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Supersonntag > Weißenfels > Mobbing - bei uns nicht!? - KKH: „Kinder leiden unter Gewalt!“ vs. Grundschulen: „Mobbing gibt es bei uns nicht!“ >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 08.03.2019 um 11:33:27

Mobbing - bei uns nicht!? - KKH: „Kinder leiden unter Gewalt!“ vs. Grundschulen: „Mobbing gibt es bei uns nicht!“


Foto: pixabay_cc
Wie ist das Klima an den Grundschulen im Burgenlandkreis? Wir haben an Grundschulen nachgefragt.
BLK (mh/ms/wm).
Mia (Name von der Redaktion geändert) ist acht Jahre alt. Jeden Abend liegt sie mit einem mulmigen Gefühl im Bauch im Bett.
Sie kann kaum einschlafen, wenn sie an den nächsten Schultag denkt, an die Hänseleien ihrer Mitschüler, die sie manchmal auch schlagen und ausgrenzen. Mit der Lehrerin reden, traut sie sich nicht. „Mit meinen Eltern kann ich darüber auch nicht sprechen. Sie sind immer so streng und glauben mir nicht“, schluchzt das Mädchen und fügt sich seinem Schicksal tagein, tagaus.

Ein Kind wird zum Mobbingopfer, wenn es regelmäßig von anderen Kindern schikaniert, gequält und/oder seelisch verletzt wird. Gewalt ist auch oft im Spiel. Mobbing unter Schülern ist ein ernstzunehmendes Problem. Das belegt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse: Demnach haben knapp 80 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen sehr häufig bis gelegentlich Stress und Sorgen wegen Mobbing. Bei den Sechs- bis Neunjährigen stehen solche Attacken sowie Angriffe über soziale Netzwerke sogar ganz oben auf der Stress-Skala – noch vor Konkurrenz- und Leistungsdruck in der Schule. Doch fragt man an Schulen im Burgenlandkreis nach, bekommt man entweder keine Antwort oder die Aussage, dass Mobbing an der Schule nicht existiere. „Streit ja, aber Mobbing gibt es nicht unter den Mädchen und Jungen“, sagt eine Zeitzer Schulleiterin.

Bauchschmerzen und Depressionen
Dauern Streit und Mobbing- erfahrungen an, können sie krank machen. „Gerade Cybermobbing ist ein großes Problem“, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm. Denn durch die scheinbare Verfremdung der Kommunikation werden Hemmschwellen herabgesetzt. Es gibt kein Verstecken mehr, es gibt keine Ruhepausen, das Opfer kann sich nirgendwohin zurückziehen- das Netz ist Tag und Nacht zugänglich. Fakeprofile in den Netzwerken, Gerüchte, peinliche oder verunstaltete Bilder, beleidigend getaggte Videos, Ausgrenzung in Foren u.v.m. nehmen zu.

Permanenter Stress und Mobbingerfahrungen können nicht nur zu Bauch- und Kopfschmerzen, Unkonzentriertheit und Rückzug führen; sie können mit der Zeit auch in eine Depression münden: In der Altersgruppe der 13- bis 18-jährigen Schüler verzeichnete die KKH bei Depressionen von 2007 auf 2017 den einen Anstieg um fast 120 Prozent.

Marco Krüger von der Initiative gegen Mobbing war selbst während der Schulzeit lange Täter und Opfer von Mobbing. Durch den Drang zur Aufmerksamkeit und einen falschen Freundeskreis hat er Mitschüler schikaniert, ausgelacht und beleidigt. „Als ich später selbst in die Opfer-Rolle geraten bin, habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, jeden Menschen im Leben die selbe Chance zu geben. Auch durch Mobbing bin ich in eine Depression gerutscht und habe mich mit meiner Arbeit als Anti-Mobbing-Coach aus dem Loch befreit.“ Er rät den Jungen und Mädchen sich immer einer Vertrauensperson zu öffnen. „Gut ist es auch, sich eine Freizeitaktivität zu suchen, die einen auf andere Gedanken bringt und man auch Freunde hat. Reden ist das A und O. Man muss sich heutzutage nicht schämen wegen Mobbing.“

