Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die letzten drei Ausgaben

E-Paper Archiv E-Paper Archiv E-Paper Archiv

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden,


zur Zeit finden Wartungsarbeiten an unserer Online-Anzeigenannahme statt.

Bitte schicken Sie uns Ihre Anzeige per E-Mail oder Fax oder rufen Sie bei uns an.

E-Mail: info@wochenspiegel-halle.de
Fax: (0345) 130 10 61
Telefon: (0345) 130 10 0
Supersonntag > Dessau-Roßlau > Frauen und Männer des Glaubens - Angela Schulze: „Mein Leben ist kein Zufall“ >
Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 19.03.2018 um 09:55:44

Frauen und Männer des Glaubens - Angela Schulze: „Mein Leben ist kein Zufall“

Angela Schulze wirkt seit 15 Jahren im Kinderarbeitsteam der Freikirchlichen evangelischen Gemeinde in Dessau. Angela Schulze wirkt seit 15 Jahren im Kinderarbeitsteam der Freikirchlichen evangelischen Gemeinde in Dessau.
Foto: Thomas Ruttke Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Angela Schulze ist fünffache Mutter und engagiert sich in der Freien evangelischen Gemeinde.

Dessau (bh).
Angela Schulze (52 Jahre) lebt seit 1985 in Dessau. Von Beruf ist sie Kinderkrankenschwester und arbeitet seit 13 Jahren im Betriebskindergarten des Städtischen Klinikums in Dessau-Roßlau. Im Kinderarbeitsteam der Freien evangelischen Gemeinde in der Marienstraße wirkt sie bereits seit über 15 Jahren. Als fünffache Mutter liegt ihr das Erleben mit den Kindern, sei es im Privaten, auf der Arbeit oder in der Gemeinde, sehr am Herzen.


Welche Glaubensmotivation verbirgt sich hinter Ihrem Engagement für die Gemeinde?
 
Wichtig ist mir, dass die Kinder Gott, die Gemeinde und die Bibel kennenlernen. Diese Grundlage ist unabdingbar, denn eine Glaubensentscheidung kann nur getroffen werden, wenn man umfassend informiert ist.
 

Die Kinder werden in der Freien evangelischen Gemeinde erst später getauft?
 
Ja, so ist es.
 

Warum arbeiten Sie gerade mit Kindern?
 
Ich wollte immer mit Kindern arbeiten, schon zu DDR-Zeiten. Vor der Wende hätte ich keine Kindergärtnerin werden dürfen. Durch die Arbeit im Kindergarten bin ich nun doch zu meinem Traumberuf gekommen.
 

Favorisieren Sie eine Passage in der Bibel?

Das ist eine knifflige Frage, ich bin ja mit der Bibel groß geworden. Daher kenne ich sehr viele schöne Stellen. Ich mag vor allem die, welche Gottes Liebe beschreiben, zum Beispiel Johannes 3,16: „So sehr hat Gott die Welt geliebt ...“
Wichtig sind mir auch die „Fürchtet euch nicht ...“ bzw. „Fürchte dich nicht ...“ - Passagen. Die wurden in der Tat einmal nachgezählt: Es sollen 365 sein. In den verschiedenen Lebenssituationen, in denen ich mich befand bzw. befinde, waren und sind mir jeweils andere Bibelstellen wichtig.
 

Wie beginnt Ihr Sonntagmorgen?
 
Ich trinke meinen Kaffee. Danach bereite ich mich für den Sonntagsgottesdienst vor.
 

Was bedeutet der Glaube an Gott für Sie?
 
Mein Leben ist kein Zufall, sondern es hat einen Sinn. Gott hat mich gewollt. Mein Leben hat auch ein Ziel, ich bin nicht sinnlos und hilflos irgendwelchen Schicksalen ausgeliefert. Das bedeutet für mich, Gott zu kennen.
 

Was bedeutet Ihnen der Glaube ganz konkret?
 
