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Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 17.06.2019 um 18:11:12

"Lovely shoes and Halleluja" - Der Händel-Festspiel-Blog 2019

Montag, 17. Juni
Vanessa hat sich am Samstagnachmittag noch die Neuproduktion der „Alcina“-Oper in Bad Lauchstädt angesehen. „Wonderfull“ sei es gewesen, funkt sie noch zurück, ehe sie sich am Sonntagmorgen per Zug nach Halle in Westfalen aufmacht. „Wonderfull“ finde ich das Konzert „Almiras Songbook“ im Löwengebäude am Sonntagvormittaag. „Seconda Pratica“ und die Solisten haben die Lieder und Arien soooo schön gesungen – keine Platte, kein mp3-Stream, keine TV-Übertragung kann solche  Live-Erlebnisse auch nur annähernd wiedergeben. Ein würdiger Abschluss der Festspiele für mich. Ich weiß, dass die Truppe um Händel-Chef Clemens Birnbaum längst an den Programmen für die nächsten Jahre arbeitet. Beruhigend zu wissen, dass die Festspiele so weitergehen können wie bisher.  


Sonntag, 16. Juni
Ich bin mit Vanessa zum Abschiedstreff verabredet. Wo? Natürlich beim Rossini auf dem Markt zu …. Spaghetti-Eis. Zu richtigem Spaghetti-Eis! Ohne Mühe verdrückt Vanessa zwei Portionen. Und erwägt ernsthaft eine dritte. Ihr Traum? Eine eigene Spaghetti-Eisdiele daheim in Melbourne. Sie sagt, es leben viele gebürtige Italiener in Melbourne. Aber keiner sei bisher auf die Idee gekommen, Spaghetti-Eis auch hier anzubieten. Warum wohl so etwas nur in Deutschland funktioniert? Siehe Döner… Wir konstatieren, dass wir die Zeit für einen Besuch des Saline-Museums nicht gefunden haben. Aber fürs nächste Jahr haben wir ihn schon fest auf unser persönliches Festprogramm gesetzt. Wir machen ein letztes Selfie und ich staune wieder, wie gut das mit Vanessa geht. Sie hat ziemlich lange Arme. Wie ein Affe, sagt sie lakonisch. Ihre Spannweite ist noch ein bisschen beeindruckender.    

Am Abend Cross-Over mit Joe Lynn Turner. Der alte Knabe bringt’s tatsächlich noch. Singt rockig-melodiös in den höchsten Tönen wie eh und je. Dazu seine „Matte“! Pechschwarz und dicht wie in jungen Jahren. Es wird die Überlegung angestellt, ob er Perücke trägt. Wenn man sich die Bilder aus seinen jungen Jahren ansieht, kann man aber auch annehmen, dass die dichte Haarpracht tatsächlich noch echt sein kann. Bloß das Pechschwarz ist wohl wie bei  Alt-Kanzler Schröder: überhaupt und ganz und gar nicht extra für den Auftritt  in Halle frisch gefärbt. Und auf Volumen gefönt!  


Samstag, 15. Juni
Am Freitagabend dann das dramatische Oratorium „Susanna“ in der Händel-Halle. Schon komisch, wenn man über mehrere Stunden hinweg immer seinen Namen gesungen hört („Susanna“, also mit a hinten, rief meine Mutter mich, als ich Kind war, immer dann, wenn etwas für mich Unangenehmes auf mich zukam). Für diese Aufführung mit dem Kammerorchester Basel und dem MDR-Rundfunkchor brauchte man schon ziemliches Sitzefleisch. Viereinhalb  Stunden inklusive zweier Pausen. Beim ersten Teil kippte ein älterer Herr im Publikum gleich mal um – ihm wurde sofort von zwei Ärzten im Saal geholfen. Von Sandra, der meist (über)kritischen, australischen Händel-Spezialistin wurde Mary Bevan, die die Susanne sang, mit viel Vorschusslorbeeren bedacht. Sandra hatte sie schon in Göttingen einmal gehört und gesehen. Mir hat sie dann nicht so gut gefallen. In den langsamen, getragenen Teilen (und davon gibt es aufgrund der biblischen Geschichte, die dahinter steht, sehr viele) habe ich nicht viel Raumgreifendes von ihr gehört. Als sie dann aber dramatisch aufzutrumpfen hatte, kam sie auch für mich voll herüber. Zu Vanessas und auch meiner Freude kriegte der australische Bassbariton Derek Welton, der den zweiten Ältesten sang, sein Publikum sofort. Vanessa, die den ziemlich großen, kräftigen Sänger vor etwa zwei Jahren einmal interviewt hat, freute sich, dass sie ihn diesmal nach dem Konzert auch gut fotografieren konnte. Ein frei gebliebener Platz in der ersten Reihe machte es möglich. Sie beobachtete ihn sehr genau und meinte hinterher, dass er mit voller Leidenschaft dabei war, dass man sehen konnte, dass er Händels Musik liebt und dass er das gesamte Stück über die Noten mitlas.  „Our little Derek“ betitelte sie ihn später mir gegenüber und daraufhin entspann sich zwischen uns ein Gespräch über Ironie. Wer unbedingt zu dem „Susanna‘“-Abend noch erwähnt werden muss, ist der MDR-Rundfunk-Chor. Der klang phantastisch!

