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Supersonntag > Halle (Saale) > Kolumne > Öffentliche Debatte "Welche Oper braucht Halle?": Reißt endlich die hässlichen Einbauten aus dem Operncafè wieder raus! >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 15.05.2017 um 20:08:35

Öffentliche Debatte "Welche Oper braucht Halle?": Reißt endlich die hässlichen Einbauten aus dem Operncafè wieder raus!

Der Kritik der Opernbesucher stellten sich: Intendant Florian Lutz, Veit Güssow und Michael zur Mühlen. Moderator war Reinhard Bärenz, Leiter Hauptredaktion Kultur beim MDR. Als Gäste auf dem Podium: Professorin Sara Burkhardt von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und Hasko Weber, Intendant des Nationaltheaters Weimar. Der Kritik der Opernbesucher stellten sich: Intendant Florian Lutz, Veit Güssow und Michael zur Mühlen. Moderator war Reinhard Bärenz, Leiter Hauptredaktion Kultur beim MDR. Als Gäste auf dem Podium: Professorin Sara Burkhardt von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und Hasko Weber, Intendant des Nationaltheaters Weimar.
Foto: S. Christmann
Halle (sc). Als „vernichtendes Urteil" habe er, Halles neuer Opern-Intendant Florian Lutz, die Ablehnung der unter seiner Verantwortung vorgenommenen Einbauten im vor noch nicht mal so langer Zeit teuer sanierten Operncafè wahrgenommen.
Er zeigte mit dieser Äußerung in der von ihm angeregten öffentlichen Debatte mit Po-diumsdiskussion am Sonntagabend unter dem Motto „‚Welche Oper braucht Halle?", dass er dieses quer durch alle Reihen gehende Missfallen an sich herangelassen und angenommen hat.

Auch wenn er das am Sonntagabend nicht offen gesagt hat, darf man aber berechtigt hoffen, dass diese wirklich selten hässlichen Einbauten Lutz erste Saison als Intendant an Halles Oper nicht überdauern werden. Mit anderen Kritikpunkten sah das freilich anders aus. Den in den Medien kolportierten Zahlen mit dramatisch sinkenden Einnahmen (1,5 Millionen-Euro-Loch bzw. ein Minus von 44 Prozent und ein Minus von 40 Prozent bei den Zuschauerzahlen) begegnete er zu Beginn der Debatte so: Er könne nicht sagen, dass da der Wurm drin sei. Es sei unüblich, mitten in der laufenden Spielzeit eine Diskussion um die Zahlen, die nicht mit uns (also der Opern-Leitung) „abgestimmt" gewesen seien, aufzumachen. Die (vielen) Premieren seien so schlecht nicht besucht gewesen. Für ihn komme das von anderer Seite ausgemachte Minus vor allem daher: man zähle jetzt ehrlicher und rechne, wie in der Vergangenheit üblich, Matineen, Versteigerungen, Gastspiele und sonstige Rahmenveranstaltungen nicht mehr mit hinein. Wenn es ein Minus bei den Zuschauerzahlen gegeben habe, dann bei den klassischen Wiederaufnahmen wie „Carmen" oder „Casanova" - da hätte man teilweise vor 80 Zuschauern gespielt.

Auch wenn sie vom Podium ausdrücklich dazu aufgefordert wurden, wirklich Kritisches zu äußern, hatte es die Missfallens-Fraktion am Sonntagabend in der Oper nicht leicht. Denn die Lobeshymnen für den Mut der
neuen Opern-Leitung, ausgetretene Pfade zu verlassen, sich (endlich mal) etwas zu trauen, zu experimentieren, nahmen doch einen breiten Raum ein und man hatte streckenweise das Gefühl, die ernsthaft verärgerten Opern-Besucher hätten auch bei dieser öffentlichen Debatte mit den Füßen abgestimmt und seien gar nicht erst gekommen.

