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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 15.11.2017 um 08:03:38

Weltfrühgeborenentag im Dessauer Klinikum: So winzig und zerbrechlich

Eins von zehn Neugeborenen ist hierzulande ein Frühchen. Damit sind Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands. Eins von zehn Neugeborenen ist hierzulande ein Frühchen. Damit sind Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands.
Foto: SKD
In Dessau werden Früchen ab einem Geburtsgewicht von 1.200 Gramm versorgt.

Dessau (red). „Mehr als die Hälfte aller Frühgeburten zeichnet sich ab. Somit können sich die Mütter und die Geburtsklinik darauf vorbereiten und alle medizinischen Versorgungsmöglichkeiten für das Kind planen“, bestätigt Isabel Hintersdorf. Die Leitende Oberärztin begleitet auf der Kinderintensivstation des Städtischen Klinikums Dessau jährlich über 100 zu früh geborene Kinder. „Wir betreuen im sogenannten Perinatalzentrum Level II Frühgeborene, die ab der 29. Schwangerschaftswoche und mit einem Gewicht ab 1.200 Gramm zur Welt kommen. Für diese Frühchen bieten wir eine Rundumversorgung auf der Intensivstation, die in direkter Nähe zum stationären Bereich der Mütter liegt. Dadurch sind die Mütter und natürlich auch die Väter von Anfang bei der Versorgung der zu früh gestarteten Kinder dabei.“

Für die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Neonatologin Isabel Hintersdorf ist das ein wichtiger Aspekt, denn bei aller Vorbereitung auf eine Frühgeburt ist die Verunsicherung der Familie mit dem oftmals sehr winzigen und zerbrechlich wirkenden Nachwuchs groß.

Häufig benötigen die Allerkleinsten zunächst Atemhilfe. Der Kreislauf muss stabilisiert und eine komplexe Ernährungstherapie gestartet werden. „Für die Eltern ist es beruhigend zu wissen, dass hier alles vor Ort ist. Die komplette Ultraschalldiagnostik und Kinderradiologie stehen bereit. Bei Bedarf können Gastroenterologen hinzugezogen werden“, berichtet Isabel Hintersdorf. Seit 2005 gehört sie zum Ärzteteam der Dessauer Kinderklinik. Ihr Medizinstudium absolvierte die gebürtige Wittenbergerin in Berlin und qualifizierte sich weiter auf die spezielle pädiatrische Intensivmedizin.

Die medizinische Betreuung von Frühgeborenen verlangt den Ärzten neben Fachwissen und Erfahrung vor allem eine enorme Verantwortung ab. „Wer in diesem Bereich arbeitet, kümmert sich um die gesundheitliche Zukunft von Menschen, die ihre gesamte Lebenserwartung von über 80 Jahren vor sich haben. Dessen ist sich jeder von uns stets bewusst“, sagt Dr. med. Uwe Mathony. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin bildet regelmäßig junge Mediziner zu Neonatologen aus.
Im Perinatalzentrum Level II des Dessauer Klinikums werden zudem auch jene Frühchen betreut, die in den Geburtsabteilungen der Krankenhäuser in Köthen und Zerbst das Licht der Welt erblicken. Die Versorgung wird über einen Kooperationsvertrag zwischen den Kliniken ermöglicht.

Früh dran - besondere Versorgungsansprüche

Bundesweit werden rund 60.000 Kinder weit vor dem errechneten Termin geboren. Alljährlich ist der 17. November den Frühgeborenen gewidmet und rückt die Allerkleinsten mit ihren speziellen Bedürfnissen weltweit in den Blickpunkt. Diese Aufmerksamkeit ist nötig, da Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe in Deutschland sind.
Nach Auffassung des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V. werden Frühgeborene mit ihren Problemen und Risiken für ihre weitere Entwicklung aber noch immer unzureichend beachtet.

Weltfrühgeborenentag

„Wir unterstützen deshalb die Aktion und beteiligen uns auch in diesem Jahr am Weltfrühgeborenentag“, informiert Dr. Mathony. Gemeinsam mit dem spezialisierten Team von Ärzten und Pflegepersonal der Kinderintensivstation lädt der Chefarzt zu einem Informationsnachmittag ein.

Am 17. November, um 15 Uhr sind Interessierte, Eltern und Angehörige in das Foyer des Klinikums eingeladen. Im Halb-Stunden-Takt finden Führungen durch den Kreißsaal, den Mutter-Kind-Bereich und die Entbindungsstation statt.
Es werden alle Fragen rund um die Versorgung von „Frühchen“ beantwortet. Dazu ge­­hören Informationen zum Stellenwert der Muttermilch ebenso wie das Pflegenachsorgeprogramm und das Hygieneverhalten auf der Kinderintensivstation. Letzteres ist besonders wichtig, denn Frühgeborene sind Patienten mit einem schwachen bzw. noch unausgereiften Immunsystem. Ihre Anfälligkeit für Infektionskrankheiten jeder Art ist hoch. Umso mehr müssen alle Beteiligten auf die Desinfektion der Hände beim Betreten und Verlassen der Station und auf das Tragen von Schutzkitteln und Handschuhen beim Windelwechsel achten.

 

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