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Supersonntag > Halle (Saale) > 2 000 Robinien wurden im Trothaer Wäldchen geringelt: Qualvoll oder sinnvoll? >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 07.02.2019 um 19:49:23

2 000 Robinien wurden im Trothaer Wäldchen geringelt: Qualvoll oder sinnvoll?

„Geringelte „Geringelte" Bäume im Wäldchen in Trotha. Diese sollen absterben und langfristig durch einheimische Arten ersetzt werden.
Foto: S. Christmann
Halle (S. Christmann). Für die einen ist es ein „qualvolles" (und unnötiges) Baumsterben, für die anderen eine sinnvolle naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahme bzw. eine gezielte ökologische Aufwertung: die „Ringelung" von rund 2 000 Robinien im Wäldchen in Trotha zwischen verlängerter Mötzlicher Straße, dem Karl-Ernst-Weg und der S-Bahn-Trasse.

Trothaer Einwohner wie Liane Kleinert monieren, dass „die Anwohner über diesen großen Eingriff ins Wohnumfeld nicht rechtzeitig" informiert worden seien und Spaziergänger und Hundehalter ihr Erholungsgebiet verlören. Die Deutsche Bahn rechtfertigt die Maßnahme, die nach Recht und Gesetz verlaufe, weil sie als Ersatzmaßnahme für die nötigen Eingriffe in die Natur bei der Errichtung der neuen Zugbildungsanlage ausgehandelt wurde. Allerdings schon vor zehn Jahren - am 5. Mai 2010 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss dazu. Im Vorfeld bei der Auslegung der Beschlussentwürfe dazu hätten die Trothaer Bürger ihre Einwände geltend machen können und dürfen - wenn sie sich denn damals schon damit befasst und das Problem überblickt hätten. So aber fühlen sie sich nach so langer Zeit überrumpelt, dass ihnen „ihr" Wäldchen (die Fläche gehört der Stadt) genommen wird. Was so auch nicht stimmt, denn die Bahn will das Wäldchen (auch auf Wunsch der Stadt) gezielt ökologisch aufwerten. Nichtheimische Bäume wie Hybrid-Pappeln, Robinien, und Eschen-Ahorn sollen nach und nach verschwinden (u. a. durch das Ringeln) und durch naturnahe und gebietsheimische Baumarten, vor allem Eichen, ersetzt werden. Was allerdings seine Zeit braucht.

Wer mit offenen Augen durch das Wäldchen geht, sieht auch als Nicht-Forst-Fachmensch, dass viele Bäume in einem schlechten Zustand sind. Neben bereits umgestürzten Bäumen stehen weitere kurz davor. Weshalb, so die Stadt, 250 Bäume direkt gefällt werden (müssen). Was dem Wunsch entlicher Trothaer, das Wäldchen der Natur, also sich selbst, zu überlassen, widerspricht. Nicht nur die Trothaer fragen sich, warum die großen Robinien überhaupt weg sollen. Mitarbeiter des Bundes für Umwelt und Naturscshutz (BUND), Regionalverband Halle-Saalekreis, fordern sogar den sofortigen Stopp der Arbeiten. Statt eines Kahlschlags sollten absterbende Gehölze nur sukzessive (nach und nach) durch heimische Baumarten ersetzt werden. Weil man bei Vor-Ort-Terminen sogenannte Höhlungen in mehreren geringelten Bäumen festgestellt habe. Diese könnten Fortpflanzungs- oder Ruhestätten geschützter Arten wie Fledermäuse oder holzbewohnender Käfer sein. Das müsse erstmal überprüft werden.

Dass die Bahn bei den Arbeiten im Wäldchen ausdrücklich den Horst eines Rotmilans in Ruhe lässst, reicht den Naturschützern nicht. Sie fordern eine weiträumigere Pufferzone und: die Anpflanzung neuer Pappeln, weil die dem Rotmilan perspektivisch die Möglichkeit geben würden, weitere Horste in den Wipfeln zu bauen. Dass die Bahn so nebenbei mal mehrere hundert Kubikmeter, zum Teil sehr alten, Müll, den sie nicht verursacht hat, aus dem Gebiet geräumt hat bzw. noch räumen wird, wird vom Bund natürlich begrüßt. Die Fraktion der MitBürger fordert, dass die Deutsche Bahn auch noch die sich im Gebiet befindende Mountenbike-Downhill-Strecke langfristig erhält. Obwohl das Sache der Stadt ist, der die Fläche ja gehört.

Beim Vor-Ort-Termin am 4. Februar war kein städtischer Vertreter anwesend. Im Nachhinein wurde erklärt, dass das Totholz der abgestorbenen Bäume im Wald liegengelassen werde. Eichensamen würden erst in die Erde gebracht, wenn kaum noch einer der geringelten Bäume stünde. Die besagten Robinien seien vor 60 Jahren nur als Übergangslösung angepflanzt worden, weil sie schnell wuchsen und so die ehemalige Halde verfestigten. Jetzt seien ökologisch wertvollere Bäume wie die heimische Eiche gefragt, die sehr viel länger lebt und mehr Insekten als die Robinie einen Lebensraum bieten würde.

Die Mitbürger wollen in der nächsten Ausschusssitzung nachfragen, wie die Stadt die Sinnhaftigkeit der Maßnahme nuen Jahre nach der Planfeststellung einschätzt. „Wir erwarten von der Verwaltung eine intensive und kritische Begleitung der Arbeiten an diesem sensiblen Ökosystem und einen ehrlichen und offenen Dialog mit der Öffentlichkeit", so Fraktionsvorsitzender Tom Wolter.
 

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