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Supersonntag > Halle (Saale) > Vorstellung der neuen Spielzeit der Bühnen Halle ließ sich nicht vom „Theaterstreit“ trennen: Eine (fast) bühnenreife Inszenierung >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 23.05.2019 um 16:23:24

Vorstellung der neuen Spielzeit der Bühnen Halle ließ sich nicht vom „Theaterstreit“ trennen: Eine (fast) bühnenreife Inszenierung

Opern-Intendant Florian Lutz (links) und sein bisheriger Stellvertreter Veit Güssow am  Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Spielzeit.                         Opern-Intendant Florian Lutz (links) und sein bisheriger Stellvertreter Veit Güssow am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Spielzeit.
Foto: S. Christmann
Halle (S. Christmann). Für hallesche Verhältnisse konnte man den personellen Zuspruch, den die (nichtöffentliche) Veranstaltung zur Vorstellung der neuen Spielzeit 2019/2020 der Bühnen Halle am vergangenen Mittwoch erfuhr, schon mit „Medienrummel" betiteln. Obwohl Medienvertreter dabei zahlenmäßig am wenigsten vertreten waren. Gekommen waren die meisten aber eben nicht wegen der hochinteressanten und teils innovativen neuen Spielpläne, die an sich schon dieses großes Interesse verdient hätten, sondern wegen des sogenannten „Theaterstreits", den die Beteiligten seit vielen Monaten - immer auch unter Zuhilfename der medialen Öffentlichkeit - austragen.

Sie waren in der Mehrheit gekommen, um genau diesen Theaterkriegsgeist, der schon lange aus der internen, geheimhaltenden Flasche entwichen war, wieder in dieselbe zurückzustopfen. Es sollte ausschließlich um die erstaulich gute wirtschaftliche Bilanz der TOOH für 2018 und die Projekte für die neue Spielzeit gehen - das war der Plan. Dafür gab TOOH-Geschäftsführer Stefan Rosinski zu Beginn ein straffes Reglement in Bezug auf Ablauf der Veranstaltung und zeitliche Vorgaben für die Statements vor. Während sich Opern-Intendant Florian Lutz und Schauspiel-Chef mit Rücksicht auf ihre Spielpläne zunächst mit jedweden Äußerungen zu den Querelen zurückhielten, übernahm diesmal Veit Güssow, stellvertretender Intendant der Oper, den Part, darauf aufmerksam zu machen.

Allerdings mit der schärfsten Waffe, die er zur Verfügung hat: Er erklärte seinen Rücktritt zum Ende dieser Spielzeit. Begründung: Die Vergiftung des Be-triebsklimas schreite immer weiter voran. Immer mehr Betriebsbereiche würden davon erfasst, was die Belegschaft spalte und zunehmend demotiviere. Teile des Aufsichtsrates würden bewusst die Aufklärung bestimmter strittiger Vorgänge verhindern. Er bleibe der Oper Halle als Regisseur verbunden, aber eine Fortsetzung seiner jetzigen Tätigkeit unter der derzeitigen Geschäftsführung sei nicht denkbar.

Mit der Replik, dass Güssows Erklärung an dieser Stelle „unkollegial" sei und er es für falsche halte, immer wieder diesen „Theaterstreit" öffentlich zu thematisieren, versuchte Stefan Rosinski daraufhin, den beschriebenen Geist in die Flasche zurückzustopfen und Herr der Lage bei dieser Veranstaltung zu bleiben. Verschiedene Anwesende fühlten sich nun dazu berufen, es ihm gleich zu tun. Selbst Ariane Matiakh - die neue Generalmusikdirektorin der Staatskapelle Halle - wurde davon nicht verschont und genötigt zu erklären, dass Probleme intern innerhalb der TOOH zu besprechen seien und nicht in der Öffentlichkeit. Schauspiel-Chef Brenner zog es nach der Bemerkung, dass die Konflikte trotz Verstreichens der Vier-Wochen-Frist nicht beseitigt seien, vor, die Veranstaltung, die allerdings mit den veranschlagten zwei Stunden auch sehr viel Zeit verschlang, vorzeitig zu verlassen.

Für die anwesenden Medienvertreter war es nun kaum noch möglich, sachliche Fragen zum Spielplan und - ja, auch zum Bühnenstreit - zu stellen, geschweige denn, sie beantwortet zu bekommen. Und so arbeitet sich der Theaterstreit-Geist weiter in immer mehr Köpfe. Längst nicht mehr „nur" in die der Hallenser, sondern in Köpfe von Personen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Wodurch - und das gehört nun mal zu Querelen, die unter eifriger Zuhilfename der Öffentlichkeit ausgetragen werden - Medienvertreter auch weiterhin dazu genötigt werden, die Streitpunkte ein ums andere Mal aufzuwärmen.

Als da wären: Die Vorgänge um die Nichtverlängerung des Vertrages von Opern-Intendant Florian Lutz (der mit Veit Güssow am Montag nach Gera fährt, um den Theaterpreis des Bundes 2019 in Empfang zu nehmen - woran eine 75 000-Euro- Preissumme hängt). Die strittigen Auffassungen darüber, wie weit der TOOH-Geschäftsführer in die künstlerische Freiheit der Sparten-Chefs eingreifen darf und wie deshalb der Gesellschaftvertrag geändert werden müsste, Stichwort Generalintendantenmodell. Die „Affäre" um Nacktfotos und Änderungen von Wikipedia-Einträgen einer kurzzeitig bei der TOOH beschäftigt gewesenen Marketing-Mitarbeiterin. Matthias Brenners Ankündigung, ebenfalls zu gehen, wenn sich in der TOOH-Geschäftsführung nichts ändere. Um all das kursieren offene und andere als „geheim" eingestufte Briefe und Papiere in der Öffentlichkeit.

Wäre man lediglich Zuschauer dieses Treibens, könnte man sagen: Prima, alle Zutaten für eine bühnenreife Inszenierung beisammen. Fehlt eigentlich nur noch der ganz große Knall. Aber wer möchte hierauf schon mit Applaus und Bravo-Rufen reagieren?
 

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