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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 05.12.2018 um 12:39:51

Wenn im Unternehmen die Nachfolge ansteht - Drei Beispiele aus der Region Köthen

So unterschiedlich kann es mit der Nachfolge laufen (von links): Tina Schröter übernimmt den Edeka-Markt in Aken ab Januar 2019 von Lutz Muth als selbstständige Einzelhändlerin, Buchhändlerin Annegret Klotz würde ihr Geschäft in Köthen gerne weitergeben, Uwe Kretzschmar hat in Sohn Tom einen Nachfolger für das Autohaus in Köthen gefunden. So unterschiedlich kann es mit der Nachfolge laufen (von links): Tina Schröter übernimmt den Edeka-Markt in Aken ab Januar 2019 von Lutz Muth als selbstständige Einzelhändlerin, Buchhändlerin Annegret Klotz würde ihr Geschäft in Köthen gerne weitergeben, Uwe Kretzschmar hat in Sohn Tom einen Nachfolger für das Autohaus in Köthen gefunden.
Foto: Torsten Waschinski Galerie (1 Bild)
IHK und Handwerkskammer helfen mit geschulten Beratern kostenfrei.

Anhalt (TW).
Nach Statistik der Handwerkskammer Halle ist mehr als jeder zweite Unternehmer älter als 50, jeder Dritte sogar älter als 60 Jahre. „Wenn man bedenkt, dass eine Nachfolge im Durchschnitt sieben Jahre dauert - von der Absicht, bis zum Abschluss - können wir also davon ausgehen, dass alle diese Unternehmen potenzielle Übergabekandidaten sind“, sagt Jans Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer. Die Zahl sei aber dennoch nicht exakt messbar, da es Unternehmen gibt, die nicht übergeben werden wollen/ sollen/ können. Die Struktur des Handwerks wird sich verändern (mehr kleine Betriebe, zumeist ohne Meisterqualifikation) und die Anzahl der Handwerksunternehmen dürfte wegen fehlender Nachfolger sinken.

Um die Unternehmensnachfolge zu regeln, bedarf es laut Handwerkskammer Antworten auf folgende Fragen: Soll diese in der Familie erfolgen, soll an einen Fremden verkauft werden, oder verpachtet, oder verschenkt? Soll es ein Mitarbeiter sein oder ein Betriebsfremder? Was ist das Unternehmen wert und was kann ich erlösen?

Seit mehr als einem Jahrzehnt hat die Handwerkskammer spezialisierte Berater, die sich der Aufgabe stellen. „Es sind Dutzende, wenn nicht Hunderte Fragen zu beantworten. Es werden Partner benötigt, Finanzamt, Steuerberater, Banken usw.“, so Schumann.

Im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau ist die Situation ähnlich. „Mindestens 1.500 Unternehmer, die mit ihrem Unternehmen in der IHK Mitglied sind, planen, in den kommenden fünf Jahren aus Altersgründen ihren Betrieb zu übergeben“, informiert Antje Bauer, Geschäftsführerin für Starthilfe und Unternehmensförderung. Rein quantitativ stehen genug potenzielle Nachfolger bereit, aber fast jede dritte altersbedingte Nachfolgersuche in der Region scheitert.

Sowohl für übergabewillige Unternehmer als auch für potenzielle Nachfolger bietet die IHK eine umfangreiche und kostenfreie Beratung an und vermittelt Kontakte zu Beratern, die weitergehende betriebswirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Sachverhalte der Nachfolgeregelung klären können.

Nachfolgend drei Beispiele zur Unternehmensnachfolge aus der Region Köthen:


Guten Mut(hes) geht es weiter

Aken. Lutz Muth (64) gibt zum Ende dieses Jahres seinen Edeka-Markt in Aken ab. Doch es geht weiter, denn die Nachfolge ist geregelt. Tina Schröter (33) übernimmt den Markt und das Personal. Auch das bewährte Edeka-Konzept behält die neue Betreiberin bei. Als selbstständige Einzelhändlerin setzt sie unter ihrem Namen weiterhin auf Einkaufskomfort und Ambiente auf 1.750 Quadratmetern Verkaufsfläche. 13.000 Artikel hält auch sie vor, darunter frisches Obst und Gemüse sowie natürlich Produkte aus der Region. Sogar Lotto kann bald wieder gespielt werden.

Der Firmenübergang verläuft reibungslos. Die Kunden dürften fast nichts mitbekommen. Lediglich am großen Schild am Eingang dürfte es auffallen, wenn dort anstatt Edeka L. Muth künftig Edeka T. Schröter in riesigen Buchstaben steht. Die 31 Mitarbeiter*innen haben bereits die Verträge für den Übergang in das neue Unternehmen unterzeichnet. Die Zukunft ist also gesichert.

Dass Tina Schröter einmal in die Fußstapfen ihres bisherigen Chefs tritt, war eigentlich schon lange abzusehen. Vor fast acht Jahren, als sie bei Lutz Muth angefangen hat, sagte sie zu ihm: „Das, was Sie machen, möchte ich auch einmal tun.“ Jetzt erinnerte sich Lutz Muth an diesen Ausspruch und legte bei Edeka ein gutes Wort für sie ein.

Selbstverständlich konnte die gelernte Kauffrau im Einzelhandel und studierte Betriebswirtin ihre Qualifikation bereits unter Beweis stellen. Sie leitete den Dessauer Markt von Muth. Und als der Chef vor wenigen Jahren krankheitsbedingt extrem kürzertrat, managten seine Marktleiterinnen in Aken und Dessau die Geschäfte tadellos.

