Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die letzten drei Ausgaben

E-Paper Archiv E-Paper Archiv E-Paper Archiv

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden,


zur Zeit finden Wartungsarbeiten an unserer Online-Anzeigenannahme statt.

Bitte schicken Sie uns Ihre Anzeige per E-Mail oder Fax oder rufen Sie bei uns an.

E-Mail: info@wochenspiegel-halle.de
Fax: (0345) 130 10 61
Telefon: (0345) 130 10 0
Supersonntag > Halle (Saale) > Kolumne > Neues von Halles Lästerschwestern: Salz in der Namenssuppe >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 26.09.2014 um 20:49:52

Neues von Halles Lästerschwestern: Salz in der Namenssuppe

Susi & Susi Susi & Susi
Foto: Hallesches Fotoatelier
Warum werden Menschen Wissenschaftler? Weil sie kluge Köpfe sind und mit üblicher Arbeit berufsmäßig unterfordert wären? Weil die Menschheit Leute braucht, die Dinge herausfinden können, auf die der normalbegabte Rest nicht kommt? Möglich, aber wenn wir uns den Sprachforscher Jürgen Udolph aus Leipzig anschauen, haben wir noch einen anderen Grund in Verdacht. So manchem Wissenschaftler macht es wohl auch Spaß, den lieben Mitmenschen ein bissel eins auszuwischen. So hat der emeritierte Professor aus Leipzig uns Hallensern nämlich jetzt unsere schöne Legende, woher unser Stadtname stammt, demoliert. Nicht auf ein altes keltisches (oder wenigstens germanisches) Wort für Salz soll er zurückzuführen sein, sondern darauf, dass es ein Gefälle - eine Halde also - zwischen der Saale und den ersten Ansiedlungen am Alten Markt gibt. Halde an der Saale - na prima! Würde uns nicht wundern, wenn jetzt jemand daherkäme und forderte, unsere Halloren müssten sich doch nun in Haldenbrüder umbenennen. Zugegeben, die Halden-These klingt schon schlüssig. Aber zweifelsfrei belegen kann Udolph sie natürlich auch nicht. Belegt ist nur die auf das Jahr 806 datierte erste schriftliche Erwähnung eines karolingischen Kastells „bei einem Ort, der Halle genannt wird". 961 spricht eine Urkunde von salzigen Gewässern und einer Salzquelle. Könnte gut sein, dass die 806 (und davor) auch schon da waren und den Grund für die Namensgebung lieferten. Aber wir wollen mal fair sein und bieten hiermit folgenden Kompromiss an. Wir haben ein Gefälle, also eine Halde. Und wir haben viel Salz. Das wir nun zu was aufschütten können? Richtig, zu einer großen Salzhalde. Diese Konstellation gefiel Kelten wie Haldenentdeckern damals gleichermaßen. Deshalb wurden sie nach gemeinsam durchzechter Nacht an der Saale sesshaft und freuten sich, mit Halle an der Saale einen Namen für ihren gemeinsamen Ort gefunden zu haben, in dem sich beide zugleich wiederfanden. Und 1524 konnten sich die Salzwirker mit ihrer Brüderschaft dann wunderbar passend den Kurz-Namen Halloren geben. Susi & Susi

Leserkommentare:


Jürgen Udolph, Leipzig/Göttingen:
"Liebe Lästerschwestern, herzliche Einladung an Sie: Vortrag von mir am 6. Nov., 19.30, in der Stadtbibliothek in Halle. Zwar werden Familiennamen im Zentrum stehen, aber ich denke, dass ich doch auch auf den Ortsnamen eingehen werde. Diesen Kommentar müssen Sie nicht veröffentlichen, es sei denn, Sie möchte Ihre Leser auch auf den Vortrag aufmerksam machen."

eine Lästerschwester:
"Das wäre ja auch zu schön, um wahr zu sein - wenn Sie einen zweifelsfreien Beleg für Ihre These hätten, also etwas Schriftliches oder irgendetwas, was dem nahekommt. Sie deuten, Sie deuten gut und schlüssig, aber Sie deuten halt, wie das Projekt, auf dem Sie sich in Ihren Halle-an-der-Saale-Forschungen berufen, ja auch besagt. Und deshalb schwört die gemeine Hallenserin der Salz-Namen-Legende (noch?) nicht ab und bewahrt sich den "Rest" der mit Deutung nun mal verbundenen Ungewissheit."

