Ich sags ja nur ungern, aber ... Die Zahnbürste ist tabu
aktualisiert am 20.04.2012 um 12:44:43
Ich bin nun wahrlich nicht empfindlich, wenn es um kleine Marotten auf der zwischenmenschlichen Ebene geht. Was verzeiht man nicht alles, wenn man liebt.
So bin ich nach 30 Ehejahren fast unempfindlich geworden gegenüber dem Schlürfgeräusch meines Liebsten, wenn er Tee oder Kaffee trinkt. Früher ist mir das entweder nicht aufgefallen, oder er hat nicht geschlürft.
Auf jeden Fall werden die Schlürfgeräusche intensiver je größer die Tasse wird. Inzwischen trinkt er schon aus Liter-Gefäßen (auch so eine Marotte - wir sitzen am festlich gedeckten Kaffeetisch vor unserem guten Service mit den Stiefmütterchen, er hat die Stiefmütterchen-Pflanzschale vor sich mit Kaffee gefüllt).
Es macht mir auch nicht viel aus, wenn mein Mann meine Brille benutzt. Ich würde seine ja auch nehmen, wenn ich durchgucken könnte. Aber leider nimmt mir meist ein zarter Schleier von Fingerabdrücken die Sicht. Ich sage auch nichts zu seinen sehr eigenen Methoden der Lagerwirtschaft und Vorratshaltung. Es macht mir wirlich nichts aus, jedes Mal, wenn ich mir einen Kaffee kochen will, auf die Leiter zu steigen, um die Kaffeebüchse aus dem obersten Schrankfach zu angeln, und auch wenn ich seine Liebe zu abgelaufenen Lebensmitteln nicht teile, so toleriere ich sie doch. Aber, dass er ständig meine Zahnbürste benutzt, kann und will ich nicht hinnehmen. Dabei habe ich schon alles probiert: Nach jedem Zahnbürstenkauf gibt es immer eine kurze Einweisung meinerseits. Meist kriegt er die blaue und ich die rote (so nach dem Junge-Mädchen-Prinzip). Aber auch eine pinkfarbene Zahnbürste schreckt den Liebsten nicht ab.
Doch diesen letzten kleinen Freiraum werde ich verteidigen. Zumal ich auch an unsere Zukunft (im Alter) denken muss. Nicht mehr lange, und unsere Dritten liegen einträchtig im Glas nebeneinander. Was macht das dann wohl für einen Eindruck, wenn der Liebste mit meinem Gebiss loszieht und ich dann notgedrungen mit seinen Beißerchen lächeln muss.