Mein Glaube steht für kein Weltbild oder Lebensmotto, sondern er bedeutet für mich die persönliche Beziehung zu Jesus.
Alles, was ich von frühmorgens bis abends erlebe, bespreche ich mit Gott. Und alles, was ich aus seinem Wort weiß, schlägt sich in allen Lebensbereichen nieder. Meine Sichtweisen werden dadurch beeinflusst.
 
 

Haben Sie einmal konkret aus Ihrem Glauben geschöpft?
 
Es hilft mir, wenn ich weiß, Gott geht mit mir durch den Tag und schenkt mir für alles, das ansteht, die Kraft. Ich durchlebte eine berufliche Phase, in der ich keinen Einfluss darauf hatte, die Situation zu verändern. Vom menschlichen Standpunkt her gesehen sagte jeder zu mir: „Da wird nichts mehr daraus; das kann nicht gut ausgehen.“ Und doch wandelte es sich ohne mein Zutun zu einer Lösung, die menschlich gesehen nicht möglich gewesen wäre. Meine Fa­­milie und viele aus der Gemeinde haben für mich gebetet.
 

Viele Menschen fragen sich, warum so viel Unheil auf der Welt geschieht. Wie denken Sie darüber?
 
Es ist eine schwierige Frage für jemanden, der keine Beziehung zu Gott hat.

Ich sehe es so: Viele Geschehnisse resultieren ja daraus, dass Gott uns die Freiheit lässt, zu entscheiden. Wir sind nicht seine Marionetten, die an Fäden tanzen. Der Mensch trifft leider falsche Entscheidungen. Wenn etwas schiefläuft, ob es im Großen ist, zum Beispiel die Kriege, oder im Kleinen, da fragen die Menschen schnell, wie Gott dies zulassen könne.

Sicher gibt es Krankheiten, für die man nichts kann. Da muss ich die Frage offenlassen, oder sagen, ich verlasse mich darauf, dass Gott weiß, warum er dies zulässt. Ich weiß, dass er uns Menschen liebt und das Beste vorhat, auch wenn wir es nicht verstehen, aber ich kann nicht alles erklären. Manches lasse ich für mich offen und sage: Irgendwann erfahre ich es. Ich bin Gott dankbar, dass es mich nicht dazu bringt, ihn infrage zu stellen, zu zweifeln. Gerade für die, die Gott nicht kennen, ist es oft schwierig zu verstehen.

Man könnte aber eigentlich auch fragen: Warum geht es uns in Deutschland so gut und woanders sieht die Lebensqualität ganz anders aus. Also dürfen wir ruhig die Frage umgestalten: Warum lässt Gott das Gute zu? Ich denke da zum Beispiel an die Wiedervereinigung. Ein guter Teil der Bevölkerung vergisst scheinbar, wie viel in den Kirchen dafür gebetet wurde. Dankbar bin ich, dass es auf die Art und Weise ausgegangen ist. Durchaus hätte es ganz anders kommen können. Als das Land wiedervereinigt wurde, sahen nicht Wenige keinen Zusammenhang mehr zwischen Gott und den Menschen.
 

Hat die Tätigkeit in der Kirche etwas mit dem Glauben zu tun?
 
Ich lasse meinen Glauben natürlich einfließen, wenn ich mit den Kindern im Gottesdienst über eine biblische Ge­­schichte spreche. In den biblischen Geschichten wird unter anderem über das menschliche Versagen berichtet. Keiner ist perfekt und macht alles richtig, auch nicht die Erwachsenen.

Kinder haben schnell das Ge­­fühl: „Die Großen machen alles richtig und ich muss alles noch lernen.“ Nein, die Kinder nehmen sich viel eher an, wenn sie sehen, den Erwachsenen geht es genauso. Wir alle lernen daraus. Gott hilft einem, immer wieder neu anzufangen.

Somit dürfen die Kinder merken, dass ich ihnen nicht nur irgendeinen Stoff vermittele, sondern ich möchte sie Anteil haben lassen an dem, was ich selbst mit Jesus erlebe.

 
Wie geben Sie Ihren Glauben außerhalb des Gottesdienstes weiter? Sie erzogen fünf Kinder ...

