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Supersonntag > Halle (Saale) > Kolumne > Neues von Halles Lästerschwestern: Deutschland, einig Bemmenland >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 25.09.2015 um 13:53:34

Neues von Halles Lästerschwestern: Deutschland, einig Bemmenland

Susi & Susi Susi & Susi
Foto: Hallesches Fotoatelier
Wir hatten viele begehrte Konsumartikel und kulinarische Köstlichkeiten nicht, damals im Osten, aber eines hatten wir doch: Bemmen. Und auch am Stoff zum Draufschmieren mangelte es nicht. Also Butterbemmen. Es liegt daher durchaus im Bereich des Möglichen, dass hinter dem 1999 von der Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) ausgerufenen Tag des Butterbrotes (25. September) ein Bemmenliebhaber aus hiesigen Breiten steckt. Unvergessen auch der „Bemmenkoffer" (billiger Alu-Aktenkoffer), mit dem ganze Heerscharen von Werktätigen vor 1990 tagtäglich ihre selbst oder vom Ehepartner geschmierten Pausenbemmen morgens durchs Werktor trugen. Echte Betriebsakten wagte sich eh kein Mensch darin mit nach Hause zu nehmen, wenn er denn überhaupt zu dem auserlesenen Dunstkreis gehörte, dem selbige einzusehen gestattet war. Ansonsten dürften die Bemmen heutzutage das sein, was tatsächlich alle Deutschen miteinander verbindet. Da lassen wir uns doch gerne von der restlichen Welt als Brotzeitweltmeister feiern. Zumal wir damit gleich noch den ultimativen Liebestest in der Hand haben. Wer mir eine Bemme schmiert - für die Mittagspause oder eine Bahnfahrt - der macht das als Zeichen der Liebe. Ja doch, Ihr Mütter mit Kindern im schulpflichtigen Alter, wir kennen ja das Dilemma. Für Eure mit großer Liebe zurechtgemachten Pausenbrote kriegt Ihr in der Regel nicht im Mindesten das Maß an Liebe zurück, das Ihr dafür verdient hättet. Im schlimmsten Falle müsst Ihr die vergammelten Bemmen Jahre später aus der hintersten Kinderzimmer-Ritze hervorholen. Wir versprechen Euch: das ändert sich wieder. Aber erst, wenn die lieben Kleinen erwachsen geworden sind. Dann wollen sie mit dem Butterbrot-Essen nicht nur Kindheitserinnerungen wecken, sondern mit Edel-Stullen auf Partys und bei Abenden mit Freunden dem neuesten Hype frönen. Nur die Bemmenkoffer, die sind mit der DDR wirklich gänzlich untergegangen. Denn heute trägt alle Welt Rucksack. Susi & Susi

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