Freitag, 14. Juni
Die Erwartungen an die britische Sopranistin Carolyn Sampson, den Trompeter Neil Brough und das Ensemble „The King’s Consort“ in der Ulrichskirche am Donnerstagabend waren ziemlich hoch. Schließlich sollten hier Händels Heldinnen zu Gehör kommen. Deshalb vermisste dann auch ich zu Beginn des Konzerts ein wenig die angekündigte  Frauenpower. In den leisen, getragenen Partien erschien mir Sampsons Stimme nicht raumgreifend genug. Vanessa bewundert Carolyns „purple Dress“ (ins Violett gehende blaues Abendkleid). Im zweiten Konzertteil kam sie dann aber zur Geltung, die Frauenpower in Sampsons  Stimme – jetzt in einem raffiniert geschnittenem grün-glitzerndem Abendkleid. Wer ihr dabei fast die Show stahl, war Neil Brough an der irrsinnig schwer zu spielenden Barocktrompete. Kein Wunder, dass er  eine Professur für Naturtrompete am Royal College of Music in London inne hat. Nach dem Konzert beim Drink im Don Camillo in der Sternstraße versucht sich ein Straßenmusiker u. a. an Rolling-Stones-Songs. Ziemlich schief. Vanessa singt mit und das klingt verdammt viel besser. Vielleicht sollte sie sich auch mal auf eine Bühne stellen…    
 
Donnerstag, 13. Juni

Vanessa hat aus Berlin ein Spaghetti-Eis-Foto geschickt. Betont aber, dass es ü-b-e-r-h-a-u-p-t nicht an das Spaghetti-Eis in Halle heranreicht. Dass sie das nicht nur aus Höflichkeit sagt, erfahre ich später. Als sie wieder in Halle ist, erzählt sie, dass der Anblick zwar sehr schön und lecker aussehe, aber das spaghettiartige nur an der Oberfläche ist. Darunter:  stinknormales Vanilleeis. Das ist für sie ein Fake. In Halle ist das gesamte Eis spaghettiartig. Nur das ist für sie echt. Also verabreden wir uns für ein letztes Mal in diesem Jahr zum Spaghetti-Eis-Essen am Samstag im „Rossini“ auf dem Markt. Im Übrigen ist das mit dem Spaghetti-Eis in etwa so wie mit dem Döner. Es wurde für die Deutschen hier (wohl Ende der 1960-er Jahre) von gebürtigen Italienern erfunden und soll optisch an Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan erinnern.

Mittwoch, 12. Juni
Kleine Händel-Pause gestern. Liegengebliebene (andere) Arbeit musste schnellstens und endlich erledigt werden. Leichte Entzugserscheinungen. Händels Musik und die seiner Zeitgenossen hat auf mich jedenfalls (auch) eine beruhigende Wirkung. Denn im Juni ist – jedenfalls in Halle – immer dermaßen viel los, dass man nicht mehr weiß, welchem Ereignis man sich zuerst widmen soll. Wenn dann noch so etwas Großes wie der finale Bundesausscheid von „Jugend musiziert“ dazu kommt, läuft das hallsche Kulturfass fast über. Und Händel steht stoisch auf dem Markt und wacht über alles. Gerade bekommt er eine kalte Gewitter-Dusche. Was nach Händel kommt? Das einzigartige Lindenblütenfest der Franckeschen Stiftungenz. B.  (wird wegen seiner aufwändigen Vorbereitung nur aller zwei Jahre gefeiert), Fete de la Musique, Jahresausstellung der „Burg“-Studenten, viele, viele Vereinsfeste… Die Liste ließe sich noch und nöcher fortsetzen. Und so Mitte Juli beginnt sie dann, die Saure-Gurken-Zeit für Redakteure. Es gibt dann drei Wochen August, die fühlen sich an wie ein kultureller und auch sonstiger Dornröschenschlaf.               


Dienstag, 11. Juni
Während Vanessa auf ihrem nächsten Berlin-Trip ist (zu anderen Freunden und anderen Opern-Einladungen), gebe ich mich am Montag-Vormittag buchstäblich dem Wahnsinn hin. Ich finde das Konzertthema herrlich und die kanadische Sopranistin Karina Gauvin konnte nicht besser für dieses Thema gewählt werden. Dieser Koloratur-Vulkan ließ aber auch wirklich keinen Stein auf dem anderen – auch wenn das erschrockene Zurückweichen von Julien Chauvin, des musikalischen Leiters von Le Concert de la Loge, natürlich nur gespielt war. Das Ensemble konnte bei diesem Wahnsinn nach Noten mit Karina Gauvin mithalten. Die stehenden Ovationen am Ende des Konzerts in der Aula des Löwengebäudes galten also beiden – auch wenn die Gauvinsche Stimmgewalt manchen denn doch streckenweise zu schrill erschien. Mir nicht – ich mag solche Naturgewalten, auch weil sie dem immer noch hier und da gewünschten Klischee von den lieben, netten, hübsch aussehenden, zurückhaltenden, gegebenenfalls Streit schlichtenden, holden Weiblichkeiten ordentlich einen Strich durch die Rechnung machen. Weil Wut beziehungsweise „wahnsinnige“ Aktionen manchmal die einzig angemessenen Reaktionen auf eine bestimmte Situation darstellen. Und weil man so zu singen erstmal können muss! Demnächst wünsche ich mir ein „Madness“-Konzert mit einem ebenbürtigen Tenor!     

