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Supersonntag > Halle (Saale) > Die tragischen Helden Walter Meier und Carl Kaufmann - Was die (sportlichen) Pechvögel von Rom mit dem (HFC)-Fußball zu tun haben >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 12.12.2018 um 11:11:54

Die tragischen Helden Walter Meier und Carl Kaufmann - Was die (sportlichen) Pechvögel von Rom mit dem (HFC)-Fußball zu tun haben

HFC-Torjäger Mathias Fetsch mit dem Buch über den Olympia-Helden Carl Kaufmann. HFC-Torjäger Mathias Fetsch mit dem Buch über den Olympia-Helden Carl Kaufmann.
Foto: W. Bahn
Halle (Wolfram Bahn). Er hatte sich für die Olympischen Spiele in Rom soviel vorgenommen: Doch schon nach der zweiten Disziplin sind alle Träume des Halleschen Zehnkämpfers Walter Meier geplatzt. Der damals 33-jährige Modellathlet vom SC Chemie bringt an jenem 5. September 1960 keinen gültigen Weitsprung zustande. Damit liegt er aussichtslos zurück. Doch die Kämpfernatur macht weiter. Am Ende belegt er unter 30 Startern den 16. Platz. Am zweiten Wettkampftag der Zehnkämpfer erlebt er im Stadion der „Ewigen Stadt" den zweiten tragischen Helden der Spiele: Dabei handelt es sich um Carl „Charly" Kaufmann. Im 400-Meter-Lauf liefert er sich mit dem US-Amerikaner Otis Davis ein atemberaubendes Duell. Auf regennasser Bahn hechtet Kaufmann im Schlussspurt über die Ziellinie. Beide laufen 44,9 Sekunden - Weltrekord.  Erst nach Auswertung des Zielfotos wird der US-Läufer zum Gewinner erklärt. Eine Hundertstel Sekunde entscheidet. Für den Karlsruher gibt es Silber, so wie später auch mit der 400-Meter-Staffel.

Bis heute ist Carl Kaufmann der erfolgreichste Leichtathlet aus Karlsruhe. Er hat in seiner Laufbahn viele Siege, Medaillen und Rekorde angehäuft. Von 1954 bis 1964 wurde er sieben Mal Deutscher Meister  über die Sprint- und Mittelstrecken. Auch Walter Meier hat ein Stück Leichtathletik-Geschichte geschrieben. Bei Olympia 1956 in Melbourne wird er Sechster. Zwei Jahre später holt er EM-Bronze. Der gebürtige Rogätzer stellt zudem sieben DDR-Rekorde im Zehnkampf auf, drei davon waren zugleich gesamtdeutsche Bestleistungen. Was beide Sportler damals nicht ahnten: 1987 wurde zwischen Halle und Karlsruhe eine Städtepartnerschaft besiegelt. Damals hatte der HFC gerade den Wiederaufstieg in die DDR-Oberliga geschafft. Ein Jahr später kam in Malsch im Landkreis Karlsruhe ein Baby auf die Welt, das heute dem Halleschen Fußballclub  im wahrsten Sinne des Wortes wertvolle Schützenhilfe leistet. Gemeint ist Mathias Fetsch, der derzeit beste Torschütze des Drittligisten aus der Saalestadt.

Mit seinen 1,89 Metern Körpergröße und 85 Kilo Gewicht hätte er bestimmt auch einen guten Leichtathleten abgegeben. Doch seine sportliche Leidenschaft galt von Kindesbeinen an dem Fußball. Beim KSC machte er die ersten Schritte auf dem Rasen. Bis zur U 19 durchlief Fetsch alle Nachwuchsteams der Badener. Zur gleichen Zeit  verschlug es Carl Kaufmann nach Halle. Im Zuge eines Austauschprogramms zwischen den Partnerstädten kam der Fachlehrer für Sport, Religion, Natur und Technik damals an die Lutherschule. Er wohnte bei einer Lehrerin auf der Silberhöhe. Die vierköpfige Gastfamilie bekam schnell mit, dass ihr Gast aus Karlsruhe einer der schillerndsten Leichtathleten in der bundesdeutschen Sportgeschichte ist.  Im Jahre 2015 wurde sogar das Leichtathletik-Stadion in der Südvorstadt von Karlsruhe nach ihm benannt worden.

Als Ehrenmitglied der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) hatte Carl Kaufmann immer versucht, Sportler aus Ost und West zusammenzuführen. Bei seinem ersten Besuch in Halle hat er vor allem über die zahlreichen historischen Gebäude in der Innenstadt gestaunt. Noch bröckelten überall die Fassaden. Doch der kunstverständige Deutsch-Amerikaner sah den architektonischen Schatz, der sich hinter dem grauen Schleier verbarg. Im Laufe der Jahre konnte er verfolgen, wie Halle immer schöner wurde. Sein besonderes Interesse galt der Kulturszene, vor allem der Theater-Insel mit dem „neuen theater". „Das Ensemble ist faszinierend", schwärmte Kaufmann, der sich als junger Mann neben dem Sport auch dem Gesang verschrieben hatte.

Der „Bel Ami der Aschenbahn", wie der Titel eines Buches über ihn lautet,  war ein Tausendsassa. Er trat in Film und Fernsehen auf, schrieb Bücher, bekam Bühnenengagements in aller Welt. Mit dem Schlager „Amor läuft mit" landete er sogar einen Hit. Seine große Liebe galt jedoch der Oper. Im Oktober 1967 gründete Kaufmann sein eigenes Theater: „Die Käuze".  2008 erlag er im Alter von 72 Jahren einer kurzen schweren Krankheit. Walter Meier, der fast 90 wurde, hat ihn um neun Jahre überlebt. Er starb in jenem Jahr, als Mathias Fetsch gerade bei den Rot-Weißen angeheuert hat. Und der will nun auch am Sonnabend im Heimspiel gegen Karlsruhe seinem Ruf als Torjäger des HFC gerecht werden. Trotz der Städtepartnerschaft gibt es für ihn nichts zu verschenken.

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