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Supersonntag > Halle (Saale) > Willkommen in Halles Stadtrats-Stadl - Annegret Hahns Inszenierung der „Großherzogin von Gerolstein“ steckt voller lokaler Anspielungen >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 11.12.2018 um 17:06:04

Willkommen in Halles Stadtrats-Stadl - Annegret Hahns Inszenierung der „Großherzogin von Gerolstein“ steckt voller lokaler Anspielungen

Taugt offenbar hervorragend als Operetten-Kulisse: der große Saal des halleschen Stadthauses, in dem einmal im Monat der Stadtrat tagt.   Taugt offenbar hervorragend als Operetten-Kulisse: der große Saal des halleschen Stadthauses, in dem einmal im Monat der Stadtrat tagt.
Foto: Foto: Bühnen Halle/Falk Wenzel
Halle (S. Christmann). Sie hätte sich wirklich nicht träumen lassen, sagte Annegret Hahn am vergangenen Samstag bei der Premierenfeier im Operncafè, dass sie in Halle noch einmal Theaterarbeit machen würde. Schließlich hatte man sie, die mit Projekten wie „Hotel Neustadt" (in der Scheibe A) oder der Installation der Kinderstadt „Halle an Salle" äußerst erfolgreiche Intendantin des Thalia-(Kinder)-Theaters, 2012 von dieser Arbeit „freigestellt" - zwei Jahre vor dem erst 2014 auslaufenden Vertrag. Grund: Sie hatte sich vehement für den Erhalt „ihres" einzigen, eigenständigen Kinder- und Jugendtheaters in Sachsen-Anhalt eingesetzt (heute existiert das Thalia Theater in Halle nur noch rudimentär als Bestandteil des Schauspiels auf der Kulturinsel).

Aber wie das so ist: auch in diesem Falle sieht man sich zum zweiten Mal im Leben. Als nämlich Opern-Intendant Florian Lutz bei ihr anfragte, ob sie die Regie für Jaques Offenbachs Operette „Die Großherzogin von Gerolstein" übernehmen würde, sagte sie dann doch zu. Und ließ sich in Slapstick-Manier eine Anspielung auf Halle nach der anderen einfallen. Sie versetzte kurzerhand das gesamte Geschehen in den großen Saal des halleschen Stadthauses, in dem einmal im Monat der Stadtrat tagt.

Der großherzogliche Hofstaat - aufgeteilt in die Fraktionen von Halles Kommunalparlament. Bis auf einzelne Personen heruntergebrochen hat Annegret Hahn die Anspielungen freilich nicht, dafür sind ihr die heutigen Gepflogenheiten und Beziehungsgeflechte im Stadtrat sicherlich nicht geläufig genug. Sonst hätte sie den Chorsängern, die von Anfang bis Ende se-henswert von Ute Raab durchchoreographiert eine tragende darstellerische Rolle in der Inszenierung spielen, nicht jenes Zeitungs-Blatt als hallesche Zeitung in die Hand gedrückt, in dem hallesche Geschehnisse schon seit längerem nur noch in mehr oder weniger untergeordneter Rolle vorkommen (es sei denn, etwas lässt sich als großartiger Skandal, möglichst mit Fortsetzung, darstellen).

Mit einigem guten Willen könnte man die reformfreudige, vieles umstürzen wollende Großherzogin mit der Art von Halles Oberbürgermeister vergleichen. Was für den einen Netzwerkabsprachen, sind für den anderen halt Intrigen. Die Großherzogin ist allerdings am Ende so klug, sich mit dem zu bescheiden, was sie hat: „Wenn man nicht haben kann, was man liebt - liebt man, was man hat." In ihrem Falle ist das der zunächst als für viel zu langweilig erachtete Prinz Paul (fein gesungen von Musa Nkuna als Gast). Den heiratet sie dann doch und macht auch nicht (mehr) mit bei dem Komplott, den feschen Soldaten Fritz (Alexander Geller) ermoden zu lassen, auf den sie mehr als ein Auge geworfen hatte. Nur die Hochzeitsnacht mit dessen Wanda (Liudmila Lokaichuk), die lässt sie dann doch noch verderben. Ganz ohne Rache geht‘s eben nicht. Ein Schelm, wer Arges und an Halles Stadtrat dabei denkt.

Dass Kammersängerin Romelia Lichtenstein, die sich die Produktion der „Großherzogin von Gerolstein" explizit gewünscht hatte, in dieser Rolle brillieren wird, hat man mehr als geahnt. Obwohl diese Rolle im Original für eine Mezzosopranistin und nicht für einen Sopran vorgesehen ist. Kai Stromberg als musikalischer Leiter der Produktion hat also mit seinem Team ebenfalls eine herausragende Arbeit geleistet.

Man kann diese Inszenierung wirklich nur jedem Hallenser ans Herz legen. Nicht nur der vielen Anspielungen wegen, sondern, weil sie richtig Spaß macht. Auch wenn die Hallorenkugeln im Video (Konrad Mühe) wie die Soldaten für den Krieg erst maschinell aufgereiht und dann zerkloppt werden. Und die - weil nun wirklich arg nahe liegende - Verwendung des Mineralwasser-Schriftzugs „Gerolsteiner" entbehrlich gewesen wäre.

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