Am Abend dann die wunderbare Clara Ponty am Klavier mit „Handel in Mind“ in der Georgenkirche. Ihre leicht dahin perlenden Songs – besonders die Händel-Adaptionen – glichen einer Entspannungs-Meditation. Ihr exquisit ausgesuchtes Quartet – Nathanael Malnourey (Bass), Edouard Coquard (Drums) und Pierre Dourscout (Saxofon) tat das Übrige. Dank der Kooperation mit dem Festival „Women in Jazz“ konnte man Händel auf diese besondere Art und Weise erleben.                 


Montag, 10. Juni
Schon der Name der Mezzosopranistin klingt nach Händelscher Star-Sopranistinnen-Besetzung: Guiseppina Bridelli. Sie erschien am Sonntag in einem raffiniert-schlichtem, kirschroten  Kleid mit Wasserfallausschnitt (auf dem Rücken!) auf der Bühne des Freylinghausensaals in den Franckeschen Stiftungen und brachte neben Händel auch wunderbare Musik von Nicola Antonio Porpora mit, den viele Barockfans als Gesangslehrer von Farinelli, Caffarelli, Salimbeni oder Porporino kennen.  Ihr glockenklarer Sopran kletterte leichtläufig in die höchsten Lagen, klang aber auch in den tiefen Lagen satt. Ob melancholisch leise oder mit Verve – die Bridelli koloraturte sich so unangestrengt ausschauend durch alle Stimmungen, dass es eine helle Freude war. Den Status als Geheimtipp in der barocken Gesangswelt hat sie wohl schon hinter sich gelassen. Dass der Saal nicht ganz voll besetzt war, lag augenscheinlich daran, dass an diesem Tag noch einmal die „Atalanta“-Inszenierung von Kobie van Rensburg im Carl-Maria-von-Weber-Theater in Bernburg angesetzt war. Da mussten, da wollten sie alle unbedingt hin. Es soll sich sehr gelohnt haben – man wurde unendlich bedauert, wenn man das nicht gesehen hatte. Wir, die wir die Bedauernswerten waren, gaben das Bedauern zurück: denn wer die Bridelli und das klasse Ensemble „Le Concert de L’Hostel Dieu“ nicht erleben konnte, war nach unserer Meinung mindestens genauso zu bedauern.

Dass die Pasticcio-Oper „Arbace“ am Sonntagabend in der Konzerthalle ebenfalls etwas ganz Besonderes sein musste, hatte ich an Vanessas professioneller Vorfreude darauf gemerkt. Dieses Stück wird sehr selten aufgeführt, auch wenn das Libretto vom wohl berühmtesten und meistvertonten Oper- und Oratorienlibrettisten des 18. Jahrhunderts – Pietro Metastasio (was für ein grandioser Nachname!) stammt. Händel hat das Libretto aber – das muss man der Ehrlichkeit halber anmerken - stark „gerupft“.  Er wusste, dass dem Publikum allzu lange Rezitative nicht zugemutet werden durften. Herausgekommen ist dabei ein Werk, dass nach ganz starken Solisten verlangt und einem Ensemble, dass diesen den richtigen (furiosen) Rahmen zu geben vermag. Ich kann an dieser Stelle nur meinen Facebook-Post kurz nach dem Konzert wiedergeben: „Raffaele Pe, Raffaela Milanesi, Angelo Giordano und Benedetta Mazzucato haben sich eben mit ihren jeweils ganz starken Auftritten in „Arbace“ in der Konzerthalle fast gegenseitig an die Wand gesungen. Mit Unterstützung der phantastischen „Auser Musici“ unter Carlo Ipata. Man hat mehr als eine Ahnung davon gekriegt, was Händel einst in Italien gesucht, gelernt und gefunden hatte.“  Während ich auch die beiden Damen herausragend fand, waren für Vanessa „nur“ die beiden Countertenors klasse.  

Sonntag, 9. Juni
Was für ein passender Ort für das Konzert „Händel und seine Königinnen“ mit dem Sächsischen Vocalensemble, der Batzdorfer Hofkapelle und den Solisten Johanna Knaut (Sopran), Dmitry Egorov (Altus), Tobias Hunger (Tenor) und Henryk Böhme (Bass) – musikalische Leitung Matthias Jung. Die „Serenata for the Birthday of Queen Anne“, das „Caroline Te Deum“ und der Ausschnitt aus dem Oratorium „Salomon“ klangen in der Moritzkirche einfach herrlich. Mich haben am meisten der Chor und der Altus beeindruckt. Kleiner Ich-weiß-noch-was-Fact: Bevor die schon genannte Queen Anne einst zu Händels Zeiten in London den Thron bestieg, beschloss das Parlament den „Act of Settlement“, der eine Thronfolge von Katholiken auf dem englischen Thron für alle Zeiten (und bis heute!) ausschloss (Gerhard Poppe im Programmheft). Halle ist ja seit Luther – wenn es überhaupt etwas mit Kirchen zu tun haben möchte – durch und durch protestantisch. Die Moritzkirche ist aber jenes Gotteshaus der Katholiken in Halle. Für die Musik war/ist das wurscht. Hauptsache, sie bekommt den großen Klangraum, den Kirchenbauten nun mal hergeben. Danach ging’s noch zu  „Händel nach acht“ auf den Markt. Dort haben die „Los Cuban Boys“ den Salsa-Tanz-Fans die richtige musikalische Grundlage gegeben. Man sah und staunte: a) gibt es in Halle erstaunlich viele, die sich dieser Tanzart verschrieben haben und b) können die das auch noch ziemlich gut. Stimmung herrschte jedenfalls ohne Ende und irgendwann hielt es kaum noch jemanden aus dem Publikum auf den Sitz.
Vanessa hatte einen Tag Händel-frei. Sie widmete sich dem Tennis-Ereignis French Open. Machte Sinn: denn bei den Damen siegte mit Ashleign Barty eine Landsmännin von ihr. Ich konnte mit dem – zugegeben vollkommen überraschenden – Sieg im Herren-Doppel durch Kevin Krawietz und Andreas Mies dagegenhalten.                  