Hilfe durch Schulsozialarbeiter
Schulsozialarbeiter stehen im Burgenlandkreis als vertrauensvolle und erste Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche und Eltern bei individuellen und schulischen Problemen zur Verfügung. „Schulsozialarbeit gewinnt entscheidend an Bedeutung“, so Robert Aßmann, Leiter des Amtes für Bildung, Kultur und Sport. „Immer häufiger sind Kinder in ihrem Alltag multikomplex belastet. Schwierigkeiten in Familie, Freundeskreis und Schule gehen oftmals einher mit psychischen und physischen Belastungssymptomen.“ Umso schwerwiegender sei die Tatsache, dass sich die Versorgung der Schulen mit Schulsozialarbeitern zwar leicht verbessert habe, aber immer noch nicht ausreichend sei. Aktuell können im Rahmen des ESF-Programms „Schulerfolg sichern“ 30 Schulsozialarbeiter an 29 Schulen und über sechs Träger beschäftigt werden. Hinzu kommen vier Schulen, deren Angebote der Schulsozialarbeit noch über Bildung- und Teilhabe durch den Landkreis selbst finanziert sind.

Fest steht, dass alle Schulleiter an ihren Schulsozialarbeitern festhalten. Mobbing scheint es aber  an den Grundschulen im Burgenlandkreis nicht zu geben. Fest steht auch, dass die KKH vor Mobbing an Grundschulen warnt. Wie ist Ihre Beobachtung? Schreiben Sie uns an redaktion@supersonntag-zeitz.de

Statements
Stefanie Becker, kommissarische Schulleiterin der Grundschule „Thomas Müntzer“ Sieglitz wurde angewiesen keine Informationen ohne Absprache mit der Pressestelle des Kultusministeriums herauszugeben. „Pressefragen werden ausschließlich von der Pressestelle des Kultusministeriums bearbeitet beziehungsweise beantwortet.“

Christiane Wiedenbeck, Rektorin der Grundschule Friedrich Bödecker gibt an, dass es an dieser Grundschule bisher keine Mobbingfälle gab.

Angelika Mösch, kommissarische Schulleiterin der Herder-Grundschule teilte uns mit, dass das Thema „Mobbing“ an der Herder-Grundschule in Weißenfels nur theoretisch mit Hilfe des Krisenordners vom Landesschulamt angesprochen wurde. „Uns sind keine Fälle an der Schule bekannt“, sagt sie.

Auch Monika Richter, Schulleiterin der Grundschule Elstervorstadt in Zeitz, ist sich sicher: „An unserer Grundschule gibt es kein Mobbing. Streit ja, aber der wird - gern auch mit Hilfe unserer Schulsozialarbeiterin - gleich geklärt.“ Die Schulleiterin sagt, dass Schulsozialarbeit für alle Schulen wichtig sei. Sie setzt sich für den Erhalt dieser Stelle an ihrer Schule ein.

Marco Krüger von der Initiative gegen Mobbing: „Wir bieten Projekte an Grundschulen an, bei denen wir gemeinsam mit den Kindern das Thema Gegenseitigkeit und Respekt angehen. Nebenbei bieten wir den Schulen an, als Partner in Mobbingsituationen zu helfen. Wir sind Ansprechpartner, falls die Schulen nicht weiter wissen und thematische Beratung benötigen.“ Die Initiative gibt jeder jeder Schule die Möglichkeit, solche Projekte zu planen. Im Burgenlandkreis wurde dieses Angebot nur vereinzelt wahrgenommen. „Ich denke, Mobbing gibt es überall, auch an Schulen, die sich nicht an uns wenden“, ist sich Marco Krüger sicher. „Fakt ist, Bedarf besteht überall und immer. Auch im Burgenlandkreis gibt es sehr viel Mobbing, was Anfragen von Schülern an unseren Verein belegen.“

Infos unter www.dasmstehtfuermut.de

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