 
Ich las abends vor dem Einschlafen aus der Kinderbibel oder aus dem Andachtsbuch vor, je nachdem.
Es ergibt sich zwangsläufig, wenn sie uns etwas fragen. Die Antworten, die wir geben, die Ratschläge orientieren sich an dem eigenen Maßstab, den wir haben.

Auf der Arbeit, wenn ich mit Kollegen ins Gespräch komme. Sie wissen, dass ich christlich bin. Wenn mich jemand von ihnen fragt, sage ich, wie ich darüber denke. Es ist aber nicht in jeder Diskussion, dass ich unbedingt meine Meinung den anderen vermitteln muss. Das ist manchmal gar nicht angebracht. Es verhält sich oft so, wenn man mal zu zweit ist, werde ich eher gefragt. Nicht in der großen Runde, eher im persönlichen Gespräch.

 
Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Glaubenszugehörigkeit?
 
Es wissen alle auf Arbeit, es wird gefragt und akzeptiert. Gern fragen sie zum Beispiel nach bestimmten Feiertagen.
 

Hat sich etwas an der Tätigkeit für die Gemeinde über die Jahre verändert?
 
Wir als Kindergottesdienstgruppen gestalten im Rahmen des Gottesdienstes mit, je nach Feier, zum Beispiel Erntedank und Weihnachten. Die Gestaltung läuft nicht nebeneinander her, sondern sie ist über die Jahre zusammengewachsen.
Als Eltern hat man Erfahrung, wird routinierter, die Hilfsmittel sind anders geworden. Heute werden das Tablet u. a. eingesetzt.
 

Bleiben die Kinder der Gemeinde auch erhalten?
 
Ja, sicher liegt es auch daran, dass die Eltern in die Gemeinde gehen, aber viele sind jetzt in der Jugendgruppe.
Wir übernachten einmal im Jahr in der Gemeinde von Samstag zu Sonntag. Die etwas Größeren, die eigentlich gar nicht mehr richtig dazugehören, möchten unbedingt als Küchenhelfer mitwirken.
 

Leben Sie immer nach den Geboten Gottes?
 
Für mich ist Gottes Wort wie ein Geländer, woran ich mich festhalten kann, oder wie ein Wegweiser, woran ich mich orientiere. Es liegt mir natürlich daran; für mich ist es der Maßstab. Wenn ich nicht richtig gehandelt habe, dann weiß ich, dass ich damit zu Jesus kommen kann. Ich weiß, dass er mir vergibt, bzw. dass er mir meine Schuld vergeben hat. Ich darf um Vergebung bitten, wenn etwas nicht so läuft. Es ist für mich die Chance, immer wieder neu anzufangen.

Gottes Wort sagt mir, was er sich eigentlich von uns wünscht, was er sich vorgestellt hat. Er sagt mir aber auch, dass er mir immer wieder eine neue Chance gibt. Er hilft mir und arbeitet mit mir gemeinsam daran.

Das kann bei jedem im Leben etwas anderes sein. Es ist nicht so, dass ich irgendein Programm erfüllen muss. Jeder hat seine eigene Schwäche, mit der er sich auseinandersetzen muss. Deswegen ist es kein stures Gesetz, woran ich mich halte, es ist ein Prozess.

 
Wie stellen Sie sich Gott vor? Als dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist?

 
Die Vorstellung von Gott differenziere ich nicht so für mich. Auf jeden Fall ist Jesus für mich Gottes Sohn, damit auch Gott. Und ich habe in dem Sinne keine bildliche Vorstellung von Gott, sondern dies bezieht sich eher auf seine Eigenschaften.
Die Eigenschaften von Gott, die drücken sich für mich in Jesus aus. Was hat Jesus gesagt, was hat er gemacht, wie hat er gelebt, was hat er als Ziel gehabt? Ich schaue in die Bibel: Nämlich die Verbindung zu den Menschen zu suchen. Gott sucht von der ersten Seite der Bibel die Beziehung zu uns Menschen. Schon die erste Frage lautet: „Adam, wo bist du?“ Er sucht die Menschen von Anfang an. Das unterscheidet den Gott der Bibel von allen anderen Religionen. In anderen Religionen versuchen die Menschen immer irgendwie zu Gott zu kommen. Hier: Gott sucht uns.