Samstag, 8. Juni
Vanessa hat es gestern Abend tatsächlich noch pünktlich in die Händel-Halle geschafft. Sie sprach der Deutschen Bahn ein großes Dankeschön aus. Ich bin überrascht – nie hätte ich gedacht, dass ausgerechnet der Zug am baustellengeprägten halleschen Hauptbahnhof pünktlich ankommt.  Die nächste Überraschung steht dann auf der Bühne. Bernhard Forck, „unser“ Bernhard Forck, der viele Jahre lang unser Händelfestspielorchester geleitet hat, brilliert als Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin, die dem Festkonzert mit Valer Sabadus den entsprechenden musikalischen Rahmen gibt. Die dritte Überraschung folgt auf dem Fuße. Valer Sabadus beginnt recht verhalten an und steigert sich dann mit seinem glockenklaren, gefühligen und flexiblen Countertenor in immer schwindelerregendere Koloratur- und Vibrato-Höhen. Das Publikum in der Händelhalle ist dermaßen begeistert, dass sich Sabadus, der, als er fünf war,  mit seiner Familie aus Rumänien nach Deutschland kam, fast verdutzt für das „viele Geklatsche“ bedankt. Vanessa meint, dass Sabadus keiner der bekannten Weltstars wie Philippe Jarousski sei. Ich antworte wie aus der Pistole geschossen: „Noch nicht!“ Das wird mit diesem Konzert, in dem Sabadus  (von der Anzahl her) viel mehr Arien sang, als das gemein hin üblich ist (mit Counterstimme zu singen ist sehr, sehr anstrengend), sicher nicht mehr lange dauern, bis er auch in Australien in der allerhöchsten Countertenor-Liga angekommen sein bzw. anerkannt werden wird. Und was haben wir nach diesem unglaublichen Konzert gemacht? Dreimal darf man raten: beim Italiener auf dem Markt Spaghetti-Eis gegessen und Erdbeer-Milch-Shake getrunken. Vanessa hat mich mit ihrem Spaghetti-Eis-Fliez angesteckt. Zumal es ihrer Aussage nach nirgendwo so gut sein soll wie hier in Halle. Von mir im Auto zurück in ihr Hotel gebracht zu werden, lehnt sie ab. Sie wolle die Kalorien des Spaghetti-Eises ein wenig besser durch Zu-Fußlaufen verbrennen und der Abend sei auch so schön lau.                        


Freitag, 7. Juni
Die Absage des Festkonzertes mit Sandrine Piau am gestrigen Abend bescheerte mir einen Tag Händel-Konzert-frei. War leider auch notwendig, weil die Vorproduktion unserer Super-Sonntag-und WOCHENSPIEGEl-Ausgaben wegen der Pfingstfeiertage die Zeit bis in den späten Abend verschlang. Dafür können wir dann auch den freien Pfingstmontag gut genießen – ist ja alles bereits druckhausmäßig eingetütet. Heute Abend gibt es endlich ein reines Countertenor-Konzert: Valer Sabadus, dem eine Engelsstimme zugeschrieben wird, wartet sicherlich schon auf sein Publikum. Ich freu mich drauf!   Update: doch noch was Neues von Vanessa. Sie hat einen Abstecher nach Berlin gemacht und sitzt jetzt gerade im Zug zurück nach Halle. Der soll 18.52 ankommen. Dann heißt es sprinten, um 19.30 Uhr noch pünktlich in der Händel-Halle anzukommen. Sie nimmt es sportlich. Olympisch. Sie will ja in Tokio dabei sein.      


