"Lohengrin" (Letzte Vorstellung!)
13.05.10 - Dessau, Anhaltisches Theater
Wie in allen seinen Libretti hat Wagner seiner Dichtung einen ganzen Sagenkomplex zugrunde gelegt, Motive übernommen und starke eigene dichterische Impulse einfließen lassen, die auch die politischen Unruhen der Entstehungszeit widerspiegeln: In einer Zeit außenpolitischer Bedrohung steht Brabant auch innenpolitisch vor dynastischen Querelen: Die Erbfolge scheint nach dem rätselhaften Verschwinden des Kronprinzen Gottfried offen. Unterstützt von Ortrud, einer Nachfahrin der einst im Land herrschenden Friesenfürsten, beschuldigt Graf von Telramund zu Unrecht Elsa, sie habe aus machtpolitischen Gründen das mutmaßliche Verbrechen an Ihrem Bruder Gottfried begangen. In dieser Situation allgemeiner Verunsicherung, in der sich das Volk angesichts der drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen nach der starken Hand eines Führers sehnt, erscheint wie aus einer anderen Welt ein Held: Lohengrin. Doch er knüpft seine Hilfe für Elsa sowie seine Unterstützung als „Schützer von Brabant“ im Kampf gegen die Ungarn an ein Frageverbot bezüglich seiner Identität.
„Lohengrin“ nimmt in Wagners Oeuvre eine Schlüsselstellung ein, da er in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas verwirklicht. Die Komposition entstand zwischen Juni 1846 und März 1848, also in direkter historischer Nachbarschaft zur Märzrevolution von 1848, in der erstmals in Deutschland versucht wurde, die Utopie einer parlamentarischen Demokratie in die Realität umzusetzen.
Als sächsischer Hofkapellmeister glaubte Wagner damals, persönlich nicht nur die Kunstform Oper, sondern zugleich sein Land revolutionieren zu können. Aufgrund seiner Teilnahme am Maiaufstand von 1849 musste er jedoch, steckbrieflich gesucht, aus Deutschland fliehen, die geplante Uraufführung von „Lohengrin“ in Dresden wurde abgesetzt und fand stattdessen in Weimar statt, in Abwesenheit des Komponisten anlässlich einer Goethe- Gedenkfeier 1850 unter der Leitung von Franz Liszt.„Lohengrin“ fand schnell rasche Verbreitung und wurde zu Wagners populärster Oper.