Lutz Muth wird seiner Nachfolgerin als Ratgeber auch in den ersten Wochen nach dem Wechsel zur Seite stehen. Immerhin kann er auf 24 Jahre Berufserfahrung allein bei Edeka verweisen. Er leitete E-Center in Bobbau, Magdeburg, Weißenfels und Köthen. 2006 bot sich über Edeka die Chance an, als selbstständiger Einzelhändler den Markt in Aken zu übernehmen. Wenn er Ende 2018 dem Berufsleben seinen Rücken kehrt, war er 4.444 Tage selbstständig, wie er stolz verkündet. Tina Schröter hat also ein solides Fundament für ihren Weg, wenngleich die Bürokratie heutzutage etwas umfangreicher geworden ist, als es sich einst bei Lutz Muth darstellte.


Etwas Wehmut zum Schluss

Köthen. Auch wenn Annegret Klotz sich ein Leben ohne Bücher kaum vorstellen kann, möchte sie als Buchhändlerin einen Schlussstrich ziehen. Ihre Buchhandlung am Markt (eigentlich am Holzmarkt) in Köthen gibt sie zum 18. Januar 2019 auf - nach immerhin 24 Jahren.

Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht. Das schmerzt die 64-Jährige, die schon im Buchhandel lernte und hier ihren Traum umsetzen konnte. Ihre Familie stärkte ihr stets den Rücken. Im Laufe der Jahre eröffnete sie sogar in Aken noch ein zweites Geschäft, das sie lange offen hielt.

Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen, sich gänzlich aus dem Berufsleben zu verabschieden. Sie möchte mit ihrem Mann künftig verstärkt auf Reisen gehen. Beide lieben es, mit dem Wohnwagen die Welt zu erkunden.

Ihr Geschäft wird dann nach Stand der Dinge Geschichte sein. Zwar kommen immer mal wieder Interessenten für die Buchhandlung vorbei, aber den richtigen Ehrgeiz versprühte keiner von ihnen. Dabei würde Annegret Klotz anfangs mit Rat und Tat mithelfen, das Geschäft am Leben zu erhalten.

Schlecht läuft es auch nicht. Ein reges Kommen und Gehen herrscht im Laden. Ein Schwätzchen muss ebenso sein, wie die gefragte Meinung der Buchhändlerin zu diesem oder jenem Werk.

Als Sortimentsbuchhandlung werden hier alle Bereiche bedient. Selbst christliche Bücher und Devotionalien, also christliche Geschenke hält sie bereit. Nicht zu vergessen die regionale Literatur, zu deren Autoren auch Inhaberin Annegret Klotz mit zwei eigenen Bildbänden über Köthen zählt.

Nach dem Weihnachtsgeschäft geht es an den Ausverkauf. Die Genehmigung, ihren Buchbestand niedriger als die festgesetzte Preisbindung zu veräußern, liegt vor - wenn sich nicht überraschend noch ein Nachfolger findet, der alle Bücher und vielleicht auch das Inventar übernehmen möchte. So traurig sich das Ende aber anhören mag, Annegret Klotz lebte ihren Traum und bereut es nicht.


Von Generation zu Generation

Köthen. Wechselt der Inhaber, erwarten die Kunden vom Unternehmen nach wie vor die bewährten Leistungen und den Service. Gerade bei familiengeführten Betrieben steht der Name für Qualität. Beim Toyota Autohaus Kretzschmar in Köthen weiß der Chef das nur zu genau. Bereits in dritter Generation führt Tom Kretzschmar (rechts) das Autohaus, das sein inzwischen verstorbener Opa Klaus vor gut einem viertel Jahrhundert gründete. Schon damals glänzte das gesamte Team des Unternehmens mit immer wieder ausgezeichneten Leistungen im Kundendienst und in der Werkstatt.

Auch Uwe Kretzschmar (56, links), der seinen Vater und Unternehmensgründer 2004 nach 12 Jahren ablöste, hielt die Fahne hoch und bescherte dem Haus eine Wertschätzung nach der anderen. Heute sitzt der 33-jährige Tom hinterm Firmenlenkrad und gibt die Richtung vor. Er orientiert sich an seinen Vorgängern und scheint ebenfalls alles richtig zu machen.

Auf seine Mannschaft kann er sich verlassen, meint er und freut sich, wenn die gesamte Belegschaft an einem Strang zieht. So konnte das Team der Kfz-Werkstatt erst jüngst wieder bei einem Werkstatttest punkten. Der TÜV Rheinland schickte im Auftrag von Toyota ein manipuliertes Fahrzeug zur Kontrolle. 99,5 Prozent erreichten die Köthener, die sich riesig über den Erfolg freuen. Zwar ist die entsprechende Urkunde noch auf dem Weg ins Autohaus, doch die mündliche Bestätigung liegt schon vor.

Wird ein Unternehmen innerhalb der familiären Generationen „weitergereicht“, so ist allein der Name nicht unbedingt ein Qualitätsgarant.

Im Fall der Kretzschmars haben die Firmenchefs alle eine solide Ausbildung genossen. Tom lernte Kfz-Mechaniker in einem anderen Autohaus und studierte an der Berufsakademie in sächsischen Glauchau Diplom-Wirtschaftsingenieur. In seinem Büro hängt sogar eine Urkunde als geprüfter Automobilverkäufer an der Wand. Die Qualifikation für den Chefsessel liegt also allemal vor, auch wenn sein Werdegang stark durch die Familie geprägt worden ist.

Die vierte Generation bei den Kretschmars wächst übrigens schon heran. Allerdings zeigen Lennox (11) und Letty (2) verständlicherweise noch keinerlei Ambitionen, einmal ein Autohaus zu führen.

 

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