Donnerstag, 6. Juni
In alter Verbundenheit habe ich mich am gestrigen Abend in die Georgen-Kirche begeben, wo Halles Folk-Truppe in der Barock-Lounge  "Horch" unter dem Titel "Hallenser in London" mit einem Konzert aufwartete. Bandleader (sagt man das heute noch so?) Klaus Adolphi ist mir das erste Mal begegnet, als in der 9. Klasse auf die Penne kam. Er war da 12. Klasse und wurde bereits von allen wegen seiner beginnenden Folk-Aktivitäten angehimmelt. Wohl, weil er sich auch noch im FDJ-Hemd im Singeclub an die Front stellte, ließ man ihn relativ unbehelligt dieser Musikleidenschaft frönen - nicht selbstverständlich in diesen Zeiten (muss so um 1980/81 rum gewesen sein). Am gestrigen Abend gab er,der um jedes Stück eine kleine Geschichte spann, zu, dass der Konzerttitel schon ein weniggroßspurig gewählt war. Den Bezug zu Händel stellte er über jene Balladendichter her, die Händels Zeitgenossen waren und in einem Falle - Johann Andreas Eisenbart - war es nicht auszuschließen, dass sich beide über den Weg gelaufen sein könnten. Während das Publikum in der ersten Konzerthälfte - für "Horch"-Verhältnisse - noch recht zögerlich applaudierte, wurde es bei den HHH ("Horch"-Halle-Hits) "Schockschwerenot", "Tittenklapp" und "Volkskaffeehalle" dann doch noch richtig munter. Ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert "Horch" in diesem Jahr. Mit einem großen Konzert  im Steintor am 18. Oktober. Nichts wie hin kann man da nur sagen, denn die Bandmitglieder sind - neben dem Gesang - alle auch Tausendsassas auf vielerlei Instrumenten. Gestern Abend hat mich vor allem der Mann mit den Flötentönen begeistert (Andreas Fabian) vom Sockel gehauen.     

Mittwoch, 5. Juni 2019
Vanessas Zeit hier in Halle ist arbeitstechnisch ziemlich durchorganisiert. Als wir uns gestern Abend vor dem Eingang zur Konzerthalle Ulrichskirche zum Konzert mit der Sopranistin Anna Prohaska, dem  Bariton Fulvio Bettini und dem Ensemble „Il Suonar Parlante Orchestra“ unter der Leitung von Vittorio Ghielmi mit seiner Viiola da gamba treffen, sagt sie, das Tennis-Ass Roger Federer sein Match bei den French Open genau zum rechten Zeitpunkt gewonnen hat (sie hat das im Hotel-TV verfolgt). Die Zeit reichte genau aus, um pünktlich in der Konzerthalle zu sein. Sie muss, wie sie erklärte, immer im Bilde bleiben, denn seitdem sie einmal die Berichterstattung für die Australien Open übernommen hatte, war sie für ihre Auftraggeber ab sofort DER Brichterstattungsprofi für Tennis. Dazu gehören natürlich auch die Gerry-Weber-Open in Halle (Westfalen).

Das Konzert streamen die Kollegen von arte wieder live. Ich habe wieder einen Platz in der ersten Reihe und sitze kerzengerade. Vanessa sitzt genau hinter mir in der zweiten Reihe. Wir sind uns einig, dass der Bariton eine Wucht ist. Voluminös, aber auch unglaublich anrührend in den leisen Tönen (wenn jemand mal nach meinem Ableben eine Trauerfeier mit Musik abhalten sollte: da sollen bitte die klagenden Teile aus Händels Kantate „Apollo e Dafne: „La terra e liberata“ gesungen werden, möglichst von Fulvio Bettini). Und: er beherrscht die in seinem Stimmfach nicht einfach hinzukriegenden Koloraturen. Wenn schon ein Bariton als Cäsar in der Oper „Cäsar in Ägypten“, dann dieser, denke ich. Anna Prohaska beherrscht ihren Sopran perfekt. Sandra, Vanessas Kollegin aus Australien, findet sie ausgezeichnet. Das ist als allerhöchstes Lob zu werten, denn Sandra lobt ziemlich selten so eindeutig. Mit Vittorio Ghielmis Viola da Gamba-Konzert – komponiert von Johann Gottlieb Grauns - haben wir etwas ganz Seltenes erlebt. Denn für dieses Instrument geschriebene Werke gibt es nicht viele und außerdem ist Grauns Werk unglaublich schwer zu spielen. Ghielmis Auftritt ist also mit allerhöchstem Respekt zu bewerten.         

Dienstag, 4. Juni 2019
Vanessa hat mich im Vorfeld gefragt, ob ich die tschechische Sopranistin Hana Blazikova, die am Montagabend mit dem Ensemble Les Passions de I'Ame - Orchester für Alte Musik Bern ein Festkonzert im Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen gegeben hat, schon einmal gehört hätte. Ich verneine und Vanessa sagt, dass sie sie auch nicht kennt. Weil aber auf dem Programm Festkonzert stand, habe sie dort ein Bestellkreuzchen für das Ticket gemacht. Festkonzerte geben bei den Händel-Festspielen nur Solisten, die Rang und Namen haben. Ich muss lachen und sage, dass ich das genau so auch gemacht habe. Hana Blazikova lässt dann im Konzert ihren glasklaren, streckenweise leicht scharfen Sopran klingen. Bei einem Konzert, bei dem es um Gesänge rund um die Figur aus der antike Mythologie Ariade geht, muss es Lamenti (Klagegesänge) geben. Diese Tragik im Ausdruck liegt der dunkelhaarigen Schönheit aus Tschechien offensichtlich: sie klagt ausdauernd im Konzert und auch auf ihren Künstlerfotos guckt sie oft mit einem leicht verschleierten Melancholie-Blick. Für den kraftvollen Gegensatz sorgt das Ensemble unter seiner Leiterin Meret Lüthi. Die dirigiert ihre Mannschaft ohne Taktstock, dafür mit vollem Körpereinsatz und ihrer Ersten Violine. Dem Fernsehsender Arte war das diesmal ein Live-Mitschnitt wert.
Nach dem Konzert begrüßt mich Diana, jener Händelfan aus Australien, die ich in den vergangenen Jahren ins Halloren-Schokoladenmuseum begleitet habe. Dorthin wollte die promovierte Mikrobiologin auch aus wissenschaftlichem Interesse. Sie erzählt mir, dass in diesem Jahr Halle der Schlusspunkt einer Weltreise sei, die in Mexiko begonnen hatte. Vor kurzem hat sie einen runden Geburtstag gefeiert (ich nehme an,  70) und mit 83 Leuten in ihrem Haus gefeiert. Hier in Halle ist sie wie Sandra in einem Appartment neben der Händelhalle untergekommen. Und sie hat mich für den 17. Juni dorthin eingeladen. Sie will für mich und andere Gäste (etwas Einfaches, wie sie sagt) kochen. Darüber freue ich mich wirklich sehr.


