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Supersonntag > Halle (Saale) > Kolumne > Michal Sedlacek gibt mit „Inferno“ sein abendfüllendes, choreografisches Debüt >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 06.09.2018 um 15:10:30

Michal Sedlacek gibt mit „Inferno“ sein abendfüllendes, choreografisches Debüt

Pietro Chiappara und Johan Plaitano tanzen in Pietro Chiappara und Johan Plaitano tanzen in "Inferno" eine Doppel-Solo-Partie.
Foto: Anna Kolata
Halle (S. Christmann). „Jeder trägt sein Leben lang etwas mit sich herum!“ weiß Michal Sedlacek. In seiner Heimat Tschechien spreche man vom (geheimen) „dreizehnten Zimmer“, das man möglichst nie öffne, weil hierin Abgründiges, geheime Sehnsüchte, Verluste und Schuldgefühle verborgen werden.

Von solchen Seelenqualen ließ sich der erste Solist und Assistent von Ballettdirektor Ralf Rossa (seit 13 Jahren!) leiten bei seiner Choreografie zur Uraufführung von „Inferno“ am kommenden Freitag (6. April) in der Oper. In einer „Kostprobe“ konnte sich das sehr zahlreich erschienene Publikum am Dienstagabend anschauen, wie er sein erstes, abendfüllendes Choreografie-Debüt, das in diesem Ballett-Doppelabend in Beziehung gesetzt wird zu „Le sacre du printemps“ („Das Frühlingsopfer“ von Igor Strawinsky), angegangen ist. Dem Auftragswerk „Inferno“ (für den spanischen Komponisten Enric Polmar) liegt Dantes „Göttliche Komödie“ zugrunde. Aber selbst wer sich nicht bis ins Einzelne mit dieser beschäftigt habe, hätte etwas von diesem Ballett-Abend, meint Sedlacek, denn man könne wunderbare Musik genießen und ebenso wunderbare Tänzern zusehen.

Auch wenn es am Dienstag wirklich „nur“ eine Kostprobe gab: Sedlaceks Choreografien ist im besten Sinne anzusehen, welchen Lehrmeister er all die Jahre über hatte. Er setzt auf die polyrhythmische Musik nicht noch einen drauf mit übergroßen raumgreifenden Gesten, sondern lässt sich die Tänzerinnen und Tänzer lieber fein ziseliert bewegen. Was genauso schweißtreibend ist – körperlich wird der Company für diesen Doppel-Abend alles abverlangt, wie Sedlacek betont.

Langjährige hallesche Ballett-Fans werden sich erinnern, dass Ralf Rossa „Le sacre du printemps“ vor zwölf Jahren als Uraufführung auf Halles Opern-Bühne gebracht hatte. Als zweiter Teil des aktuellen Ballett-Abends stellt es heute eine Weiterentwicklung dieser Uraufführung dar. Strawinskys Ballett-Musik besticht bekanntlich nicht durch zarte Melodiebögen und auch die stilbildende Choreografie des Jahrhunderttänzers Vaslav Nijinsky hat 1913 die Ballett-Welt derart gespalten, dass sich das Publikum gar geprügelt hat, wenn enthusiastisch zustimmende und vollkommen ablehnende Meinungen aufeinandertrafen. Genug Grundlage also, dem Ballett-Abend am Freitag in Halles Oper mit allergrößter Spannung entgegenfiebern zu können.

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