Einige trauten sich dann aber doch. Wie die Frau, die seit sieben Jahren als Kulturbotschafterin für die Oper unterwegs ist und in dieser Tätigkeit schlichtweg für den Kartenverkauf unter ihrer Klientel (Chor, Schwimmverein und Freundeskreis) sorgt. Im vergangenen Vierteljahr sei sie deutlich weniger Karten losgeworden. Die „schlechte Presse" über die Oper machte sie als Ursache aus und In-szenierungen, in denen die Experimente, für die man einem jungen Intendanten ja auch Raum geben müsse, einfach zu weit gegangen seien. Etwa, wenn in dem Projekt „Herzog Blaubarts Burg & Bremer Freiheit" Oper und Schauspiel in einen Topf ge-worfen worden seien. In einer Oper solle auch die Musik die Hauptrolle spielen, Schauspiel könne das neue theater tatsächlich besser. Als handwerklich schlecht be-zeichnete ein anderer die Inszenierung des „Fliegenden Holländers": die Musik von Wagner hätte wie ein Fremdkörper in der Inszenierung gewirkt, in der die Protagonisten „Räuberzivil" getragen hätten und man so nur schwer ausmachen konnte, wer welche Rolle innegehabt hätte. Mit „das schlechteste Stück, was ich je gesehen habe" und „Ich möchte mein Geld zurück" attributierte er die Inszenierung „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny": handwerklich schlecht gemacht hätten die Darsteller es zersungen.

Vorgekommen wie ein Kasper sei sich ein Soziologe, als er genau wie viele andere Zuschauer (inklusive der Hochbetagten über 80) in einen Schutzanzug steigen sollte. Und ein Psychologe sagte dazu: damit sei eine Grenze überschritten worden. Man müsste als Zu-schauer zumindest die Wahl haben, ob man in einen solchen Anzug steigen möchte oder nicht, dürfe nicht dazu gezwungen werden, sollte wenigstens vorher eine Ahnung davon bekommen, was einen erwarte.

Allgemein stieß sich die Kritikerfraktion an mit aktuellen Themen und Inszenierungsmitteln überfrachteten Aufführungen, einem Mangel an Textverständlichkeit und daran, dass man bei einer Produktion über ein Viertel der Aufführungszeit nur ein Video zu sehen bekam. Mehr Respekt vor der Musik forderte deshalb ein Zuschauer ein. Eine andere Zuschauerin wusste zu berichten, dass viele Sänger unglücklich seien, wenn sie etwa eingewickelt in Frischhaltefolie singen müssten oder unter einer starren Maske, unter der sie kaum Luft bekämen.

Interessanterweise kommt mit „Spring awakening" ausgerechnet ein sehr erfolgreiches Stück für Jugendliche (von jugendlichen Laien-Darstellern gemacht) ohne jegliche zusätzliche inszenatorische Einfälle aus. Es „genügen" hier offensichtlich die Stärke des Themas, die darstellerische und sängerische Kraft der Beteiligten, die technischen Möglichkeiten der Drehbühne und nicht zuletzt ein spar-, aber wirksames Licht- und Tonkonzept.

Es war schließlich ausgerechnet eine junge Frau (Studentin der Theaterwissenschaften in Leipzig), die die Aussage der Opern-Leitung bezweifelte, dass jetzt tatsächlich so sehr viel mehr junge Leute in Halles Oper gingen. Denn: nicht nur sie selbst sei durch die „Mahagonny"-Produktion davon abgeschreckt worden: „Das Stück hat für mich keine Lust auf Oper gemacht." Außerdem sehe sie den Zu-gang zur Oper für junge Leute dadurch erschwert, dass Plakate und Texte durch verfremdete Buchstabenanordnung und wenig bis gar keine Bilder kaum einladend wirken würden. Florian Lutz‘ Antwort konnte sie nicht wirklich befriedigen: Die Plakate etc. seien weniger Werbung als vielmehr Imagekampagne. Werbung und Marketing lägen derzeit wirklich mehr oder weniger brach.

Als Fazit kann man nur inständig hoffen, dass die Zuschauer- und Einnahmeneinbrüche am Ende der Saison nicht wirklich so wie von einigen befürchtet ausfallen werden. Denn beim Geld - das haben die Einsparforderungen und die Proteste dagegen in den vergangenen Jahren eindrücklich gezeigt - hört für die Geldgeber vor allem beim Land der Spaß auf. Weshalb die junge Opern-Leitung bei aller Experimentierlust jenes Besucherklientel (wieder) ernst nehmen sollte, das vorrangig dafür in die Oper geht und dafür bezahlt, dass es zuallererst gute Opernmusik live geboten bekommt. Und dass sich  hinterher im zurückgebauten Operncafe bei einem Glas Wein darüber noch im ansprechenden Rahmen austauschen möchte.

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