Montag, 3. Juni 2019
Fein, beschwingt und musikalisch auf höchstem Niveau dirigierte Christina Pluhar das Konzert zur „Fine Lady“ namens Kitty Clive mit dem Ensemble „L’Arpeggiata“. Zu der Sporanisstin Celine Scheen, der Mezzosopranistin Giuseppina Bridelli, Vincenco Capezzuto (Alt) und dem Tenor David Szigetvari gesellte sich noch die schwedische Sopranistin Maria Keohane. Kitty Clive war zu Händels Zeiten, schreibt Hansjörg Drauschke im Programmheft, einer der schillernden Schauspielstars am Londoner Theaterhimmel. Singen konnte sie auch. Sie war die damals bestbezahlte Schauspielerin an der Themse und galt als die perfekte Erscheinung einer „Fine Lady“. Händel soll – ganz Vermarktungsstratege – sie deshalb engagiert haben, weil er sich durch ihre Popularität neue Publikumskreise für sich und seine Musik versprach. Zwei komödiantische Kabinettsstückchen gelangen in diesem Konzert Vincenco Capezzuto in Fine-Lady-Kleidern. Der ausgebildete Tänzer mit der hohen, kinderweichen Altstimme war vor zwei Jahren das erste Mal bei den Festspielen in Halle dabei, damals mit dem Musikprojekt „Soqquadro Italiano“.

Dass Vanessa Gott und die Welt im Barock-Musik-Kreis kennt, konnte ich nach diesem Konzert erfahren. Sie traf sich mit Waltraud aus Wien – ihres Zeichens die Tante von Christina Pluhar. Die gerade 80 gewordene Dame kennt ihrerseits Gott und die Welt und jede mögliche Händel-Opern-Inszenierung auf der Welt. Sie kam mit dem Fan-Kreis um den „Julius Cäsar in Ägypten“-Regisseur Peter Konwitschny nach Halle – was sie nicht davon abhielt, gemeinsam mit Vanessa und mir über so manche dieser Unmöglichkeiten der Inszenierung, ja, zu lästern. In bestem Wiener Schmäh, das sich hier ohne Wiedergabemöglichkeit von Tonfall und Satzmelodie nur unzureichend aufschreiben ließe. Auch die inzwischen stattliche Körperlichkeit ihrer Nichte bekam ihr Fett weg.  Denn: „Früher war Christina so slim, so slim (dünn).“ Selbst Vivica Genaux singt ihrem Geschmack nach zu „maniriert“und deren Vorliebe für halsbrecherisch-hohe High Heels sei ja nun mal gar nicht ladylike auf der Bühne. In ihrem Berufsleben hat Waltraud einmal für die Vereinten Nationen (Uno) gearbeitet. Als wissenschaftliche Redakteurin bei der Ausarbeitung von Gutachten, Stellungnahmen und wissenschaftlichen Papieren über die Wirkung der atomaren Strahlung durch Unglücke wie in Tschernobyl. Alles in allem eine beeindruckende Frau mit großem Herz und einem goldigen Hund. Weil ihr Mann Hubert Händel nicht mag, hat sie halt ihn, pardon sie, namens Elaine, mit nach Halle genommen.                


