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Supersonntag > Dessau-Roßlau > Neophyten - kaum zu bremsen >
Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 09.10.2015 um 07:55:03

Neophyten - kaum zu bremsen

Im Friedrichsgarten unweit der Mulde breitet sich der Japanische Staudenknöterich dschungelmäßig aus. Christoph Otto vom Amt für Umwelt- und Naturschutz der Stadt Dessau-Roßlau kennt die Problematik. 
Im Friedrichsgarten unweit der Mulde breitet sich der Japanische Staudenknöterich dschungelmäßig aus. Christoph Otto vom Amt für Umwelt- und Naturschutz der Stadt Dessau-Roßlau kennt die Problematik.
Foto: Anke Katte Galerie (1 Bild)
Der Staudenknöterich verursacht Schäden an Deichen und Ufern.

Dessau (ak). Unter der Überschrift „Zu viel Grün im Gartenreich“ hatte der Super Sonntag im September nach dem Hinweis eines Lesers über einen zugewucherten Weg im Friedrichsgarten berichtet. An­­lass war, dass sich Tierfreunde, die ehrenamtlich regelmäßig Hunde aus dem nahen Tierheim ausführen, über den Zustand des parallel zur Dessau-Wörlitzer Eisenbahn verlaufenden  Weges ärgerten. Inzwischen sind die Wegeränder gemäht und der Strecke wieder frei passierbar.
Allerdings breitet sich da im Friedrichsgarten mitten im Gartenreich und im FFH-Schutzgebiet ein ganz anderes Problem aus. Bei dem wuchernden Grün handelt es sich nach Auskunft von Christoph Otto von der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Dessau-Roßlau um einen Vertreter der invasiven Neophyten.
Neophyten sind Pflanzen, die gezielt oder zufällig von anderen Teilen der Erde nach Deutschland gelangt sind und sich hier invasiv ausbreiten und einheimische Pflanzen verdrängen.

In diesem Fall geht es um den Japanischen Staudenknöterich, einer aufgrund ihres rasanten Wachstums sehr beliebten Gartenpflanze, gerade  für die Randbegrünung. Wahrscheinlich hat sie sich von den nahen Kleingärten ausgebreitet und so ihren Weg in die Muldaue gefunden.  Und hier wächst und gedeiht der Knöterich prächtig und überwuchert bereits ganze Flächen und Uferbereiche.

Mit normalen pflegerischen Maßnahme wird man dem Knöterich nicht Herr. Im Gegenteil. Wenn man ihm mit Mähern oder Häckslern zu Leibe rückt,  führt das dazu, dass er sich nur noch schneller ausbreitet. Denn der Japanische Knöterich kann sich nicht nur über Blüten und Wurzel, sondern auch über Sprossenteile vermehren.

Entdecken und melden

Das Problem ist im Amt für Umwelt- und Naturschutz bekannt. Neben dem Japanischen Knöterich gibt es in Dessau-Roßlau noch weitere Neophyten, wie zum Beispiel den auch für den Menschen gefährlichen  Riesen-Bärenklau, die Wasserpest oder das Drüsige Springkraut. Mit Hilfe der Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts e.V. (Korina)wurde eine Karte mit Fundstellen der besagten Pflanzen erarbeitet, die ständig aktualisiert wird.

Christoph Otto: „Wir sind dabei auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, um die Ausbreitung der invasiven Neophyten zu erkennen. Auf keinen Fall sollten Gartenabfälle in der Natur abgelagert werden. Wie man Neophyten aus seinem Garten wieder los wird und am besten entsorgt, erfährt man im Amt für Umwelt- und Naturschutz. Hier gibt es auch einen Flyer, der über die Problematik ausführlich informiert. Wir nehmen auch gern Hinweise zu Fundorten von Neophyten entgegen.“

Übertriebene Angst?

Das klingt für Außenstehende doch alles sehr übertrieben. Krieg der Pflanzen, eine vertreibt die andere, na und?
Als ganz und gar nicht harmlos bezeichnet Artenschutzbeauftragter Christoph Otto das Problem und verweist auf Gebiete in Süddeutschland, in denen bereits Millionen Euro aufgebracht werden müssen, um Neophyten aus sensiblen Bereichen an  Flussufern zumindest einigermaßen unter Kontrolle zu bringen und die Ausbreitung einzudämmen. Denn gerade der Staudenknöterich bereitet auch beim Hochwasserschutz Schwierigkeiten. Er verdrängt andere Pflanzen, die an Ufern von Flüssen und Bächen normalerweise zu Hause wären, zum Beispiel  die Vegetation der Weichholzauen. Zurück bleibt ein kaum durchwurzelter Boden, der im Fall einer Flut einfach weggespült wird.

Im Friedrichsgarten in Dessau hat der Japanische Knöterich längst auch den Deich erobert.
„Wenn wir das Problem der Neophyten nicht bald gemeinsam anpacken, wird daraus ein echtes wirtschaftliches Problem“, meint Otto. In Großbritannien sind Bauherren verpflichtet, nachzuweisen, dass ihr Grundstück frei von Neophyten ist. Auf der Insel gab es Fälle, in denen der Japanische Knöterich durch meterdicke Erdschichten und selbst durch Beton und Asphalt immer wieder aufgetaucht ist.

Kein Patentrezept

Ein Patentrezept, um die Ausbreitung der Überlebenskünstler zu verhindern, hat Christoph Otto auch nicht. „Lieber früher als später müssen wir uns damit ernsthaft auseinandersetzen und dazu müssen alle Beteiligten, vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz über die Kulturstiftung Dessau-Wörlitzer Gartenreich bis hin zu den Kleingärtnern an einen Tisch.“

Info:

Amt für Umwelt- und Naturschutz
Tel. 0340 2 04 20 83
umweltamt@dessau-rosslau.de

www.korina.info

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