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Supersonntag > Wittenberg > Professor Dr. Böhmer wird Ehrenbürger >
Wolfgang Gorsboth Wolfgang Gorsboth
aktualisiert am 28.10.2013 um 11:21:17

Professor Dr. Böhmer wird Ehrenbürger

Professor Dr. Wolfgang Böhmer in seinem Arbeitszimmer. Böhmer, 1936 im Kreis Löbau in der Oberlausitz geboren, war von 2002 bis 2011 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Professor Dr. Wolfgang Böhmer in seinem Arbeitszimmer. Böhmer, 1936 im Kreis Löbau in der Oberlausitz geboren, war von 2002 bis 2011 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.
Foto: Wolfgang Gorsboth Galerie (1 Bild)
Ehrung am Reformationstag im Wittenberger Stadtrat.

Wittenberg (wg).
Prof. Böhmer hat Sachsen-Anhalt geführt wie eine Klinik – pflichtbewusst und mit großem Engagement. Dem Bundesland mit den großen wirtschaftlichen Problemen hat er ein Gesicht und eine Perspektive gegeben.
Der Wittenberger Chefarzt und Gynäkologe war 55 Jahre alt, als er nach der Wende in die Politik ging. „Ich bin im Sommer 1990 gefragt worden, ob ich für den Landtag kandidieren will“, erinnert sich Böhmer.

Er habe gedacht, das laufe ab wie früher die Bezirkstage der DDR mit Treffen alle drei Monate. „Ich habe schnell gemerkt, dass das viel anstrengender wird, aber ich war an der Entwicklung interessiert und wollte mich beim Aufbau der neuen Strukturen einbringen“, so Böhmer.

Für die CDU ließ sich der bis dato parteilose Chefarzt gewinnen, weil ihm CDU-Mitglieder zu DDR-Zeiten halfen, als sein Sohn wegen „unsozialistischen Verhaltens“ exmatrikuliert wurde. Es ging schnell mit der politischen Karriere: 1991 Finanzminister, 1993 Sozialminister.

Der Wechsel in die Politik sei so nie geplant gewesen, der damalige Ministerpräsident Münch habe ihn überzeugt, ein Ministeramt anzunehmen, damit nicht nur „Westimporte“ zum Zuge kämen. Noch als Finanzminister hat Böhmer samstags operiert und an den Wochenenden zytologische Abstriche untersucht.

1998 ließ er sich überreden, den mit 22 Prozent der Stimmen darniederliegenden CDU-Landesverband zu übernehmen, drei Jahre später auch den Fraktionsvorsitz und die Spitzenkandidatur. 2002 wurde er Ministerpräsident, der fünfte seit der Vereinigung. Schnell erwarb er sich den Ruf eines unkonventionellen und souveränen „Landesgroßvaters“, der sich vor allem für Deregulierung, Haushaltssanierung und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes einsetzte.

Die Neuordnung der Finanzverhältnisse sei die größte Herausforderung gewesen: „Es ist gelungen, auf Bundesebene ein Neuverschuldungsverbot auszuhandeln. Es kann nicht das Prinzip der Politik sein, Schulden auf Kosten nachkommender Generationen zu machen.“ Sparpolitik sei deshalb ein moralisches Gebot.

„Das Ansehen der Politik ist sehr gering“, resümiert Böhmer und benennt Gründe: „Politiker müssen Kompromisse machen und können nicht alles das umsetzen, was sie vor den Wahlen versprochen haben.“ Das sähe man deutlich bei den derzeitigen Verhandlungen zwischen CDU und SPD im Bund:


„Beide Seiten haben vorher eine große Koalition ausgeschlossen, müssen jetzt aber verhandeln, weil Deutschland sonst unregierbar wäre.“

Zu den Grundproblemen zählt Böhmer das Verhältnis von individueller Freiheit zu staatlicher Fürsorge und die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit:

„Niemand kann soziale Gerechtigkeit definieren, ein politischer Kampfbegriff, den jeder anders ausfüllt“. Menschen seien ungleich, die Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft verstärke zwangsläufig die Ungleichheit.

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit dürfe aber keine Gleichmacherei bedeuten.

Böhmer war der erste, der bereits zum Reformationsfest 2006 auf die Aufgaben des Landes mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 hingewiesen hat. Damals sei er auf Verwunderung gestoßen, weil doch noch so viel Zeit sei.

„Alle Baumaßnahmen, die heute in Wittenberg laufen, mussten langfristig vorbereitet und in der Finanzierung gesichert werden“, erklärt Böhmer.

Um die Stadt verdient gemacht hat sich Böhmer auch als Chefarzt der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung am Paul-Gerhardt-Stift von 1974 bis 1991.

Großen Anteil hatte er an der Errichtung der Stiftung Leucorea mit dem Ziel, wieder wissenschaftliches Leben in Wittenberg zu organisieren. Mit dem Institut für Hochschulforschung, dem Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik und dem Institut für deutsche Sprache und Kultur sind drei renommierte Institute in Wittenberg ansässig.

Zitat

„Professor Dr. Wolfgang Böhmer hat sich als früherer Minister und Ministerpräsident unseres Bundeslandes für Sachsen-Anhalt und für die Lutherstadt Wittenberg in besonderer und herausragender Weise verdient gemacht“, erklärt sein Nachfolger Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Der Stadtrat habe mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde eine Lebensleistung ausgezeichnet, die von Pflichtbewusstsein, Fleiß und Integrität geprägt sei.

Festsitzung

Die Ehrenbürgerwürde wird am 31. Oktober verliehen, sie ist die höchste Auszeichnung der Stadt. In seiner September-Sitzung hatte der Stadtrat die Verleihung des Titels interfraktionell beschlossen. Die Festsitzung zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Professor Dr. Böhmer beginnt um 11.30 Uhr im Großen Saal des Alten Rathauses. Die Festreden halten der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Sachsen-Anhalts früherer Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (beide CDU).




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