Sonntag, 2. Juni 2019
Auch für die Rolle des Cesare in der diesjährigen Händel-Opern-Neu-Produktion hat das barockverliebte Publikum einen – seiner Meinung nach - passsenderen Sänger als den gebürtigen Kroaten und Barriton Grga Peros gefunden (nachdem man mit Margriet Buchberger schon eine bessere, weil mit einem voluminöseren, kraftvollen Sopran ausgestattete Sängerin für die  Rolle der Cleopatra ausgemacht hatte.) Schließlich hat Händel sich was dabei gedacht, die Rolle des Caesare für einen Kastraten  (heute Countertenor oder Altus) zu komponieren, der mit  Koloraturen naturgemäß viel virtuoser umgehen kann als ein Barriton. Der Brite Lawrence Zazzo (Altus) jedenfalls lieferte sich mit Mezzosopranistin Vivica Genaux am gestrigen Abend in der Händel-Halle ein kämpferisches Duett nach dem anderen. Da ging stimmlich dermaßen die Post ab –  eine der Spitzenleistungen, die zu einem so renommierten Barock-Festival – das Vanessa im Übrigen nicht nur für das größte Barock-Festival Europas, sondern der Welt hält – wie die Händel-Festspiele in Halle gehört und für die die Fans aus aller Welt jedes Jahr an die Saale reisen. Und für die sich auch das überregionale Fernsehen interessierte. Das Konzert wurde für eine spätere Ausstrahlung auf arte aufgenommen. Da die Pressekarten-Sitzverteiler in der Stiftung Händel-Haus uns mit anderen Medien-Kollegen alle in die erste Reihe gesetzt hatten, bemühten wir uns, das ganze Konzert über stilvoll da zu sitzen und formvollendet Beifall zu spenden. Nicht, dass wir dann auf arte ein irgendwie dummes Gesicht machen oder zu schief dasitzen. Die erste Reihe war bei diesem Ereignis für uns aber allererste Sahne. Wir bekamen die sängerische Ausstrahlung der beiden und die grandiosen Musiker der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner hautnah mit. Ebenso die Klimaanlage, die zumindest an dieser Stelle im Saal bestens funktionierte in der recht plötzlich aufgetretenen Sommerhitze. Und was habe ich bei diesem Konzert noch gefunden? Die nächsten „lovely shoes“! Auf halsbrecherischen High Heels (siehe Bildergalerie) stand Vivica Genauy auf der Händel-Hallen-Bühne. Im Übrigen auch als „Gesamtkunstwerk“ phantastisch gestylt. Allerdings bekam ich bei dem Herren, der neben mir saß, auch die größte Style-Sünde aller Zeiten zu Gesicht: dicke Frottee-Socken in mehr als offenen Trecking-Sandalen. Gut, dass Wolfgang Katschner in formvollendetem Frack und Lackschuhen diesen Anblick nicht ertragen musste – als Dirigent wandte er dem Publikum ja meist den Rücken zu. Auch noch interessant: die Dame, die auf der anderenm Seite neben mir saß, beglückwünschte die Hallenser zu dieser schönen Konzerthalle! Das hört man sonst nicht oft, eher wird meist die Nüchternheit beklagt. Ach, die Konzertsäle woanders wären alle so. Sprachs und genoß die für dieses Konzert jedenfalls bestens geeignete Akkustik.                           


Samstag, 1. Juni 2019
Bis auf den allerletzten Platz füllte sich die Oper am gestrigen Freitag zur Händel-Premiere „Julius Caesar in Ägypten“. Es war – wie es sich eigentlich gehört – auch ein gesellschaftliches Ereignis. Denn mehr oder weniger jeder und jede, der/die in Halle Rang und Namen hat, war gekommen. Dass mit neu verfasstem Text auf Deutsch gesungen wurde, gefiel so einigen Opern-Puristen nicht – hier ginge nur italienisch und sonst nix. Ob dem Librettisten Nicola Haym die neudeutsche Übersetzung  „Schlampe“ gefallen hätte, mag dahingestellt bleiben. Vanessa und ihre australische Händel-Fan-Kollegin Sandra - ausgefuchste Kenner der Händel-Opern-Szene  und einiger „Caesare“-Inszenierungen auf der Welt – fanden es gar nicht gut, dass der Sextus – Sohn von Cornelia – von einem kindlichen Knaben in einer Sprechrolle verkörpert wird. Immerhin rächt er den Mord an seinem Vater im Kampf mit einem Mann (Ptolemäus), wofür man schon mindestens ein (junger) Mann  sein müsste. Die Aufspaltung der Rolle des Sextus in ein Kind und einen Countertenor soll in Peter Konwitschnys Inszenierung die Schizophrenie des einzig zur Rache erzogenen Sohnes verdeutlichen. Countertenor Jake Arditti meistert allerdings seine Rolle als singender abgeschlagener Kopf (der tote Pompejus) hervorragend. Auch Vanessa Waldhart als Cleopatra singt großartig – allerdings sehr zart. Auch die Idee, das Solohorn (Petra Hiltawsky-Klein) und die Solovioline (Dietlind von Poblozki) auf der Bühne spielen zu lassen, sorgt für schöne, fast andachtsvolle Momente. Viele Anspielungen auf aktuelle Verhältnisse und Ereignisse wirkten dann doch überfrachtend. Eine wirklich würdige Cleopatra sah so mancher in Margriet Buchberger. Die gab zur Eröffnungs-Pressekonferenz am Donnerstag eine Kostprobe ihres unglaublich voluminösen Soprans und dann heute zum Kurzkonzert im Stadthaus, das die Ehrung von Professorin Silke Leopold mit dem Händel-Preis 2019 umrahmte. Zwei tolle starke Frauen, die die stehenden Ovationen im proppevollen Saal des Stadthauses vollauf verdient haben.                      
 
Freitag, 31. Mai 2019
Ich bin gerade damit beschäftigt, für Vanessa einen Massseur/Masseurin zu finden. Aus ihrer Heimat (Melbourne) ist sie gewohnt, dass es dort überall kleine Läden gibt, in denen man sich auf die Schnelle und vergleichsweise günstig, massieren lassen kann. Weil sie sich  in Göttingen im Hotel mit diesem Wunsch eine ziemlich drastische Abfuhr eingehandelt hat, hat sie mich gefragt, ob ich nicht jemanden kennen würde in der Leipziger Straße oder so, wo sie hingehen könnte. Da zu dem Sporterverein, in dem ich mich immer bewegen gehe, auch eine Physiotherapeutin gehört, habe ich die gefragt, ob sie auch zu Vanessa ins Hotel gehen würde. Sie würde es machen. Nun geht es "nur" noch um die zeitliche Festlegung dieses nicht ganz gewöhnlichen Händel-Festspiel-Dates.        