 
Wodurch werden die Kirchen wieder voller?
 
Nicht durch Anpassung, indem wir alle Aktivitäten in die Kirche übertragen, die überall so stattfinden. Man muss sein Profil, seinen eigenen Glauben leben. Die persönlichen Kontakte sind es, die wichtig sind: die Freunde, Kollegen, Nachbarn. Dass man mal jemanden einlädt, sich austauscht.
Ich weiß nicht, ob das Messen von Besucherzahlen die Qualität ausmacht. Es ist sicher ein Indikator, aber bei Weitem nicht nur.


Waren zu DDR-Zeiten mehr dabei?
 
Unsere Gemeinde ist etwas größer geworden. Ich war eine junge Erwachsene in den Jahren, bevor die Wende kam. Damals überlegte man sich genau, ob man in die Gemeinde geht. Wenn man konsequent gelebt hat, musste man auch mit Schwierigkeiten leben. Man konnte nicht auf zwei Hochzeiten tanzen, deswegen kamen manchmal weniger Leute, aber sie lebten überzeugter ihren Glauben.
 

Wie stellen Sie sich den Himmel und die Hölle vor? Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
 
Davon habe ich keine bildliche Vorstellung.
Ich stelle mir den Himmel unendlich schöner vor als das Schönste, was man hier auf Erden erleben kann.
Und umgekehrt die Hölle. Ich verstehe Folgendes darunter: Man muss auf Ewigkeit mit den Konsequenzen einer falschen Entscheidung kämpfen. Dies ist nicht mehr umkehrbar.

Für mich birgt der Himmel die Hoffnung, wenn ich sterbe, gehe ich zu Jesus. Dann bin ich bei Gott. Da lasse ich mich überraschen.

 
Da gibt es ja genug Vorstellungen und Bücher, zum Beispiel „Den Himmel gibt’s echt ...“ von Todd Burpo.
 
Das Buch übersetzte ja meine Schwester. Es ist für mich ein bisschen wie ein Adventskalender, bei dem man ein wenig das Türchen aufmacht. Daran mache ich aber nicht meinen Glauben fest. Die Ewigkeit wird dies alles noch übersteigen.



Ein Wort von Autorin Béatrice Haas:

In den letzten Wochen interviewte ich Frauen und Männer, welche verschiedenen christlichen Konfessionen angehören. Das Chris­tentum ist bunt und vielfältig wie die Na­­tur, wie Gottes Schöpfung. Dies sollte sich unbedingt in den Interviews widerspiegeln. Drei Frauen sowie drei Männer werden über ihre Sicht des Glaubens erzählen. Alle Interviewpartner taten dies auf erfrischende Art und Weise. Trotz der Vielfalt innerhalb des Christentums eint alle der Glaube an Gott. Sie verbindet gemeinsame Schriften, Traditionen, Lebensweisen und Gebete. Ich danke allen Männern und Frauen des Glaubens für ihre offene Art.

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Fotogalerie von der MDR Sputnik Strandparty in Edderitz Fotogalerie von der MDR Sputnik Strandparty in Edderitz Edderitz (rbz). Am Samstag, dem 14. Juli 2018, feierten viele Jugendliche und Erwachsene auf der Strandparty am Edderitzer See, welche vom Team MDR Sputnik...
Anzeige
Bernburger Dach und Bau
FOTOGALERIE: Strandparty 2018 mit MDR Sputnik im Seebad Edderitz
Anzeige
Chihuahuatreffen in Holzweißig Chihuahuatreffen in Holzweißig Kleine Hunde mit großem Herz und Kuschelfaktor. Chihuahuas sind menschenbezogen Hunde und passen sich sehr gut an das Familienleben an. ...
Anzeige
ÖSA Marcus Wehner