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Supersonntag > Zeitz > Polizei stellt Raubgräber - Illegal ausgegrabener Fund ist zwar nicht die Himmelscheibe dennoch von nationaler Bedeutung >
Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 20.11.2018 um 16:01:35

Polizei stellt Raubgräber - Illegal ausgegrabener Fund ist zwar nicht die Himmelscheibe dennoch von nationaler Bedeutung

Die Bronzetasse wurde wahrscheinlich im bayrischen Raum gefertigt. Die Archäologen des Landesamtes datieren sie in die Zeit des 11. Jahrhunderts vor Christus. Die Bronzetasse wurde wahrscheinlich im bayrischen Raum gefertigt. Die Archäologen des Landesamtes datieren sie in die Zeit des 11. Jahrhunderts vor Christus.
Foto: Kerstin Eschke Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Bronzezeitliche Funde nach Hausdurchsuchung in Querfurt sichergestellt. 
             
Halle (ke). Am Morgen des 6. November durchsuchen die Kriminalisten des Fachkommissariats 3 der Polizeidirektion Süd eine Wohnung in Querfurt. Hier werden wertvolle archäologische Funde vermutet. Die Polizisten finden eine buckelverzierte Bronzetasse und kleinere Artefakte, ebenfalls aus Bronze. Die Anhänger und Beschlagteile, zum Teil mit Lederresten, stammen wahrscheinlich vom Zaumzeug eines Pferdes. Die Funde werden dem Landesamt für Archäologie zur Begutachtung übergeben.

„Es wurde zwar keine zweite Himmelsscheibe gefunden, dennoch ist der Fund von nationaler Bedeutung“, schätzt Landesarchäologe Prof. Dr. Harald Meller die Objekte ein. Polizei und Archäologen präsentierten am Freitagvormittag im Landesmuseum für Vorgeschichte die bei der Durchsuchung sichergestellten Fundstücke.  

Dem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Halle vorausgegangen ist ein im September bei der Bodendenkmalpflege des Landesamtes für Archäologie eingegangener  Tipp  eines ehrenamtlich arbeitenden Denkmalpflegers, dass auf der Internetplattform eBay archäologische Objekte angeboten werden. Die Kriminalisten des Landeskriminalamtes ermitteln nun wegen des Verdachts auf Unterschlagung. Der 37-jährige Querfurter zeigt den Kriminalisten die Objekte sowie weitere Fundstücke wie Flintenkugeln und ältere Münzen. Außerdem finden die Kriminalbeamten einen Metalldetektor, mit dem der Beschuldigte nach den Ausgrabungsgegenständen gesucht hat. Die Pressesprecherin der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd, Antje Hoppen: „Der Beschuldigte zeigte den Beamten die Fundstelle. Diese  befindet sich im südlichen Saalekreis.“ Konkreter wollte sie aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht werden.

Auch wenn sich Harald Meller erleichtert zeigte, dass sich die archäologisch wertvollen Funde nun in der Obhut der Wissenschaftler befinden, so warnte er vor dem Suchen nach Schätzen mit einer Metallsonde und einer anschließenden Ausgrabung: „Durch das Entfernen der Funde aus dem Boden und im schlimmsten Fall dem Auseinanderreißen der einzelnen Objekte gehen den Wissenschaftlern wichtige Informationen verloren. Denn es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem, wo etwas geborgen wurde, mit welchen Gegenständen und in welcher Bodentiefe“, so der Landesarchäologe, „es gibt Hobby-Archäologen genauso wenig wie Hobby-Chirurgen.“ Archäologen haben viele Jahre studiert und wissen, wie Objekte wissenschaftlich korrekt geborgen werden. Aus diesen Gründen ist die gezielte Suche nach archäologischen Wertgegenständen nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt verboten. Denn solche Funde sind von großem wissenschaftlichen Wert, in der Fundsituation zu erhalten und der Denkmalschutzbehörde anzuzeigen. Mit der Entdeckung  werden die Fundstücke zudem Eigentum des Landes. Deshalb  gilt der Verkauf derselben als Unterschlagung. Dem Beschuldigten drohen bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu
500 000 Euro. Strafmildernd wirkt sich eine umfangreiche Auskunftsbereitschaft aus.

Bevor die Fundstücke im Landesmuseum für Vorgeschichte ausgestellt werden, werden sie eingehen wissenschaftlich untersucht und restauriert. Prof. Dr. Harald Meller vermutet, dass die Bronzetasse einst einem Helden gehörte: "Schwerter wurden unter den Helden getauscht. Aber das Trinkgefäß behielt der Krieger. Die Tasse wurde nach griechischem Vorbild wahrscheinlich in Südbayern gefertigt, das Zaumzeug in Ungarn. Diese Fundstücke machen Geschichte lebendig."

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