Donnerstag, 30. Mai 2019
Bei schönstem Sonnenschein und einer Prise Wind ließen Vanessa und ich uns das inzwischen obligatorische Spaghetti-Eis beim Italiener am Markt samt folgenden Erdbeer-Milch-Shake schmecken (siehe Foto). Vanessa ist im einstigen Hotel Europa diesmal nicht im Zimmer mit dem Keyboard-Tisch untergebracht. Dafür hängt in ihrem jetzigen ein großes Poster über dem Bett mit barockem Klavierspieler, das wohl die Händel-Zeit repräsentieren soll.

Als ein geschmückter Trecker samt Anhänger voller trinkender und (mit)singender Herren auf den Marktplatz fährt, erkläre ich ihr, was es mit dem Vatertag in unseren Landen auf sich hat. Sie fragt mich, ob ich  davon nicht ein Foto (für die Zeitung) machen wolle. Die  Zeitung für Sonntag ist aber bereits fertig, wir haben den freien Feiertag vorgearbeitet. Online könnte ich natürlich etwas machen. Aber der Feiertag und das Treffen mit ihr sind mir einfach heilig. Wir kommen auf die Halloren zu sprechen. Wenn die Herren (mit ihren meist stattlichen Bäuchen) zur traditionellen Feierstunde am Händel-Denkmal ihre Fahnen schwenken, dann gefällt ihr das sehr. Ich kann sie beruhigen – sie werden auch diesmal wieder mit dabei sein. Als ich ihr  erzähle, dass die Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle zu den ältesten Brüderschaften des Landes und der Welt gehört, will sie noch mehr darüber wissen, auch über die Salzgewinnung. Wir verabreden einen Termin im Salinemuseum.

Und dann lassen wir noch ein wenig unsere Fantasie spielen. Vanessa hat bei der Berichterstattung über die „Australien Open“ im Januar in Melbourne jenen japanischen Menschen kennengelernt, der bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio Chef der Social-Media-Abteilung sein wird. Dem hatte man bei der Zugfahrt nach Melbourne die Brieftasche mit Ausweisen und Geld geklaut. Vanessa half ihn ein paar Tage mit der Verpflegung aus. Dabei entwickelte sich der Plan, dass Vanessa – möglicherweise – zu den Olympischen Spielen nach Tokio reisen könnte. Ich solle doch auch mitkommen und meinen Chef davon überzeugen, mich dafür akkreditieren zu lassen. Wenn mit dem Zehnkämpfer Rico Freymuth ein Hallenser dabei sein wird, hätte ich doch allen Grund dazu, diesen live dort zu erleben und über ihn zu berichten... 


Mittwoch, 29. Mai 2019
Diesmal hat Vanessa schon sehr zeitig ihr Kommen avisiert. Dass sie bereits am heutigen Mittwoch in Halle eintreffen würde, schrieb sie schon am 21. Mai. Was ein wirklicher Händel-Fan ist, der kann von dessen Musik nicht genug kriegen. Vor Halle hat sie sich nämlich schon die Händel-Festspiele in Göttingen gegönnt. Genauso wie Halles Händel-Festspiel-Intendant Clemens Birnbaum. Rechtzeitig zur heutigen Eröffnung des „Musenhofes“ in der Neuen Residenz war er aber wieder in Halle zur Stelle. Er sei gespannt darauf, wessen „lovely shoes“ in diesem Jahr in diesem Blog eine Rolle spielen würden. Im vergangen Jahr waren es ja seine – jeweils mit verschiedenfarbigen Schnürsenkeln bestückt. Für den morgigen Feiertag habe ich mich mit Vanessa auf dem Markt verabredet. Zum Spaghetti-Eis-Essen, das sie so sehr und nur in deutschen Landen essen mag.         
 
Prolog
Vor über 15 Jahren saß die mir damals noch unbekannte Vanessa Taylor bei der traditionellen Händel-Opern-Premiere zu den Festspielen neben mir in den roten Sitzpolstern. Wir stellten schnell die beruflichen Gemeinsamkeiten fest, aber ihr wirklich begeisterter Blick galt meinem Schuhwerk. „Lovely shoes!" rief sie angesichts der mit rotem Glitzer-Flitter überzogenen Ballerinas und ich erklärte ihr in holprigem Englisch, in welchem Laden (am Markt) ich sie gekauft hatte. Dass ich mit ihr auch noch denjenigen Händelfan gefunden hatte, der die Antwort auf meine Jahr für Jahr auf der Eröffnungspressekonferenz gestellte Frage war („Woher kommen die am weitesten gereisten Händelfestspiel-Gäste?“ - Antwort „Aus Australien“), stellte sich erst später heraus; ich hatte Vanessa der englischen Sprache wegen zunächst mal in London verortet. Aber seit diesem Ausruf feiern wir jedes Jahr im Juni unser Wiedersehen und erleben zu den Festspielen immer wieder kleine, aber feine Abenteuer. Wer die vom vergangenen Jahr noch einmal nachlesen mag, der schaue hier nach.
 

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