Jürgen Udolph, Leipzig/Göttingen:
"Liebe Lästerschwester, wenn Sie meine Radiosendungen kennen würden, wüssten Sie, dass ich durchaus für Humor und Ironie zu haben bin. Aber nicht ironisch gemeint in Ihrer Kolumne sind Sätze wie: "die Halden-These klingt schon schlüssig. Aber zweifelsfrei belegen kann Udolph sie natürlich auch nicht". Das ist keine Ironie und auch nicht scherzhaft gemeint. Ich habe nur eine einzige Bitte und die ist sicher erfüllbar: mein Buch lesen - danach bin ich sofort für Ironie, Witz, Scherz und ihre tiefere Bedeutung zu haben. Versprochen!"

Eine der Lästerschwestern:
"Verehrtester Herr Udolph! Auch wenn wir jetzt vielleicht den ganzen Spaß zerstören, möchten wir an dieser Stelle doch noch mal drauf hinweisen, dass unsere Kolumne 1. KEIN wissenschaftlicher Aufsatz ist und 2. vor allem von Ironie lebt. Wenn ausgerechnet Sie sie jetzt so bierernst nehmen - dann fangen wir wirklich ernsthaft an zu zweifeln an der Spaßaufnahmefähigkeit von (Sprach)Wissenschaftlern. Ganz ernsthaft und ohne Ironie entgegen wir Ihnen aber trotzdem noch dies hier auf Ihren Kommentar: Nur weil es in Halle in Westfalen, Halle bei Bodenwerder, Halle bei Brüssel, Halle bei Antwerpen und Co "absolut kein Salz gibt", der Name Halle also woanders herkommen muss, muss das ja für Halle an der Saale nicht zwingend auch gelten. Wissenschaftlich hieb- und stichfest finden wir Ihren analogen Schluss jedenfalls nicht. Auch wenn er der (urdeutschen) Vorliebe nach Einordnung in eine passende Schublade natürlich sehr entgegenkommt."

Jürgen Udolph, Leipzig/Göttingen:
"Liebe Lästerschwestern, es tut mir ja leid, wenn ich Illusionen zerstören muss, aaaber: es gibt nicht nur Halle an der Saale, sondern Halle in Westfalen, Halle bei Bodenwerder, Halle bei Brüssel, Halle bei Antwerpen und und und. Insgesamt fast 30 Orte, die auch Halle heißen. Die möchten auch ihren Namen erklärt haben! Und sie sind genau so wie Halle an der Saale zu erklären. Aber bei denen gibt es absolut kein Salz! Und was machen wir jetzt? Es gibt bei fast allen diesen Orten deutliche Hinweise darauf, dass die Siedlungen am Hang, an einer Böschung, an einer Schräge liegen. Wenn man den Blick auf diese Ortsnamen öffnet, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die Salz-Erklärung einfach nicht stimmen kann. Aber dennoch danke, dass Sie gelästert haben; ich mache das auch ganz gern."


Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Fundstück bei archäologischen Ausgrabungen auf der Mittelburg Wettin: frühmittelalterlicher Kalkbrennofen mit einem Durchmesser von 4,5 Metern Fundstück bei archäologischen Ausgrabungen auf der Mittelburg Wettin: frühmittelalterlicher Kalkbrennofen mit einem Durchmesser von 4,5 Metern Von Susanne Christmann ...
Anzeige
Sag Ja!
Erfolgreicher Abschluss von „Halle liest mit“ und Teilnahme Halles an der Leipziger Buchmesse: Schmökern auf der Unitreppe Erfolgreicher Abschluss von „Halle liest mit“ und Teilnahme Halles an der Leipziger Buchmesse: Schmökern auf der Unitreppe Leipzig/Halle (SMG). Mit Abschluss der Leipziger Buchmesse endet auch das 9. Lesefest „Halle liest mit" und die zehnte Präsentation der Stadt...
Anzeige
Heutige 1:4-Niederlage gegen Wehen Wiesbaden drängt den Halleschen FC in die Verfolgerrolle Heutige 1:4-Niederlage gegen Wehen Wiesbaden drängt den Halleschen FC in die Verfolgerrolle Von Susanne Christmann ...
Anzeige
Trauerportal