Die Feuerwehr setzte alles verfügbare Material ein, um den Brand einzudämmen. Dass es für die betroffenen Gebäude keine Rettung mehr gab, mussten die Löschmannschaften jedoch bald erkennen. In ihnen befanden sich Heu, Stroh und Hafer in großen Mengen. Alle in den Stallungen eingestellten Pferde brachten die anwesenden Männer ausnahmslos in Sicherheit, sicherlich ein Trost für den Spediteur.

Die Motorspritze der Feuerwehr bekam sofort beim Anrücken die Aufgabe zugewiesen, die Gebäude auf dem Grundstück der „Kaiserhalle“ vor dem Übergreifen des Feuers zu bewahren, was dem Spritzenführer und seinen Männern auch gelang.
Martin zeigte, während er das Grundstück besaß, große Aktivitäten, die sich besonders in seinen Bautätigkeiten niederschlugen. Zunächst ließ er 1928 eine der beiden Veranden in einen Laden umwandeln. Dies ist beim genauen Hinschauen noch heute zu erkennen.

Nur ein Jahr später folgte die Umgestaltung der Fassade durch das Bauunternehmen von Hans Berger aus Köthen und 1930 vergrößerte er das Gastzimmer, wofür er 2.500 Mark aufwenden musste. Mit einer großformatigen Anzeige kündete der Wirt am 1. November 1930 die Eröffnung nach diesem Umbau an. Er richtete ein Fest aus mit musikalischen Darbietungen, erstklassigen Weinen und vorzüglichem Bier, so lautete jedenfalls der Anzeigentext, der auf dieses Ereignis hinwies. (…)

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